Impfung für Rotkreuz-Managerin Landrat rügt die Impfdrängler vom Roten Kreuz

„Bedauern und Einsicht waren deutlich“: Waldshuts Landrat Martin Kistler Foto: /Landratsamt Waldshut/Sabine Braun

Offiziell verteidigt das DRK Bad Säckingen die Impfung für die Kreisgeschäftsführerin. Bei einer Standpauke beim Waldshuter Landrat („Das Verhalten war falsch“) zeigten sie sich hingegen einsichtig und reumütig.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Stuttgart - Die umstrittenen Corona-Impfungen für Bürokräfte beim Rotkreuz-Kreisverband Bad Säckingen haben im Landkreis Waldshut ein Nachspiel gehabt. Der Vorsitzende des DRK-Kreisverbandes und die vorab geimpfte Kreisgeschäftsführerin wurden nach Informationen unserer Zeitung vom Landrat Martin Kistler zur Rede gestellt. „Das Verhalten war falsch“, ließ Kistler eine Sprecherin bestätigen. Dies habe er im Gespräch mit dem DRK-Kreischef und der „betroffenen Person“ klargemacht. „Sie hat sich entschuldigt und wird eine Spende an eine gemeinnützige Organisation machen“, berichtete Kistler. „Das Bedauern und die Einsicht in ihr persönliches Fehlverhalten waren deutlich“, fügte er hinzu; daher wolle man es damit bewenden lassen.

 

Gegenüber dem Landtag haben sich die DRK-Spitzen damit deutlich anders geäußert als in der Öffentlichkeit. Offiziell wird bisher angegeben, die Impfung für die Rotkreuz-Managerin sei zum damaligen Zeitpunkt korrekt gewesen. Erst später habe das Sozialministerium deutlich gemacht, dass zunächst nur Rettungskräfte mit direktem Patientenkontakt geimpft werden könnten. Die Kreisgeschäftsführerin hatte im Impfzentrum eine Bescheinigung ihres Personalchefs vorgelegt, wonach sie ungekündigt „in der Abteilung Rettungsdienst in der Notfallrettung beschäftigt“ sei. Man habe sie als „Notfallreserve“ für mögliche Engpässe vorgesehen, gab der DRK-Kreischef an. Als einstige Pflegedienstchefin erfülle sie dafür die Voraussetzungen.

Zweifel an Qualifikation für Rettungsdienst

Innerhalb des Kreisverbandes werden daran inzwischen massive Zweifel geäußert, so auch vorige Woche bei einer turbulenten Betriebsversammlung. Die 53-jährige, seit Jahren nur in der Verwaltung tätige Frau erfülle die Bedingungen nicht annäherend, hieß es. Mit ihrer Qualifikation dürfe sie als zweite Kraft einen Krankentransport begleiten, nicht aber im Rettungswagen eingesetzt werden. Unter anderem fehle ihr die Einweisung in spezielle Geräte. Inzwischen hole die Frau diese nach, wird aus Säckingen berichtet. Die Wogen beim DRK-Kreisverband Säckingen schlagen auch deshalb so hoch, weil der Vorgang um die Impfung nach diversen anderen Beschwerden „das Fass zum Überlaufen gebracht“ habe.

Der zuständige DRK-Landesverband Baden hatte die Darstellung der Säckinger als nachvollziehbar bezeichnet. Zuvor hatte der DRK-Bundesverband alle Mitarbeiter eindringlich an ihre Vorbildfunktion erinnert. Anlass war ein Vorgang beim Roten Kreuz in Hamburg-Harburg, wo Führungskräfte mit übrig gebliebenen Impfdosen geimpft worden waren. Der zuständige Kreisgeschäftsführer wurde daraufhin abgelöst. In Säckingen gibt es bisher keine vergleichbaren Konsequenzen.

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