Imkerei in Städten im Kreis Böblingen Bienen sind gefragte Helferlein

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Die Imkerei liegt im Trend. Ob im Landratsamt, im Holzgerlinger Rathaus oder bei der Böblinger Baugesellschaft: überall setzt man auf die fleißigen Insekten.

Der stellvertretende Landrat Martin Wuttke (links)  präsentiert den neuen Landratsamtshonig. Manfred Nuber betreut die Bienen und rechnet mit einer Ernte von rund 80 Kilogramm. Foto: factum/Granville
Der stellvertretende Landrat Martin Wuttke (links) präsentiert den neuen Landratsamtshonig. Manfred Nuber betreut die Bienen und rechnet mit einer Ernte von rund 80 Kilogramm. Foto: factum/Granville

Böblingen - Der Kreis Böblingen brummt – und zwar nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht. Immer mehr Firmen, Verwaltungen und Privatleute entdecken die Stadtimkerei für sich – und kämpfen damit auch gegen das Insektensterben an.

Auf dem Dach des Böblinger Landratsamts beispielsweise stehen seit fünf Jahren Bienenkästen. Von dort schwärmen zwei Völker in die Innenstadt aus, um den Honig zu produzieren, den der Landrat Roland Bernhard später an Gäste verschenkt. In diesem Jahr werde die Ernte üppig ausfallen, sagt Manfred Nuber, der Fachberater für Obst und Gartenbau im Landratsamt Böblingen. Er rechnet mit einem Ertrag von insgesamt rund 80 Kilogramm Honig.

Nuber beobachtet einen Trend zu Stadtimkerei und spricht von rund 50 Imkern, die sich wie er dieser Aufgabe verschrieben haben. Denn auch wenn es auf den ersten Blick seltsam erscheint: der Lebensraum Stadt ist für die fleißigen Insekten bestens geeignet – besser sogar als so manches ländliche Gebiet. „Auf dem Land gibt es viele Monokulturen“, sagt Nuber – dort blühe beispielsweise ausschließlich Raps. Sei er einmal verblüht, fänden die Bienen keine Nahrung mehr. In der Stadt dagegen gebe es von den ersten Krokussen Anfang März bis in den August hinein kontinuierlich blühende Pflanzen in Gärten, auf Balkonen, in Parks oder am Straßenrand – eine ideale Umgebung für die Tiere.

Holzgerlingen produziert auch Stadthonig

Mit der Begeisterung für Bienen in der Stadt ist das Landratsamt nicht allein. Auch die Böblinger Baugesellschaft (BBG) hat sich der Förderung der Imkerei verschrieben. Seit dem vergangenen Jahr steht ein Bienenstock in der Brunnenstraße 40/42, ein weiterer befindet sich in der Freiburger Allee 6. „Wir prüfen, wo es Möglichkeiten gibt, noch weitere Bienenstöcke in unseren Liegenschaften ansiedeln zu können“, sagt der BBG-Geschäftsführer Rainer Ganske. Eines der ersten Gläser BBG-Honig überreichten er und der Imker Gustav Pöppke jetzt dem Böblinger Oberbürgermeister Stefan Belz (Grüne).

Auch in Holzgerlingen hat man sich die Produktion von Stadthonig auf die Fahnen geschrieben. Betreut werden die beiden Bienenvölker, deren Kästen seit kurzem auf einem städtischen Grundstück in der Straße „Im Bogert“ stehen, von Peter Sohns. Der Imker hatte sich mit der Idee zu dem Projekt im vorigen Jahr an den damals frisch gewählten Bürgermeister Ioannis Delakos (parteilos) gewandt. Der war begeistert, der Gemeinderat stellte 830 Euro für die Erstausstattung zur Verfügung.

„Die Bienen waren fleißig.“

Die summenden Neubürger kaufte Sohns schließlich in der Nähe von Tuttlingen und siedelte sie in der Ortsmitte an. „Sie fühlen sich dort sehr wohl“, konstatiert der Imker, der neben den Stadtbienen noch 14 weitere, eigene Völker betreut. Auch mit der bisherigen Leistung der Neuankömmlinge ist er sehr zufrieden. „Die Bienen waren fleißig.“ 114 Gläser à 250 Gramm Blütenhonig konnte er bereits abfüllen, in einigen Wochen sei der Nachschub soweit, sagt er. Ähnlich wie im Landratsamt gibt es den Holzgerlinger Stadthonig aber nicht zu kaufen, sondern nur als Geschenk, das Delakos verteilt.

Doch nicht nur der Ertrag als solcher ist den Holzgerlingern wichtig. Die beiden Bienenvölker sollen auch Kinder für die Imkerei interessieren, im kommenden Schuljahr sind Besuche bei den Bienenkästen im Lehrplan der sechsten Klasse des Schönbuch-Gymnasiums eingeplant. Die Begeisterung der Kinder soll sich auf die Eltern übertragen, die ihre Gärten oder Balkone dann vielleicht mit insektenfreundlichen Pflanzen ausstatten, hofft Sohns. Denn nicht nur die Honigbiene sei auf diese Pflanzen angewiesen, auch Wildbienen, Hummeln und viele andere Insekten benötigten sie zum Überleben. „Das ist dann eine Win-win-Situation für alle.“




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