Imbiss in Stuttgart-Degerloch Bei Soul Snacks gibt es keinen Soul mehr

Sir Waldo Weathers und Daniela Merz denken, man lege ihnen absichtlich  Steine in den Weg. Aber die beiden wollen nicht aufgeben. Foto: Caroline Holowiecki
Sir Waldo Weathers und Daniela Merz denken, man lege ihnen absichtlich Steine in den Weg. Aber die beiden wollen nicht aufgeben. Foto: Caroline Holowiecki

Sir Waldo Weathers, der Ex-Saxofonist von James Brown, betreibt mit seiner Partnerin auf der Waldau in Stuttgart-Degerloch einen Imbiss. Bis zum Sommer hat er dort gelegentlich musiziert. Das darf er aber nicht mehr.

Degerloch - Es gibt Burger, Pommes und Würste vom Grill. Soul Snacks, der Imbiss auf der Waldau, ist aber vor allem seinetwegen bekannt: Sir Waldo Weathers. Er betreibt den Grill gemeinsam mit seiner Partnerin Daniela Merz. Der US-Amerikaner blickt auf eine lange, erfolgreiche Musikkarriere zurück. 15 Jahre lang spielte der Saxofonist Seite an Seite mit James Brown. Mit B.B. King, Al Green, Little Richard oder Phil Collins hat er ebenfalls gearbeitet. Und auch mit seinen bald 71 Jahren hat der Sir noch Bands und tritt mit Klassikern und eigenen Stücken auf.

Immer wieder spielte er mit befreundeten Musikern

Bis zum Sommer kamen die Imbissgäste in Degerloch in den Genuss. Immer wieder spielte er mit befreundeten Musikern in einem Zelt vor der Snackbude. „Das hat eingeschlagen wie eine Bombe“, erzählt Daniela Merz. Bis zu 100 Zuhörer hätten sich, je nach Jahreszeit und Coronalage, rund um den Imbiss versammelt und geschwoft. Die Möhringerin berichtet von Familien, Radlern, Sportlern und Wanderern, die stehen geblieben seien und gelauscht hätten.

Doch eine Neuauflage wird es nicht geben. Die Stadt untersagt das Spielen von Musik und hat verfügt, dass das Zelt vor dem Imbiss abgebaut werden muss. „Das Zelt war nicht standsicher, es bestand Gefahr für Leib und Leben“, teilt Nora Lenz-Gaspary, Sprecherin der Stadt, mit. Dies hätten alle städtischen Ämter gemeinsam abgestimmt. „Es ging dabei nicht um die Frage des Lärms“, betont sie. Aber auch eine Alternative gibt es offenbar nicht.

Beschallung des Außenbereichs sei grundsätzlich verboten

Nora Lenz-Gaspary erklärt das so: Beim Imbiss handele es sich um eine Außenbewirtschaftung auf einer Privatfläche. Die Beschallung des Außenbereichs sei grundsätzlich per Auflage verboten. Und da es um einen bau- und gaststättenrechtlich genehmigten Imbissbetrieb gehe und nicht um eine vollgastronomische Einrichtung, kämen auch Ausnahmen vom Beschallungsverbot nicht in Betracht.

Daniela Merz ist frustriert. Bis zuletzt hatten sie und ihr Lebensgefährte, die den Imbiss seit Mitte 2019 betreiben, auf eine Kulanzregelung gehofft. „Es hieß, dass Kleinunternehmer und Gastronomen unbürokratisch unterstützt werden“, stattdessen würden Soul Snacks Steine in den Weg gelegt. Sie glaubt: „Es ist einfach nicht gewünscht.“ Anders könne sie sich nicht erklären, dass etwas Musik beanstandet werde, die Autoposer-Szene, die sich an Wochenenden regelmäßig auf der Waldau treffe, aber nicht. „Da ist die Hölle los. Gegen die sind wir ein Flötenspielchen.“

Der Bezirksvorsteher hat sich für die beiden eingesetzt

Marco-Oliver Luz, der Bezirksvorsteher von Degerloch, hat sich für das Gastro-Paar eingesetzt. Gelegentlich etwas Jazz und Soul unterm Fernsehturm fände er „eine tolle Sache. Wir wissen doch, wie Gastronomen ringen“. Auch wegen der vielen Sir-Waldo-Fans habe er versucht, Brücken zu bauen. „Ich habe viel positives Feedback aus Degerloch gehört“, betont er. Daher habe er mit den zuständigen Ämtern gesprochen. Die Rückmeldungen seien indessen ernüchternd gewesen. Auch er hat die Info erhalten, dass die Konzerte sowohl aus baurechtlicher – im Flächennutzungsplan sei nur Sport zulässig – als auch aus polizei- und ordnungsrechtlicher Sicht nicht möglich seien. Marco-Oliver Luz’ Resümee: „Ich bin da nicht weitergekommen, egal, wie unkompliziert man denkt.“

Daniela Merz gibt sich dennoch kämpferisch. „Nein, wir geben nicht auf.“ Ihre Stammgäste seien auf ihrer Seite und machten ihr Mut, am Kultur-Treffpunkt festzuhalten. „Unsere Kunden sind entgeistert, vollkommen“, sagt sie. Von allen Seiten heiße es: „An der Stelle? Wen stört denn das?“

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