Immer weniger Altkleider-Container 600 Tonnen pro Jahr – Warum der Rems-Murr-Kreis die Sammlung neu organisiert

In Auenwald-Hohnweiler steht noch ein Altkleidercontainer der Malteser – meist aber ist er überfüllt. Foto: Frank Rodenhausen

Im Rems-Murr-Kreis werden Altkleidercontainer rar. Fast Fashion, Müll im Sammelgut und steigende Kosten bringen ein System ins Wanken, das lange soziale Arbeit finanzierte.

Rems-Murr : Frank Rodenhausen (fro)

Wer im Rems-Murr-Kreis seinen Kleiderschrank ausmistet, merkt schnell: Die vertrauten Altkleidercontainer verschwinden. Was über Jahrzehnte selbstverständlich war – Tüte packen, Kleidung einwerfen, Gutes tun – wird zunehmend komplizierter. Viele Sammelstellen wurden abgebaut, andere sind überfüllt oder existieren nur noch auf Wertstoffhöfen. Für viele Bürger bedeutet das: längere Wege, weniger Möglichkeiten und die Frage, wohin mit aussortierten Hosen, Jacken und Schuhen.

 

Hinter dem Rückzug des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) steckt kein organisatorisches Problem, sondern eine tiefgreifende Krise des gesamten Alttextilmarkts. Die Firma Gras & Sigloch GmbH & Co. KG, die bislang im Auftrag des DRK rund 150 Container im Kreis betreute, hat den Großteil der Sammlung eingestellt. Nur einzelne Ortsvereine, die ihre Container selbst leeren, halten das Angebot noch aufrecht – etwa in Winterbach.

Einnahmequelle für DRK bricht weg: Altkleidercontainer in der Krise

Was verschwindet, war jahrzehntelang mehr als ein Blechkasten am Straßenrand. Aus der Verwertung gut erhaltener Kleidung wurden beim DRK auch ehrenamtliche Aufgaben finanziert: Jugendrotkreuz, Wohlfahrts- und Sozialarbeit, Hilfe vor Ort. Nun bricht diese Einnahmequelle weg.

Dieser Altkleidercontainer des DRK in Weissach im Tal ist mittlerweile längst abgebaut. Foto: Frank Rodenhausen

Der Grund ist ein Markt, der unter dem Gewicht der eigenen Kleiderberge ächzt. Zu viel minderwertige Ware landet in den Containern, zu viel Müll, zu viele nichttextile Gegenstände. Das DRK spricht von veränderten Marktbedingungen, steigenden Kosten und zunehmendem Missbrauch der Container.

Fast Fashion verwandelt Altkleiderspenden in Kostenfallen

Fast Fashion hat die Altkleidersammlung verändert. Billige Textilien aus Mischgeweben oder synthetischen Fasern verschleißen schnell, lassen sich schwer recyceln und sind oft kaum weiterzuverwenden. Was früher als tragbare Spende begann, endet heute immer häufiger als kostenpflichtiger Abfall.

Dazu kommen illegale Entsorgungen: Windeln, Haushaltsmüll, Farbeimer, nasse oder verschimmelte Textilien. Verschmutzte Containerladungen müssen sortiert und oft entsorgt werden. So wird aus einer Spende ein Kostenfall – und aus einem sozialen Kreislauf ein Minusgeschäft.

AWRM kämpft mit Herausforderungen bei Textilabfallsammlung

Auch die Abfallwirtschaftsgesellschaft des Rems-Murr-Kreises ist betroffen. Diese ist seit 1. Januar 2025 verpflichtet, Textilabfälle aus privaten Haushalten getrennt zu sammeln. Dafür hatte sie auch entsprechende Verträge mit einem gewerblichen Sammler und zwei gemeinnützigen Einrichtungen geschlossen.

Doch auch dort geriet das System ins Rutschen. Eine gemeinnützige Einrichtung zog Container ab, die Malteser baten Ende November 2025 um eine Beteiligung an Sammel- und Verwertungskosten. Andernfalls könne der Vertrag ab Februar 2026 nicht fortgeführt werden.

600 Tonnen Altkleider pro Jahr

Die AWRM reagiert nun mit einem neuen Bringsystem. Seit März stehen auf den vier Entsorgungszentren sogenannte Wechselbrücken für den Abtransport der Alttextilien bereit. Auf Wertstoffhöfen bleiben Sammelcontainer im Einsatz, die mindestens wöchentlich geleert werden sollen.

Den Auftrag erhielt laut AWRM die Striebel Textil GmbH aus Langenenslingen. Bei geschätzten 600 Tonnen Altkleidern pro Jahr rechnet die AWRM mit rund 21.000 Euro Aufwand. Der Vertrag ist zunächst auf ein Jahr befristet – auch mit Blick auf eine mögliche erweiterte Herstellerverantwortung für Textilabfälle ab 2027.

Was darf in den Altkleidercontainer? AWRM gibt klare Regeln

In Altkleidercontainer gehören nur gebrauchsfähige, trockene Kleidung, Tischwäsche, Decken, andere textile Stoffe und paarweise gebündelte Schuhe. Die AWRM formuliert es einfach: Nur hineinwerfen, was man auch einem Freund oder einer Freundin weitergeben würde.

Stark zerschlissene, verschmutzte, nasse oder verschimmelte Textilien gehören nicht hinein. Sie können weiter über die Restmülltonne entsorgt werden. Auch überfüllte Container sind kein Freibrief: Säcke daneben abzustellen, ist eine Ordnungswidrigkeit – und macht Kleidung schnell unbrauchbar.

Wohin mit Altkleidern im Rems-Murr-Kreis?

  • AWRM-Annahmestellen: Derzeit können Alttextilien laut AWRM auf den Entsorgungszentren Backnang und Winnenden sowie auf den Wertstoffhöfen Backnang, Kernen, Korb, Leutenbach, Murrhardt, Remshalden und Winterbach abgegeben werden. Vorrangig sollen die Entsorgungszentren genutzt werden. Aktuelle Informationen: www.awrm.de.
  • Weitere Annahmestellen für gut erhaltene Kleidung: Sowas Backnang, Theodor-Körner-Straße 1; DRK-Kleiderhalle Backnang, Öhringer Straße 8; Erlacher Höhe Sozialkaufhaus Strandgut Schorndorf, Hohenstaufenstraße 9; Erlacher Höhe Sozialkaufhaus Welzheim, Schorndorfer Straße 1; DRK-Kleiderstube Winnenden, Wiesenstraße 10.
  • Wichtig: Vor der Abgabe Öffnungszeiten und Annahmebedingungen prüfen. Spenden nicht einfach vor Türen oder Containern abstellen.

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