Imker züchten Nachwuchs Bienensex im Hasental

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Im Hasental auf der Schwäbischen Alb stellen Imker aus dem ganzen Land ihre besten Königinnen ab. Ein Besuch auf dem perfekten Platz für Insektenverkehr.

Ein scharfer Blick: Gerald Schleifer kontrolliert die Begattungskisten. Foto:martin Stollberg Royale Hoheit: die  Biene mit der Nummer 98 ist die Chefin des Volkes. Sie entstammt der aktuellen Züchterlinie Gekeler und wird unter anderem für ihre Sanftmut geschätzt. Foto: Martin Stollberg
Ein scharfer Blick: Gerald Schleifer kontrolliert die Begattungskisten. Foto:martin Stollberg Royale Hoheit: die Biene mit der Nummer 98 ist die Chefin des Volkes. Sie entstammt der aktuellen Züchterlinie Gekeler und wird unter anderem für ihre Sanftmut geschätzt.

Schopfloch - Der Platz, an dem die Königinnen auf den Sex ihres Lebens warten, liegt so abgeschieden, dass es vieler Hinweisschilder bedarf. Das erste steht an einer Linde in Schopfloch. Es weist ins Grüne. Zu weiten Wiesen und dichten Wäldern. Eine kleine Ewigkeit später taucht wieder eine Tafel auf. Auch sie weist ins Grüne. Also wieder über eine schmale Straße gondeln, vorbei an dunklen Bäumen und vollen Feldern. An Handyempfang ist schon lange nicht mehr zu denken. Dann das nächste Schild. Es weist ins Dunkle. Dorthin, wo der Boden weich ist und matschig und die Sonnenstrahlen nicht mehr warm sind, wenn sie die Zweige endlich durchdrungen haben.

Hier muss er sein, der Platz, den die Königinnen jedes Frühjahr bevölkern. Sie sind unbefleckt, wenn sie ankommen, und hochschwanger, wenn sie ihn verlassen. Dass man am Ziel sein muss, verraten die bunten Kistchen, die ordentlich aneinandergereiht auf schmalen Bänken aus Holz stehen. Darin hausen wartende Bienen.

Man kennt Deckstationen für edle Pferde. Man hat potente Bullen im Besamungsstand gesehen und wundert sich nicht über die Begattung erlesener Perserkatzen. Aber ein Platz, wo weibliche Rassebienen von männlichen Rassebienen befruchtet werden – wer macht denn so was? Und warum?

Nach einem Abend im Milieu der Bezirksbienenzüchter von Kirchheim unter Teck weiß man mehr. Der Verein betreibt das abgeschiedene Quartier im Hasental bei Schopfloch auf der Schwäbischen Alb. Es ist der beste Ort für Bienensex weit und breit. Die Imker kommen sogar aus Ravensburg und Heilbronn auf den Platz, der den unerotischen Titel Belegstelle trägt.

Die Königin ist eine Gekeler

Das Schloss von Gerald Schleifers Bienenkönigin steht normalerweise in Aichwald in einem schönen Garten am Waldrand mit Apfel- und Birnbäumen drumrum und 20 anderen Schlössern, die korrekt Beuten heißen und aussehen wie kleine Wehrtürme aus Holz. Für das Treffen mit dem künftigen Vater ihrer künftigen Nachkommen muss Gerald Schleifers Bienenkönigin jedoch verreisen. Im Gefolge hat sie nur ein paar Hundert ihrer untergebenen Arbeitsbienen, die sie in ihrem Behelfsschloss füttern und putzen. Das Behelfsschloss heißt im Imkerdeutsch Begattungskasten, sieht aus wie ein Karton für Kinderschuhe mit Luftloch und besteht aus Styropor. Es ist so handlich, dass Gerald Schleifer 21 Stück davon in sein Auto packen und ins Hasental transportieren kann.

Schleifers Königin ist von der Rasse Carnica und entstammt der Züchterlinie Gekeler. Die Gekeler-Carnica-Bienen sind bekannt für ihre Sanftmut, ihre robuste Gesundheit, ihren Widerwillen auszuschwärmen, um sich in fremden Gärten einzunisten – und dafür, dass sie fleißig Honig produzieren. Die Chance, dass Schleifers Superkönigin im Hasental mit einem Supermann zusammenkommt und Supernachfolger zeugt, ist viel größer als daheim in Aichwald. Denn im Hasental fliegen im Umkreis von mindestens drei Kilometern keine Bienenmänner außer den Superbienenmännern, die die Kirchheimer Züchter auf ihrem Gelände halten. Wobei die Profis ihre Superbienenmänner nicht Superbienenmänner nennen, sondern schlicht und korrekt Drohnen.

Die Belegstelle im Hasental ist eine von vier in Württemberg. Der Bezirksverein hat sie vor fast einem halben Jahrhundert gegründet, um gezielt und kontrolliert reinrassige Honigbienen züchten zu können.

Gerald Schleifers Gesicht ist mit einem Netz verhüllt, der Rest seines Körpers steckt in einem weißen Overall. Sicher ist sicher – Sanftmut hin oder her. Der Imker kann sich nicht darauf verlassen, dass keine Biene aus der Kiste schießt, wenn er gleich den Knopf über dem Luftloch dreht und es damit zum Flugloch verwandelt. Durch diese Öffnung soll die Königin schreiten und das antreten, was im Fachjargon Hochzeitsflug heißt. Wann seine Königin abheben wird, weiß Gerald Schleifer nicht. Er wird sie zwei Wochen im Hasental lassen, ehe er sie wieder heim nach Aichwald holt. Das sollte reichen, um begattet zu werden.