Immobiliensuche in den Stuttgarter Filderbezirken Eine Familie möchte ihr Zuhause tauschen

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Die junge Familie Hofmann/Schmidt lebt derzeit in einer Dreizimmerwohnung im Stuttgarter Süden. Weil sie im April Nachwuchs erwarten, wollen sie ihre Wohnung gegen eine größere eintauschen.

Annika Schmid, Florian Hofmann und ihr Sohn Jonni wohnen derzeit in einer Dreizimmerwohnung im Stuttgarter Süden. Für April erwarten sie noch eine Tochter. Foto: Julia Bosch
Annika Schmid, Florian Hofmann und ihr Sohn Jonni wohnen derzeit in einer Dreizimmerwohnung im Stuttgarter Süden. Für April erwarten sie noch eine Tochter. Foto: Julia Bosch

Filder/S-Süd - Der Aushang an der Degerlocher Ahornstraße macht stutzig: Eine junge Familie sucht ein Haus oder eine Wohnung mit mindestens vier Zimmern in Stuttgart-Degerloch, Kaltental oder Sonnenberg. Daran ist erst einmal nichts Ungewöhnliches. Immobiliengesuche gibt es zahlreiche an Laternenmasten in Stuttgart. Auffällig ist der Preis: Die Familie ist laut Aushang bereit, bis zu 900 000 Euro zu zahlen. Eine stolze Summe für eine Wohnung oder ein Haus – selbst bei den aktuell horrenden Immobilienpreisen.

Wer die Nummer anruft, die auf dem Aushang notiert ist, kommt bei Florian Hofmann raus. Der 34-Jährige wohnt mit seiner Frau Annika Schmidt (35) und dem gemeinsamen Sohn Jonni (2) in einer Drei-Zimmer-Eigentumswohnung im Stuttgarter Süden. Mit dem Verkauf dieser Wohnung können sie den Kredit für eine größere Wohnung aufnehmen, erklärt das Paar. „Anfangs hatten wir uns noch überlegt, unsere derzeitige Wohnung zu behalten und zu vermieten. Aber wir haben schnell gemerkt, dass das angesichts der Preise auf dem Immobilienmarkt unmöglich ist“, sagt Annika Schmidt. Den Preis von 900 000 Euro hätten sie festgelegt, da sie in den vergangenen Monaten gemerkt hätten, dass sie darunter kaum etwas finden, was ihren Kriterien entspricht.

„Häuser sind entweder sehr baufällig oder exorbitant teuer“

Das Paar erwartet für April das zweite Kind, eine Tochter. Deshalb benötigt die Familie mehr Platz. „Wir müssen nicht zwingend bis zum Geburtstermin etwas Neues finden. Aber langfristig soll jedes Kind sein eigenes Zimmer haben.“ Außerdem wünscht sich die Familie einen kleinen Garten oder einen nahe gelegenen Spielplatz für die Kinder.

Seit August ist die Familie auf der Suche – bisher erfolglos. „Wenn einem etwas in Stadtnähe angeboten wird, ist das entweder sehr baufällig oder exorbitant teuer“, berichtet Florian Hofmann. Annika Schmidt ergänzt: „Es wird wirklich alles auf den Markt geworfen. Viele Exposés sind nicht realistisch. Und wir haben schon so viele sanierungsbedürftige Häuser gesehen, bei denen man nicht einschätzen kann, was man alles renovieren müsste.“

Verkäufer spielen nicht mit offenen Karten

Eine dieser wenig befriedigenden Besichtigungen war ein Termin in Kaltental. „Wir mussten richtig kämpfen, um überhaupt einen 30-Minuten-Termin zu erhalten. Erst vor Ort haben wir gesehen, dass in dem Haus auf drei verschiedene Varianten geheizt wird, mit Gas, Strom und einem alten Holzofen. Außerdem war die Wohnung vermietet, was eine sehr unangenehme Situation war. Das sind typische Spielchen. Es wird nicht mit offenen Karten gespielt“, berichtet Annika Schmidt.

Das Paar ging in die Offensive: Es suchte nun nicht mehr nur über das Internet und mit der Hilfe von Maklern, sondern hat selbst eine Anzeige in der Zeitung geschaltet und um die 80 Aushänge in Stuttgart verteilt – unerlaubt, wie sie kürzlich erfahren haben. Auf Anweisung der Stadt Stuttgart hat das Paar inzwischen alle Aushänge entfernt, bei denen es sich noch an den genauen Ort erinnern konnten.

Ohne Garten oder Spielplatz ist schwierig für eine Familie

Trotzdem hat das Paar über die Aushänge einige vielversprechende Kontakte geknüpft, zum Beispiel zu einem älteren Ehepaar im Heusteigviertel. Sie wollen sich verkleinern und hätten gerne mit den Hofmanns die Wohnung getauscht. „Wir waren uns schon fast einig, aber haben uns doch dagegen entschieden, weil die Wohnung keinen Garten hatte und auch keinen Spielplatz in der Nähe. Das ist mit zwei Kindern nicht sinnvoll.“ Insgesamt bedauert die Familie, dass in Stuttgart bisher keine echte Wohnungstausch-Plattform existiert. „Da gibt es einen echten Bedarf. Es wäre eine gute Sache, wenn die Stadt eine solche Plattform schaffte. Denn bisher ist es so, dass jeder so lange auf seiner Wohnung sitzt, bis er etwas Neues findet“, sagt Annika Schmidt.

Tatsächlich gibt es seit einem halben Jahr eine Wohnungstausch-Initiative der Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG). Tauschinteressierte Mieter können sich über die Website der SWSG melden, die Aktion nennt sich „Aus groß mach passend“. Bisher fanden laut SWSG jedoch erst drei Umzüge statt. Nicht nur deshalb fordern Kritiker ein effektiveres Wohnungstauschmodell für Stuttgart.

Familie will im südlichen Teil Stuttgarts bleiben

Die Familie Hofmann/Schmidt hatte unterdessen seit Sommer rund 25  Besichtigungen. „Das ist fast ein Fulltime-Job: Wir haben alle möglichen Informationsdienste abonniert, sind mit mehreren Maklern im Kontakt und scannen jeden Tag mehrfach unsere Mails. Man muss immer total schnell sein, obwohl man so viel Geld in die Hand nimmt. In Ruhe schauen – das geht nicht“, sagt Florian Hofmann.

Auch selbst zu bauen wäre für die Familie eine Option. „Aber freien Baugrund gibt es einfach nicht“, sagt Florian Hofmann. Generell schließt die Familie nichts mehr aus, nur im südlichen Teil Stuttgarts beziehungsweise in den Filderbezirken würden sie gerne bleiben: „Wir arbeiten beide hier und haben eine tolle Kita gefunden. Außerdem wohnen im Umkreis von Degerloch, Sonnenberg, Kaltental unsere Freunde. Das wollen wir nicht aufgeben.“

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