Imkerei im Kreis Esslingen Was machen Bienen und Imker eigentlich im Herbst?

Imkermeister Sebastian Faiß füttert seine Bienen mit Zuckerwasser.Bei schlechtem Wetter bleiben die Bienen im Stock und bekommen schlechte Laune. Foto: Roberto Bulgrin

Inzwischen sieht man sie kaum noch. Nur noch vereinzelt schwirren einsame Bienen im Kreis Esslingen durch die Gegend. Wir erklären, wie Bienen und Imker die kälteren Monate des Jahres verbringen.

Aus den Augen, aus dem Sinn. So ergeht es wohl den meisten Menschen mit den Bienen. Im Frühjahr und Sommer sind sie da. Man freut sich über die fliegenden Boten des Frühlings, liest und hört in den Medien über das Bienensterben, die Honigernte und bienenfreundliche Gartengestaltung – und jetzt sind sie halt einfach weg. Aber was machen Honigbienen und Imker eigentlich in den Herbst- und Wintermonaten? Meisterimker Sebastian Faiß von der Imkerei Goldblüte in Aichwald erzählt über das entspanntere Leben der kleinen Bestäuber und ihrer Aufpasser.

 

Vor dem Urlaub kommt die Arbeit

Während über die Einführung der Vier-Tage-Woche in manchen Unternehmen diskutiert wird, sind die fleißigen Bienchen einen Schritt weiter: Sie haben quasi das Sechs-Monats-Jahr erfunden. Von Ende März bis Mitte August ist Volldampf angesagt. Sobald es wärmer wird und sich die ersten Blüten öffnen, werden die Tiere aktiv. Sie sammeln Nektar, und der über den Winter geschrumpfte Bienenschwarm fängt an zu wachsen.

Für die Imker liegt die arbeitsreichste Zeit zwischen Mai und Mitte August: „Wir müssen Völker umstellen, Honig ernten, kümmern uns um die Königinnenzucht und die Varoamilbenbehandlung“, sagt Imker Faiß. Mehr als nur ein Vollzeitjob, da man die Bienen nur während ihrer inaktiven Phasen an neue, blütenreichere Gefilde umsiedeln kann – also nachts. Nach dieser stressigen Zeit gehen es sowohl Bienen als auch Imker etwas langsamer an. „Von August bis September gibt es noch was an den Bienen zu tun, aber es wird weniger.“ Die Winterfütterung folgt nach der Honigernte im August. Dabei wird den Bienen Zuckerwasser zur Verfügung gestellt, um den entnommenen Honig zu ersetzen. Die Bienen fahren jetzt langsam runter: Ab der Sommersonnenwende lege die Königin weniger Eier, und das Volk schrumpfe konstant von circa 35 000 auf ungefähr 12 000 Bienen.

Weihnachten ist Honigzeit

„Im September bis Oktober müssen wir die Völker kontrollieren, ob ihnen das Futter reicht. In der letzten Septemberwoche steht noch mal eine Varoabehandlung an“, so Faiß. Ameisensäure wird dabei durch einen Verdampfer im Bienenstock verteilt, um den Parasiten zu dezimieren. Die Außentemperatur müsse über 15 Grad liegen, damit die Verdampfung funktioniere. Deshalb sei man auf die schöneren Tage des Altweibersommers angewiesen. Danach sei die Zeit für den Imker gekommen, die Arbeiten zu erledigen, für die im Sommer keine Zeit war: Honig abfüllen und Gläser etikettieren. Sven Faiß lagert seinen Honig in 300-Kilogramm-Fässern - „abfüllfertig, sauber und cremig“, wie er sagt. Mehr als ein Fass pro Tag verarbeite er selten, da sonst irgendwann vom Gläserzuschrauben die Handgelenke schlappmachen würden. „Die große Zeit des Honigverkaufs beginnt nach dem ersten Frost und geht bis Weihnachten“, erklärt er. In dieser Zeit setze ein Imker ungefähr 50 Prozent seiner Jahresmenge ab. Das süße Naturprodukt sei beliebt als Weihnachtsgeschenk, fürs Backen und als Erkältungsmittel. Was den Honig seiner Imkerei auszeichne, sei neben der Handarbeit dass er seine Völker in einem kleineren Umkreis aufstelle als die meisten anderen Honigproduzenten. Er setze voll auf Regionalität. Dafür verzichte er bewusst auf größere Erträge, wie sie beispielsweise durch Rapshonig von der Alb zu erzielen wären. „Meine Bienen sind nur im Schurwald, im Fils- und Remstal und im Schwäbischen Wald unterwegs“, sagt Sebastian Faiß.

Wetter kann auch Bienen die Laune verhageln

Und was machen die Bienen jetzt eigentlich im Herbst? „An den wärmeren Tagen suchen sie nach Pollen. Die finden sie noch. Was für den Menschen Nudeln und Reis sind, sind für die Bienen Nektar und Pollen.“ Bei absinkenden Temperaturen ändert sich dies natürlich. Ab circa zwölf Grad werden die Bienen deutlich inaktiver und fliegen kaum noch. Ab zehn Grad Körpertemperatur setzt eine Starre ein, und unterhalb von vier Grad sterben sie. „Die halten es bei schlechtem Wetter wie die Menschen und bleiben zu Hause“, so der Imker. Im Bienenstock erzeugen sie durch Bewegung Wärme. Sie bilden eine Traube in deren Mitte die Königin sitzt.

Die Temperatur bleibt dort auch im Winter konstant bei über 20 Grad. Schlechtes Wetter führe aber auch bei den Bienen zu Verdruss. „Nach einigen Regentagen werden sie spürbar aggressiver. Es ist wie bei den Menschen: Eine Mischung aus Arbeitslosigkeit und immer dasselbe zu essen – das verändert das Verhalten der Bienen spürbar.“

Deutschland ist ein Honigland

Meisterimkerei Goldblüte
Sebastian Faiß gehört zu den verhältnismäßig wenigen Imkermeistern in Deutschland. Nur alle fünf bis sechs Jahre gibt es laut Faiß eine Meisterklasse. In seinem Fall waren das vor rund sieben Jahren 25 Imker aus ganz Deutschland an der Universität Hohenheim. Der Grundstein seiner familiengeführten Imkerei waren zwei Bienenvölker, die er während des Studiums geschenkt bekam. Aus einem Hobby wurde sein Beruf.

Honig in Deutschland
Laut dem Honigverband liegt der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland bei einem Kilo Honig. Dies können die deutschen Imker mit einer jährlichen Ausbeute von über 20 000 Tonnen nur zu 20 Prozent decken. Über 80 000 Tonnen müssen jährlich importiert werden, was Deutschland zum größten Importeur innerhalb der EU macht. Die drei wichtigsten Importländer waren 2016 Argentinien, Mexiko und die Ukraine.

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