Imkerin im Strohgäu Eine Biene allein macht noch keinen Honig

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Victoria Gommel aus Heimerdingen hält seit wenigen Jahren mehrere Bienenvölker. Seitdem achtet sie mehr auf die Natur – und setzt sich für Ackerrandstreifen ein. Mit dieser Forderung ist sie nicht allein.

Victoria Gommel kümmert  sich in  ihrer Freizeit um mehrere Bienenvölker. Foto: factum/Granville
Victoria Gommel kümmert sich in ihrer Freizeit um mehrere Bienenvölker. Foto: factum/Granville

Ditzingen - Landwirtschaft ist gut, wertvoll und hat ihren Platz im Strohgäu gerade dort, wo es bundesweit die besten Ackerböden gibt. Daran gibt es für Victoria Gommel auch nichts zu kritisieren. Aber wenigstens auf die Ackerrandstreifen könnte man doch achten, sagt Gommel – also auf jene Flächen entlang der Äcker, die frei von Dünger und Pflanzenschutzmitteln die Artenvielfalt fördern. Denn man sei hier schon „arg intensiv in der Landwirtschaft drin“, stellt die Heimerdingerin fest.

Zugleich seien auch in den heimischen Gärten immer weniger Korn- und Ringelblumen, Rittersporn, Löwenmäulchen und all die anderen Wildblumen zu sehen, die ein Lebensraum nicht nur, aber eben auch für die Bienen sind.

Victoria Gommel ist mit dieser Feststellung nicht allein. Das Bundesumweltministerium hat im Juli auf einen massiven Rückgang der Insektenpopulation hierzulande hingewiesen. Es lenkte dabei den Blick auf die Tatsache, dass Insekten für viele Ökosysteme unverzichtbar sind: Sie tragen zur Vermehrung von Pflanzen bei sowie zur Fruchtbarkeit der Böden.

Das Interesse an der Natur ist gewachsen

Nicht immer hat die kaufmännische Angestellte so auf die Natur in ihrem Umfeld geachtet. Erst seit sie mehrere Bienenvölker besitzt, hat sie einen Blick dafür. Ihr ehemaliger Chef hatte einst ihr Interesse an dem Thema geweckt. Und die Ausgangsbedingungen dafür bei ihr zuhause in Heimerdingen waren ideal – schließlich konnte sie zwei Grundstücke dafür nutzen. Die Veränderung, die die Bienen bewirken, hat sie bereits an einem alten Apfelbaum beobachtet: „Er hat Äpfel wie nie.“

Wie der Deutsche Imkerbund mitteilt, hält jeder Imker durchschnittlich 7,3 Bienenvölker. Weniger als ein Prozent betreiben die Imkerei erwerbsmäßig. Nicht ohne Grund hielten die Imker im Schnitt sieben bis acht Völker, sagt auch die 37-Jährige. Man dürfe den Zeit- und Kraftaufwand, der dafür nötig sei, nicht unterschätzen.

Eine Zarge – der Raum, in dem sich ein Volk aufhält, wiegt durchaus mal 30 Kilogramm. Diese Zargen enthalten mehrere sogenannte Rähmchen mit den Bienen. Pro Volk gewinnt Gommel am Ende im Schnitt rund 15 Kilo Honig. Sie muss für den Honig gar nicht groß werben: Etliche Leute fragen bereits nach, wann es neuen Honig aus ihrer Strohgäu-Imkerei gibt.

Der Deutsche Imkerbund verweist darauf, dass die Honigbiene nach Rind und Schwein hierzulande das drittwichtigste Nutztier sei. Rund 80 Prozent der heimischen Nutz- und Wildpflanzen seien auf die Honigbiene als Bestäuber angewiesen, rund 85 Prozent der Erträge im Pflanzen- und Obstbau hingen in Deutschland von der Bestäubung durch Honigbienen ab.

120 000 Kilometer für einen halben Kilo Honig

Für 500 Gramm Honig müssen Arbeitsbienen laut dem Deutschen Imkerbund rund 40 000 Mal ausfliegen. Dabei legen sie eine Flugstrecke von rund 120 000 Kilometern zurück.

Wenn Victoria Gommel zu ihren Bienen geht, ist ihre Haut vollkommen bedeckt. Imkerhut und Handschuhe sollen vor Stichen schützen – wenngleich die Bekleidung keinen absoluten Schutz darstellt. Das eine oder andere Mal wurde Gommel bereits gestochen. Besonders aufmerksam ist sie, wenn die Tiere emsig schwirren.

Vor allem im Frühsommer hält sie sich häufiger bei den Bienen auf, dann nämlich ist der Schwarmtrieb unter den Völkern am größten, also das natürliche Bestreben der Honigbienen, ihre Staaten durch Teilung zu vermehren. Ausgelöst wird dieses Verhalten durch das starke Wachstum eines Bienenvolks in dieser Zeit. Wird ihnen der Platz zu eng und ist zudem eine neue Königin geschlüpft – was passiert, wenn der Imker nicht aufgepasst hat und spezielle Larven reifen ließ – verlassen mehrere Tausend Bienen auf einen Schlag die Box. Für den Imker sind sie dann verloren.

Paradiese für Insekten mitten in der Stadt

Garten in der Stadt
Urbaner Gartenbau, auch Urban Gardening, ist die Nutzung städtischer, meist kleiner Flächen als Garten inmitten der Stadt. Vielfach stehen eine nachhaltige Bewirtschaftung der gärtnerischen Kulturen, die umweltschonende Produktion und ein bewusster Konsum der landwirtschaftlichen Erzeugnisse im Vordergrund.

Arbeit in der Gemeinschaft
Urbane Gemeinschaftsgärten haben verschiedene Bezeichnungen und unterschiedliche Formen. Dazu zählen auch interkulturelle Gärten, wie es einen in Ditzingen unterhalb der Konrad-Kocher-Schule gibt. Eine Übersicht über viele Projekte gibt es unter https://anstiftung.de/urbane-gaerten/gaerten-im-ueberblick.

Veränderung in der Tierwelt
Die Gärten in der Stadt verbessern nicht nur das Mikroklima, sie sind auch ein Beitrag zur Artenvielfalt. Victoria Gommel wirbt mit ihren Bienenvölkern indirekt auch dafür. „Aufgeräumte Gärten“, wie sie es formuliert, seien kein geeigneter Lebensraum für die Insekten, die auf Blüten angewiesen sind.

 




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