Immobilienprojekt am Bodensee Der Untergang der Bodanwerft

Von Wolfgang Messner 

Die Bodanwerft in Kressbronn am Bodensee ist insolvent. Für Immobilienmakler ist das Areal die Lizenz zum Millionenmachen. Nun soll auf dem Gelände ein luxuriöses Wohnquartier entstehen. Doch viele Bürger fühlen sich durch das Projekt vorgeführt.

Wo jetzt noch die alten Produktionshallen stehen, sollen bald luxuriöse Wohnungen entstehen. Foto:  
Wo jetzt noch die alten Produktionshallen stehen, sollen bald luxuriöse Wohnungen entstehen. Foto:  

Kressbronn - Dies ist die Geschichte dreier Männer, die zusammen ein großes Ding machen wollten. Diese drei Männer haben unterschiedliche Berufe, Ansichten, Biografien und auch nicht unbedingt die gleichen Ziele. Doch irgendwann im Frühsommer des Jahres 2010 kreuzte sich ihr Lebensweg, und sie schienen sich einig, diese Sache durchzuziehen. Es wurde dafür eine Werft geopfert. 60 Arbeitsplätze, ein Stück Tradition und eine Menge Glaubwürdigkeit gingen verloren.

Andererseits wurde ein schönes Stück Ufergelände am Bodensee als Gewerbegebiet frei. Das ist selten, denn der Bodenseeuferplan und die naturschutzrechtlichen Bestimmungen sind da sehr streng. Für Immobilienmakler ist dieses Areal ein Glücksfall, die Lizenz zum Millionenmachen.

Die drei Männer sind: der Werftbesitzer Robert Dittmann, der Bürgermeister Edwin Weiß und Willi Schmeh, ein Immobilienentwickler. Das Projekt, um das es geht, ist die Bodanwerft in Kressbronn. An ihrer Stelle sollen, wenn es nach den drei Herren geht, in den nächsten Jahren insgesamt 125 Wohnungen, ein Einkaufszentrum, ein Restaurant und ein Café, Büroräume und Arztpraxen sowie ein neuer Yachthafen entstehen. Bestenfalls kommt bis 2018 noch ein Hotel mit 120 Betten dazu.

5000 Euro pro Quadratmeter

Die Wohnungen sollen, so heißt es, den Eigenbedarf der Kressbronner Bevölkerung decken. Tatsächlich aber dürfte es sich um Luxuswohnungen handeln. Bei einem Quadratmeterpreis von 5000 Euro ist wohl keine der Bleiben unter einer halben Million Euro zu haben. Das beschauliche Kressbronn mag vieles sein, ein Dorf von Millionären ist es nicht. Die Kaufkraft pro Einwohner liegt nach einer IHK-Studie bei 5711 Euro – im Jahr, nicht im Monat.

Willi Schmeh tritt in der Bodanwerft als Investor auf, man kann ihn auch einen Immobilienentwickler nennen. Aber nur von „High-Class-Immobilien“, darunter macht er es nicht. Der 55-jährige Kaufmann aus Deißlingen im Kreis Rottweil hat sein Immobiliengeschäft vom Vater übernommen. Seit Anfang der 90er Jahre macht er große Bauträgergeschäfte in Berlin und Dresden, in Stuttgart und München, im Allgäu und am Bodensee. Meist repräsentative Gebäude, die er renoviert oder neu erbaut.

Edwin Weiss, der Bürgermeister, ist noch vom alten Schlag. Der 64-Jährige packt die Sachen an, gibt dem Gemeinderat die Richtung vor. Der folgt ihm brav. Seit Sommer 2010 hat er die Sache vorbereitet. Den grundlegenden Beschluss für das Prestigeprojekt fasste der Kressbronner Gemeinderat am Montag der vergangenen Woche. Von 18 Räten waren elf für und sieben gegen den „Durchführungsvertrag“. Die Gegner sagen, sie hätten von der Verwaltung nicht genügend Informationen erhalten. Eine wirkliche und neutrale Abwägung aller Fakten, wie vom Gesetz gefordert, sei überhaupt nicht möglich gewesen. Den nächsten Schritt – die Verabschiedung des Satzungsbeschlusses, der den Bebauungsplan vorbereiten soll – will der Gemeinderat heute Abend folgen lassen.