Impferfolg gegen das Coronavirus in Großbritannien Jenseits des Kanals lebt es sich nun besser

  Foto: imago images/Stella Pictures
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Nach Massenimpfungen und Lockdown haben am Montag in Großbritannien alle Geschäfte geöffnet, und die Gastronomen dürfen Gäste bewirten.

Korrespondenten: Peter Nonnenmacher (non)
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London - Etwas wärmer hätte man es sich in England ja gewünscht, um erstmals wieder auszugehen und draußen zu sitzen. Fröstelnd im kalten Wind traten viele Menschen auf der Insel am Montag eher zögernd vor die Tür. Und doch wollten sich alle, die so lange auf diesen Tag gewartet hatten, die Freude an der „neuen Freiheit“ nicht nehmen lassen. Denn seit Montag sind sämtliche Geschäfte wieder geöffnet im Land. In Kaufhäuser darf man gehen und sich vom Friseur die Haare schneiden lassen. Schwimmbäder, Fitness-Studios und Ferienwohnungen sind wieder in Betrieb.

Vor allem aber dürfen Kneipen und Restaurants ihre Kundschaft, zunächst im Freien, wieder bewirten. Zum ersten Mal seit über drei Monaten servieren Englands Pubs wieder ihre begehrten Pints. Reger Verkehr herrschte in allen Pub-Gärten. Gaststätten sind auf Monate hin ausgebucht. Zwar müssen 60 Prozent der Gastronomie-Betriebe noch mindestens bis Mitte Mai geschlossen bleiben, weil sie keine Plätze zur Bewirtung draußen haben. Und einige Kneipen haben seit März 2020 ihre Türen für immer geschlossen, wie zahllose Läden und Ketten auch.

Die überlebenden Pubs haben sich fieberhaft vorbereitet

Aber die „überlebenden“ Pubs haben sich fieberhaft vorbereitet auf die Wiedereröffnung – auch wenn sie auf den Premierminister etwas länger warten müssen. Der wollte eigentlich am Montag in einem Pub-Garten sitzen, hat seinen Besuch wegen des Todes von Prinz Philip nun aber verschoben. Immerhin bekundete Boris Johnson seine Freude über diesen „größeren Schritt nach vorn, auf unserem vorgezeichneten Weg zur Freiheit“. „Unumkehrbar“ solle diese Aufhebung von Restriktionen sein, und den Menschen in England „eine Chance geben, wieder Dinge zu tun, die wir geliebt und schmerzlich vermisst haben“, sagte er.

Als nächste Schritte sind die Erlaubnis von Zusammenkünften in Innenräumen vom 17. Mai an und zum 21. Juni die Abschaffung so gut wie aller Restriktionen vorgesehen. Dazu werde es allerdings nur kommen, ermahnte Johnson seine Mitbürger, wenn sich jedermann „vorsichtig und verantwortungsbewusst“ verhalte. Die neue britische Zuversicht steht in bemerkenswertem Gegensatz zur Lage auf der anderen Seite des Ärmelkanals, wo man sich vielerorts gegen die Wucht einer dritten Covid-Welle wehren muss.

Zu Wochenbeginn wurden weniger als 2000 Neuinfektionen gemeldet

Immerhin wurden zu Wochenbeginn im Vereinigten Königreich weniger als 2000 Neuinfektionen pro Tag und nur noch sieben neue Todesfälle gemeldet. So niedrig war die Zahl der Opfer seit Mitte September nicht mehr. Mit mindestens einer Dosis sind mittlerweile mehr als 32 Millionen Menschen – fast die Hälfte der Gesamtbevölkerung – geimpft worden. Über 7,5 Millionen dieser Geimpften haben auch schon ihre zweite Dosis erhalten. Mehr als eine halbe Million Dosen werden jeden Tag gespritzt.

Auch Wissenschaftler auf der Insel hoffen, dass damit günstigere Ausgangsbedingungen für den Sommer geschaffen wurden. Freilich schließen sie eine weitere Welle nicht grundsätzlich aus. Für die skeptischeren Experten kam schon Johnsons Öffnung der Gesellschaft diese Woche zu früh. „Wir dürfen nicht vergessen, dass es noch immer eine große Zahl von Personen gibt, die sich bisher nicht angesteckt beziehungsweise die keine Impfung erhalten haben“, gab Professor Peter Hornby, einer der prominenten Covid-Fachleute, zu bedenken. „Irgendeine Art von Rückschlag“ müsse man im Zuge der Lockerung des Lockdown zweifellos erwarten: „Auch wenn wir nicht wissen, wann das kommt und wie groß es sein wird.“

Die Bank von England sagt ein Hochschnellen des Konsums voraus

Solche Warnungen mögen Wirte und Geschäftsführer nicht hören, die sich nun eine rasche Ankurbelung der Wirtschaft erhoffen. Die Hoffnungen richten sich auf die fast 200 Milliarden Pfund, die britische Haushalte angespart haben sollen seit Beginn der Pandemie. Allein für diese Woche rechnet man mit einem Konsumhunger, der mehr als 300 Millionen Pfund in Umlauf bringen könnte. Geradezu ein „Hochschnellen der Sprungfeder“ der heimischen Ökonomie sieht die Bank von England voraus.

Kaum beteiligt an einem solchen Aufschwung wäre freilich der ärmste Teil der Bevölkerung – jene Menschen, die in der Pandemie wegen Job-Verlusten oder geschrumpfter Einnahmen ihre Ersparnisse haben aufbrauchen müssen. Berechnungen des Thinktanks „Neue Wirtschaftsstiftung“ zufolge droht überdies 850 000 Menschen Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit oder Lohnabbau, sobald zum Ende des Sommers die staatliche Unterstützung abgestellt wird.




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