Impfstoffe für den Export Moskau und Peking wollen die Welt piksen

Vor dem Neujahrsfest lassen sich Chinesen besonders gerne impfen. Foto: dpa/Ren Chao
Vor dem Neujahrsfest lassen sich Chinesen besonders gerne impfen. Foto: dpa/Ren Chao

Obwohl die Impfstoffe der beiden Großmächte umstritten sind, werden sie nicht nur in der Heimat verwendet. Das erklärte Ziel ist der Export.

Politik/ Baden-Württemberg: Christian Gottschalk (cgo)

Stuttgart - Von der nächsten Woche an soll in Russland so richtig Gas gegeben werden. Präsident Wladimir Putin hat eine Massenimpfung angeordnet, nachdem bisher bereits rund 1,5 Millionen Russen den Piks bekommen haben, hauptsächlich alte Menschen und medizinisches Personal. Bis November sollen 70 Prozent der knapp 150 Millionen Russen geimpft sein – natürlich mit Sputnik V, dem Impfstoff aus eigener Herstellung.

Bereits im August vergangenen Jahres hatte Wladimir Putin verkündet, dass russische Wissenschaftler die weltweit ersten seien, die ein wirksames Mittel im Kampf gegen das Coronavirus gefunden hätten. Schon vor dem Abschluss der klinischen Versuche wurde das Mittel ausgegeben. Das war mit ein Grund dafür, warum es von ausländischen Behörden eher argwöhnisch beäugt wird. Und auch in Russland selbst ist das Vertrauen nicht ungebrochen. In manch einem Krankenhaus und Altenheim haben sich die Mitarbeiter lieber einen freien Tag genommen, als zur angekündigten Impfung zu spazieren.

Das internationale Marketing ist ausbaufähig

Zum einen braucht Russland den Impfstoff dringend. Mehr als 3,4 Millionen Menschen haben sich nach offiziellen Angaben infiziert, das Land beklagt rund 200 000 Tote. Nur in den USA und in Brasilien sind mehr Menschen gestorben. Zum anderen soll Sputnik jedoch schnell in alle Welt exportiert werden. Der Plan sieht vor, eine halbe Milliarde Impfdosen in diesem Jahr zu produzieren, ein Vielfaches von dem, was selbst benötigt wird.

Wobei das internationale Marketing noch ausbaufähig ist. Argentinien hat den russischen Impfstoff am letzten Tag des alten Jahres zugelassen, ebenso Guinea. Ungarn und Venezuela testen ihn derzeit. Die Ukraine hingegen hat in dieser Woche offiziell ein Angebot abgelehnt, ihre Bevölkerung mit dem russischen Stoff zu impfen. „Russland denkt nicht an die Gesundheit der Ukrainer. Es denkt an das Aufzwängen seiner propagandistischen Ideologien“, sagte Außenminister Dmitri Kuleba. Man warte ab, auch wenn die im Westen entwickelten Mittel dem Land nicht vor März zur Verfügung stünden.

Seit wenigen Tagen testet Russland nun einen neuen Impfstoff, eine Art Sputnik V light. Er soll schneller, vor allem aber ohne eine zweite Injektion wirken – dafür allerdings auch weniger lange Schutz bieten. Und er soll billiger sein: ein klares Angebot an die ärmeren Länder dieser Welt.

In China stehen drei weitere Produkte vor der Zulassung

Die unabhängigen, sprich: nicht russischen, Informationen über die Wirksamkeit von Sputnik V sind gering, die über den chinesischen Impfstoff sind noch geringer. Offiziell ist ein Impfstoff des chinesischen Herstellers Sinopharm Ende Dezember in China zugelassen worden, Medienberichten zufolge wird er bereits seit dem Sommer eingesetzt. Auch China setzt auf Export: In den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Bahrain wird das Mittel seit September verwendet, seit dieser Woche auch in der Türkei.

Bis Ende des Jahres sollen in China mindestens 600 Millionen Impfdosen produziert werden. Nach dem Mittel von Sinopharm stehen Vakzine von drei weiteren Herstellern kurz vor der Zulassung. Im chinesischen Fernsehen waren dieser Tage Bilder von langen Schlangen vor den Impfzentren zu sehen. Am 12. Februar steht das chinesische Neujahrsfest bevor, das ist traditionell eine der größten Völkerwanderungen der Neuzeit, da jeder nach Hause zu seiner Familie strebt. Da ist maximaler Schutz gewünscht.

Zu denen, die in der chinesischen Impfhierarchie ganz oben stehen, gehören Beschäftigte im Logistikbereich und in Häfen. Das hat einen Grund: In China werden immer wieder kleinere Corona-Ausbrüche gemeldet, und oft wird dafür importierte Ware verantwortlich gemacht – so zum Beispiel auch tiefgefrorenes Schweinefleisch aus Deutschland.




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