Stellen in Stuttgart bei Marko Schacher aus: Claudia Thorban und Uli Gsell Foto: Thorban/vbkw
Uli Gsell behaut den Stein, Claudia Thorban zaubert Pflanzenspuren als Lebensspuren auf Acrylglas. Zusammen? Entsteht eine Schau Marke „Nicht verpassen!“ bei Schacher in Stuttgart.
Nikolai B. Forstbauer
14.04.2026 - 12:07 Uhr
Hier eine Spur nur, eine zarte schwarze Linie auf Glas. Dort ein Raunen in Farbe, das ein Rauschen unter alten Bäumen ahnen lässt. Und unmittelbar daneben ein Blau wie nur je eines. Tief geht es hinein und hinab. Und dies alles auf kleinformatigen Glasplatten. „Garten“ nennt die im Hohenlohe lebende Installationskünstlerin Claudia Thorban diese Serie – und eine Steinfiguration des Bildhauers Uli Gsell antwortet souverän mit der Hochspannung scheinbarer Ruhe.
Schon der erste Dialog der Werke von Thorban und Gsell in Marko Schachers Raum für Kunst in Stuttgart (Blumenstraße 15) entwickelt eigene Dynamik. Gsells steinerne Figurationen, vordergründig an Häuser, Türme und Schädel erinnernd, gehen das Tänzeln der Liniengeflechte von Thorban mit. Und umgekehrt erspüren Thorbans Pflanzenforschungen den tiefen Ernst, der Gsells beste Arbeiten über die Ein- und Durchblicke zugleich zu mit Leben gefüllten Räumen macht.
In Marko Schachers Raum für Kunst: Werke von Uli Gsell ..... Foto: Schacher
Kann das sein, dass hier eine Künstlerin im achten Lebensjahrzehnt einem auch schon 59-Jährigen begegnet, ihn zum Tanz auf jeweils ganz eigenen scharfen Pflanzen- und Steinspitzen einlädt – und das Ergebnis jene Verbindung von tiefstem Ernst und beflügelter wie beflügelnder Leichtigkeit zeigt, wie sie doch überbordender Jugend vorbehalten scheint? Da entwickelt sich ein Tempo, in dem doch nicht verloren geht, dass Uli Gsell am stärksten ist, wenn er der klaren Konzeption des in den Stein geschnittenen Raumes folgt, darin ein „Etwas“ entstehen lässt, das als Figuration gleichermaßen von Innen nach Außen wie von Außen nach Innen wirkt.
.... und der Druckverfahren als Malerei nutzenden Installationskünstlerin Claudia Thorban Foto: Schacher
Und es geht auch nicht verloren, dass sich die Tafeln der 1949 in Crailheim geborenen und in Berlin aufgewachsenen Claudia Thorban sehr wohl im gerne von ihr selbst gewählten engmaschigen Dialog verbinden, zugleich aber gänzlich unabhängig enorme Kraft entwickeln können. Wie passend für diese feine Schau, dass sich die Positionsüberprüfungen von Thorban und Gsell jeweils in Zeichnungen überprüfen lassen – schnelle Skizzen scheinbar, die doch bei genauer Auswahl den ganzen Gsell, die ganze Thorban versprechen.
Werke von Uli Gsell und Claudia Thorban gibt es von 120 Euro an
Ist es wichtig, dass der 1967 in Stuttgart geborene Uli Gsell, der in Ostfildern lebt und arbeitet, in dieser Schau erstmals seine im Februar in Mexiko entstandenen Zeichnungen über die Bildsprache der Azteken zeigt? Es ist mehr ein Hinweis, wie sich das innere Gewicht der bildhauerischen Arbeit von Gsell mit erklärt – aus der Befragung von Urformen von Themen wie Behausung und Schrei.
Von Fragen zu Verflechtung und Ausschwärmen ist die Bildwelt von Claudia Thorban bestimmt. Und je schärfer die Einzelform gefasst ist, desto mehr folgt man Thorban in sich überlagernde und sich durchdringende Spuren. Kaum vorstellbar, dass in dieser Schau der Kunstkauf bei 120 Euro beginnt. Und doch ist es so – und unterstreicht: Hier treten zwei Souveräne an, die uns zum Schönsten verführen: zur Kunst. Zu erleben ist dies bis zum 2. Mai (Dienstag bis Freitag 14 bis 19 Uhr, Samstag 11 bis 16 Uhr; zum Galerienrundgang Art Alarm am Samstag, 18. Mai, von 11 bis 20 Uhr und am Sonntag, 19. Mai, von 11 bis 18 Uhr).