Immobilien-Dialog Stuttgart Gemeinsam Wohnraum schaffen

Rolf Gaßmann, Michael Föll, Ulrich Wecker, Jürgen Rieger, Peter Brenner, Frank Talmon l’Armée und StZ-Redakteur Sven Hahn (von links) auf dem Podium. Foto: Heinz Heiss
Rolf Gaßmann, Michael Föll, Ulrich Wecker, Jürgen Rieger, Peter Brenner, Frank Talmon l’Armée und StZ-Redakteur Sven Hahn (von links) auf dem Podium. Foto: Heinz Heiss

Branchenvertreter diskutieren mit Lokalpolitikern über Wege, gemeinsam neuen und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Alle Akteure wollen sich an einem Bündnis für Wohnen beteiligen – und werfen zudem den Blick über den Kesselrand.

Lokales: Oliver im Masche (che)
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Stuttgart - Mit Blick auf den Großraum Stuttgart deutet sich bei der Suche nach einer Lösung der Wohnungsnot in der Landeshhauptstadt eine Kooperation zwischen der Stadt und der Region Stuttgart an. Thomas Bopp, Vorsitzender des Regionalverbands, hat am Dienstag beim Immobilien-Dialog vor 500 Teilnehmern angekündigt, die Bemühungen intensivieren zu wollen, den Druck auf die Landeshauptstadt durch zusätzliches Bauland in den Nachbarkreisen zu senken. „In der Region gibt es noch genügend Flächen entlang der Entwicklungsachsen“, sagte Bopp mit Blick auf Gebiete im Einzugsgebiet der S-Bahn-Linien.

Michael Föll, Erster Bürgermeister von Stuttgart, war von dem Angebot angetan. „Wir müssen mit der Region ins Gespräch kommen.“ Zugleich betonte Föll, dass dies nicht bedeute, dass sich Stuttgart damit beim Bau neuer Wohnungen aus der Verantwortung stehlen wolle. „Aber die Stadt kann das nicht allein schultern“, sagte Föll.

Blick über die Markungsgrenze hinwegwerfen

Auch in der von Sven Hahn, Redakteur der Stuttgarter Zeitung, moderierten Expertenrunde, betonten die Immobilienvertreter, dass der Blick auf Stuttgart allein nicht ausreiche. „Man darf nicht an der Markungsgrenze Halt machen“, so Peter Brenner, Vorstandsvorsitzender der IWS Immobilienwirtschaft Stuttgart. Auch Ulrich Wecker, Chef des Haus- und Grundbesitzervereins Stuttgart, meint, „dass der Schlüssel in der Region liegt.“ Jürgen Rieger, Geschäftsführer der Süddeutschen Wohnen GmbH, blickt ebenfalls über den Kesselrand. „Wir werden das Problem nicht allein in Stuttgart lösen können.“

Bereits seit Jahren klagen Wohnungssuchende darüber, dass die Preise auf dem Immobilienmarkt in der Landeshauptstadt in ungeahnte Höhen gestiegen sind – und ein Ende ist bisher kaum absehbar. Insbesondere Familien aus unteren und mittleren Einkommensgruppen tun sich schwer bei der Wohnungssuche. Die Stadt plant deshalb für 2014 bis 2018 mit 1000 neuen Sozialmietwohnungen. Und nach dem Vorbild anderer Großstädte soll nun auch ein Bündnis für Wohnen ins Leben gerufen werden. Vom Herbst an wollen Vertreter der Kommunalpolitik und der Immobilienbranche an dem Runden Tisch nach Wegen suchen, die Wohnungsnot zu lindern.

OB: Alle müssen an einem Strang ziehen

OB Fritz Kuhn (Grüne) betonte, dass das Bündnis für Wohnen nur Aussicht auf Erfolg habe, wenn alle an einem Strang ziehen. „Ich fordere vor allem Kompromissbereitschaft der Beteiligten“, sagte Kuhn. „Ich sehe Sie als Partner, ohne die wir als Stadt nicht weiterkommen.“ Klar sei, dass beim Schaffen neuen Wohnraums in Stuttgart die Innenentwicklung Priorität vor Bauvorhaben auf der grünen Wiese habe.

Kooperation mit dem Regionalverband?

Frank Talmon l’Armée, Geschäftsführer der Epple Holding GmbH, warnte allerdings vor zu hohen Erwartungen. „Üblich ist bisher meist, dass nur gebaut wird, was auch die höchste Rendite verspricht.“

Mieterverein: Kritik an Kommunalpolitikern

Für Rolf Gaßmann, Vorsitzender des Mietervereins Stuttgart und Umgebung, ist indes die öffentliche Hand selbst der Hauptverursacher der drastischen Mietpreissteigerungen in der Landeshauptstadt. „Wir haben jetzt fast zwei verlorene Jahrzehnte im Wohnungsbau hinter uns“, sagte Gaßmann. „Der soziale Wohnungsbau hat gar keine Rolle gespielt.“ Angesichts von lediglich drei Förderanträgen beim Land aus 2013 für den Bau von 66 Sozialwohnungen solle man sich höherer Ziele setzen.

Der OB selbst forderte, bei der energetischen Sanierungen im Gebäudebestand steuerliche Anreize zu schaffen. Bisher seien nur ein Prozent der 300 000 Häuser in Stuttgart entsprechend modernisiert. „Das meiste haben wir noch vor uns“, so Kuhn.




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