Imkertag Weissach Den Imkern ist nicht nur der Honig wichtig

Von Natalie Wicke 

Bienenhaltung wird immer beliebter. Das zeigt auch das große Interesse am Weissacher Imkertag.

Eine Biene lässt es sich in einer Traubenhyazinthe gut gehen. Foto: dpa
Eine Biene lässt es sich in einer Traubenhyazinthe gut gehen. Foto: dpa

Weissach - Geimkert wird längst nicht mehr nur, um Honig zu erhalten, sondern viele Imker wollen einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt von Kultur- und Wildpflanzen leisten“, erklärt Kurt Mezger, Leiter der Abteilung Landwirtschaft, Ländlicher Raum und Veterinär- und Lebensmittelwesen im Regierungspräsidium Stuttgart, das gestiegene Interesse an der Imkerei. „Im letzten Jahr konnte das Land Baden-Württemberg etwa 1000 Neu-Imker verzeichnen“, erzählt Mezger. Auch der Imkertag am Mittwoch in Weissach war mit rund 300 Zuhörern wie in den Vorjahren gut besucht.

Insgesamt freut sich Baden-Württemberg über etwa 23 500 Imker, von denen fast ein Drittel Frauen sind, und 180 000 Bienenvölker. Im Südwesten sind Bienen und Insekten ein ganz wichtiges Thema, um das sich das Land schon seit Jahrzehnten kümmere, sagt Mezger. So unterstützt das Land zum Beispiel Imker bei ihrer Aus- und Fortbildung und bietet finanzielle Unterstützung für die notwendige Ausrüstung. Außerdem wird das Agrarumweltprojekt „Fakt“ (Förderprogramm für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl) angeboten, womit zum Beispiel Landwirte mit Ausgleichszahlungen unterstützt werden, wenn diese extra Blühflächen anlegen. Durch das Projekt wird auch der Erhalt von Streuobstwiesen gefördert.

Mehr blühende Flächen als früher

Schon diese wenigen Beispiele, was die Politik in Baden-Württemberg für Bienen und Insekten im Land tut, zeigen, dass das Thema ernst genommen wird. Auch die Besucher des Imkertages sind der Meinung, dass in den letzten Jahren viel für den Bienenerhalt getan wurde. „Man sieht mehr blühende Flächen als früher, man sieht die Ergebnisse“, sagt Hans-Joachim Ruff, Hobbyimker aus Tübingen.

Doch auch die einzelnen Landkreise können viel dazu beitragen, dass Bienen und Insekten sich in ihrer Umgebung wohlfühlen. „Der Landkreis Böblingen ist, was das natürliches Angebot anbelangt, schon von sich aus sehr gut aufgestellt“, sagt Mezger und ergänzt: „Alleine Streuobstwiesen gibt es hier ohne Ende.“ Aber diese artenreiche Landschaft alleine reicht nicht aus. Und so fördert auch der Kreis Böblingen verschiedene Projekte in der Umgebung.

Die drei Imkervereine im Landkreis bekommen eine Unterstützung von insgesamt rund 7000 Euro jährlich. Außerdem gibt es Prämien für die Neupflanzung von Bäumen durch den Landkreis selbst, und es werden viele Blühstreifen gepflanzt. Auch hier gäbe es noch viele weitere Beispiele und Projekte zu nennen, bei denen der Kreis Imker unterstützt und die Artenvielfalt fördert. Denn „im Vergleich zu anderen Landkreisen kümmert man sich hier wirklich gut, man tut sehr viel“, sagt Mezger.

75 Prozent der Wildbienen überwintern in der Erde

Zu guter Letzt kommt es aber auf jeden Einzelnen an. Bienen und Insekten brauchen Nahrung, die jeder in seinem Garten oder auf seinem Balkon in Form von verschiedenen Pflanzen bieten kann. „Schottergärten sind für uns ein Feindbild“, sagt Mezger. Manfred Kraft, Obmann für Bienenweiden des Landesverbandes badische Imker und Leiter des vom Land geförderten Projekts „Blühende Naturparke“, ergänzt: „Wir sollten die Natur einfach Natur sein lassen. Unordnung im Garten tut Insekten gut“, sagt Kraft und macht auch darauf aufmerksam, dass Wildbienen mehr Lebensraum brauchen. Denn 75 Prozent der Wildbienen überwintern in der Erde. Also einfach kleine Flächen im Rasen oder in Balkonkästen unbepflanzt lassen, damit sich die Wildbienen Höhlen graben können. Und „geht es den Wildbienen gut, geht es auch den Honigbienen gut“, sagt Kraft. Für ihn ist wichtig, dass die Menschen nicht nur die Bedürfnisse der Honigbienen befriedigen, sondern auch, dass sie die Bedürfnisse der Wildbienen und aller Bestäubungsinsekten kennen, und das schon von Klein an.