Immobilienkredite Wird der Baukredit zur Einnahmequelle?

Zum Bauboom haben die niedrigen Zinsen erheblich beigetragen. Foto: Adobe Stock

Darlehen für den Hauskauf mit einer Laufzeit von zehn Jahren gibt es mittlerweile zu Zinssätzen unter einem Prozent. In der Schweiz und in Dänemark wurde bei einigen Finanzierungen bereits die Nullgrenze durchbrochen.

Frankfurt - Dass der Immobilienmarkt verrücktspielt, finden viele Wohnungssuchende schon lange. Doch nun wird über eine Entwicklung spekuliert, die die Verhältnisse regelrecht auf den Kopf stellen würde: Einige Banken hielten Negativzinsen auf Immobilienkredite für möglich, berichtet die gewöhnlich gut unterrichtete Website finanz-szene.de. Immobilienfinanzierungen also, bei denen der Kreditnehmer einen Teil des Darlehens geschenkt bekommt. Ausschließen will ein solches Szenario selbst die Bundesbank nicht: „Betriebswirtschaftlich kann es für eine Bank sinnvoll sein, Kredite negativ zu verzinsen, anstatt höhere Zinsen bei einer anderen Verwendung zu bezahlen“, erklärte der zuständige Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling auf Anfrage unserer Zeitung. Die Banken zahlen Negativzinsen, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken.

 

Der Hintergrund der Debatte: In Dänemark können Verbraucher für den Hauskauf neuerdings ein Darlehen mit einem negativen Nominalzins aufnehmen, der sogar für zehn Jahre festgeschrieben ist. Angeboten werden diese Kredite seit Anfang August von der Jyske Bank, die seither einen regelrechten Ansturm von Interessenten aus aller Welt erlebt. Allerdings finanziert das Geldhaus nur Immobilien in Dänemark, wie es mittlerweile auf der Startseite seiner Website für den deutschen Markt hervorhebt. Dem Kauf von Immobilien durch Ausländer sind in Dänemark enge Grenzen gesetzt.

So attraktiv, wie es auf den ersten Blick erscheint, ist das Angebot der Jyske Bank nicht. Ihre Kreditnehmer profitieren zwar von negativen Zinsen, müssen für die Aufnahme des Darlehens aber eine Gebühr entrichten. Unter dem Strich kostet es daher doch Geld. Das liegt an einer Besonderheit des dänischen Hypothekenmarkts: Immobilienkredite werden von den dortigen Banken ausschließlich durch den Verkauf von Pfandbriefen an Investoren finanziert. Normalerweise reichen die Banken die Zinszahlungen der Darlehensnehmer direkt an die Käufer der Pfandbriefe weiter. In der verrückten neuen Zinswelt ist es andersherum. Für die Bank zählten letztlich nur die Gebühren für die Vermittlung des Kredits, erläutert ihr Immobilienexperte Mikke Høegh.

In Deutschland dagegen brächten Negativzinsen auf Immobilienkredite den Banken Nachteile. Offiziell will man in der Branche deshalb nichts davon wissen: In einer Umfrage des Vergleichsportals Biallo.de äußerten sich Deutsche Bank, Hypovereinsbank, ING und Allianz Leben ablehnend. Die BW Bank teilte unserer Zeitung mit: „Negativzinsen bei der Vergabe von Immobilienkrediten sind nicht geplant.“ Bei der Commerzbank kann man sich „derzeit nicht vorstellen, negative Baufinanzierungszinsen anzubieten. Das gilt für Privat- und Gewerbekunden.“

Hierzulande funktioniert der Markt anders

Bei Gewerbekunden allerdings wurde die Nullgrenze nicht nur in Dänemark, sondern auch in der Schweiz bereits durchbrochen. Adrian Wenger, Hypotheken-Experte beim Schweizer „Vermögenszentrum“, erläutert: „Die Vergabe negativ verzinster Immobilienkredite kann für eine Bank attraktiv sein, wenn sie dadurch der Entrichtung von Negativzinsen an die Schweizerische Nationalbank entgeht.“ Diese verlangt von den Banken für Einlagen oberhalb eines gewissen Freibetrags derzeit Minuszinsen von 0,75 Prozent. Allerdings können die Geldhäuser ihre Einlagen bei der SNB täglich kündigen. Negativ verzinste Immobilienkredite sind für die Banken deshalb nur dann eine Alternative, wenn sie mit sehr kurzen Laufzeiten vergeben werden – am Markt beobachtet wurden laut Wenger bislang Darlehen mit maximal drei Monaten Laufzeit.

Negative Bauzinsen könnten mit Strafzinsen für Sparer einhergehen

Die Einführung negativ verzinster Immobilienkredite für private Häuslebauer wird nach Einschätzung Wengers in der Schweiz dadurch verhindert, dass diese Darlehen vornehmlich mithilfe von Spareinlagen gegenfinanziert würden. „Solange Spargelder in der Masse von Negativzinsen verschont bleiben, werden auch Hypotheken für private Hauskäufer positiv verzinst bleiben“, meint der Experte.

Bislang werden in der Schweiz, genau wie in Deutschland, nur sehr hohe Guthaben von Privatkunden mit Negativzinsen belastet. Angesichts der Überlegungen der EZB, die von den Banken zu entrichtenden Strafzinsen zu verschärfen, schließen Branchenvertreter allerdings eine Weitergabe an Kleinsparer nicht mehr aus.

Sollten Negativzinsen im Massengeschäft auf beiden Seiten – also Einlagen wie Kredite – Wirklichkeit werden, so dürfte das den Preisauftrieb auf dem Immobilienmarkt anheizen. Für Bundesbank-Vorstand Wuermeling wäre die Einführung negativer Bauzinsen dennoch kein Grund zum Einschreiten. Zwar würde durch Minuszinsen auf Hauskredite „eine Kreditaufnahme aus Kundensicht attraktiver“, erklärte Wuermeling. Entscheidend sei aber, „dass die Banken ihre Kreditvergabestandards nicht lockern.“

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