Eingeschränkte Öffnungszeiten im Kreis Böblingen Viele Freibäder planen am Limit

Das Freibad in Hildrizhausen hat nach einigen Einschränkungen wieder regulär geöffnet Foto: /Stefanie Schlecht/Archiv

Nach einem schleppenden Start in die Saison könnte das Wetter jetzt wohl kaum besser sein. Denn wen zieht es bei dieser Hitze nicht ins erfrischende Nass? Doch die Bäder kämpfen – allerorten fehlt Personal. Mancher prophezeit sogar ein Bädersterben.

Böblingen: Anke Kumbier (ank)

Es sind Meldung, an die man sich gewöhnt hat: Freibäder, die wegen Personalmangel ihre Öffnungszeiten einschränken müssen. Erst vergangenes Wochenende öffnete Sindelfingen wegen eines kurzfristigen Personalausfalls später und schloss früher. Während der Betrieb in Sindelfingen inzwischen wieder regulär läuft, haben andere Bäder weiterhin zu kämpfen.

 

Eine Situation, die sich in den kommenden Jahren verschärfen wird – davon ist Edgar Koslowski, Vorsitzender des baden-württembergischen Landesverbands deutscher Schwimmmeister überzeugt. Kommunen im Kreis Böblingen blicken ebenfalls besorgt in die Zukunft. „Es wird vermutlich ein großes Bädersterben geben“, meint Hildegard Wieland, stellvertretende Kämmerin in Gärtringen. Denn Bäder kosteten die Kommunen viel Geld und: Bademeister – oder korrekt Fachangestellte für Bäderbetriebe – fehlten.

Gärtringen bleibt montags und dienstags zu

Der Blick in verschiedene Freibäder im Kreis zeigt: Fallen Mitarbeiter aus, gibt es kaum Puffer. Das ist nicht nur in Sindelfingen so. Wenige Tage nach Saisonstart musste beispielsweise das Hildrizhauser Freibad schließen und konnte eine Zeit lang nur eingeschränkt öffnen. Dass das Bad inzwischen wieder regulär auf hat, liegt daran, dass der Bademeister aus dem Krankenstand zurückgekehrt ist, wie Kämmerer Ralf Braun erklärt.

In Gärtringen hat nach umfangreicher Sanierung das Bad wieder geöffnet, allerdings nur mittwochs bis sonntags von elf bis 19.30 Uhr. „Uns fehlt eine dritte Kraft“, berichtet Hildegard Wieland. Zwar würden die beiden Fachkräfte von Rettungsschwimmern unterstützt. Diese könnten aber nicht die Aufgaben einer Fachkraft für Bäderbetriebe übernehmen, die sich mit der Badtechnik, Wasserfilterung und vielem mehr auskennen müsse.

Auf einen externen Dienstleister, wie es Hildrizhausen an drei Tagen in der Woche tut, will Gärtringen nicht zurückgreifen. Zu prägend waren die schlechten Erfahrungen im vergangenen Jahr. Unstimmigkeiten über das Anstellungsverhältnis hatten sogar zur einer Klage gegen die Gemeinde geführt. Doch das Arbeitsgericht in Stuttgart wies sie ab. Wieland hofft, als „kleines Bonbon“, das Freibad noch weit bis in den Spätsommer offen lassen zu können.

Kurzfristig keinen Dienstleister gefunden

Die Stadt Holzgerlingen reagiert auf den Ausfall eines Bademeisters ebenfalls mit eingeschränkten Öffnungszeiten. Sie sind unregelmäßig, um allen Nutzergruppen – Frühschwimmern und Familien, die den Nachmittag bevorzugen – gerecht zu werden, erklärt Sprecher Dirk Hamann. Eine Übersicht der Zeiten findet sich auf der Homepage der Stadt. Den Personalausfall über einen Dienstleister abzufangen, sei so kurzfristig nicht mehr möglich gewesen, sagt Hamann. Um für die kommende Saison gegenzusteuern bilde die Stadt städtische Mitarbeiter zu Rettungsschwimmern aus.

In Böblingen gelingt es, die regulären Öffnungszeiten anzubieten. Doch Sprecherin Caroline Jackson spricht ebenfalls von einer angespannten Situation. Eine Stelle sei inzwischen wieder vakant. Außerdem kommen in Böblingen auch Mitarbeiter eines externen Dienstleisters zum Einsatz. Nach anfänglichen Schwierigkeiten habe sich die Zusammenarbeit gebessert, sagt Caroline Jackson. Ende Juni war ein Mitarbeiter des Dienstleisters nicht wie vereinbart erschienen, weshalb das Bad verspätet öffnete.

Stadtwerke Böblingen bilden aus

Die Stadtwerke, die das Bad betreiben, bilden selbst aus. „Aber es ist sehr schwer, Azubis zu finden“, sagt Jackson. Eine Erklärung dafür habe sie – über das Phänomen des allgemeinen Fachkräftemangels hinaus – nicht. Sindelfingen wiederum sieht die Ursache in „den tariflichen und organisatorischen Rahmenbedingungen“ und „in den körperlichen, technischen und sozialen Ansprüchen an das Fachpersonal“, die jährlich steigen würden. Möglicherweise ein Grund für die hohe Durchfallquote in der Ausbildung, von der Koslowski berichtet. Viele, die den Beruf gewählt haben, würden zudem wieder aussteigen, weil sie anderswo besser verdienten.

Jürgen Rieser hofft, dass sich Bürger zu Rettungsschwimmern ausbilden lassen.

Manche wunderten sich vielleicht, weshalb Bäder früher mit weniger Personal länger offen hatten, sagt Edgar Koslowski. Inzwischen sei das Arbeitsrecht strenger geworden, beispielsweise das Zeiterfassungsgesetz. „Es geht heutzutage eben nicht mehr, einen Bademeister 14 Stunden am Tag, die ganze Saison durcharbeiten zu lassen.“ Passiere etwas und die erlaubte Arbeitszeit wurde überschritten, fehle der Versicherungsschutz. Die Entwicklung verurteilt Koslowski nicht, weil sie für mehr Sicherheit sorge. Aber sie fordere eben auch mehr Personal – das wiederum oft nicht vorhanden ist.

Noch da sind die Rettungsschwimmer der DLRG, die an Feiertagen und am Wochenende wichtige Unterstützung bei der Aufsicht leisten. Nachwuchssorgen sind allerdings auch dort kein Fremdwort. „Noch geht es uns ganz gut“, sagt Jürgen Rieser, erster Vorsitzender der DLRG Ortsgruppe Böblingen zwar. Aber: „Es gibt immer weniger, die drei bis vier Tage in der Saison für einen Dienst opfern wollen.“

Er wirbt deshalb dafür, dass sich Bürgerinnen und Bürger zu Rettungsschwimmern ausbilden lassen. „Das ist an einem Wochenende möglich.“ Einzige Voraussetzung sei: Schwimmen zu können.

Weitere Freibäder betroffen – DLRG stellt Bilanz der Badeunfälle vor

Freibäder
Das Freibad in Renningen musste diese Saison ihre Öffnungszeiten bereits ebenfalls wegen Personalmangel reduzieren. Aktuell hat es wieder regulär geöffnet.

Badeunfälle
Aus den Freibädern im Kreis sind glücklicherweise keine schwerwiegenden Unfälle bekannt. Laut DLRG sind in den ersten sieben Monaten des Jahres 2024 in Baden-Württemberg mindestens 27 ertrunken. Das sei eine Person mehr als im gleichen Zeitraum 2023. Die Mehrzahl der Unfälle ereigneten sich demnach an nicht bewachten Gewässern – 14 Menschen ertranken in Seen, acht in Flüssen. Zwei Drittel aller Ertrunkener sind laut DLRG männlich und mehr als die Hälfte der verunglückten Personen waren älter als 60 Jahre.

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