Vor bald fünf Jahren wurde an der Eselsmühle im Kreis Esslingen ein blindes Eselfohlen geboren. Einen leichten Start hatte „Caillou“ nicht. Wie geht es ihr heute? Ein Besuch.

Digital Desk: Nina Scheffel (nse)

Sie stehen in kleinen Grüppchen, grasen in der Sonne und ab und zu tollen sie auch auf der Weide herum – die Esel, die auf dem Gelände der Eselsmühle im Stadtteil Musberg im Leinfelden-Echterdingen scheinen sich bei unserem Besuch wohl zu fühlen. Keine Spur davon, dass einer von ihnen es zu Beginn seines Esellebens ganz schön schwer hatte.

 

Bald fünf Jahre ist es her, dass die Eselfamilie, die auf dem Gelände des beliebten Ausflugsziels im Kreis Esslingen lebt, Zuwachs bekommen hat. Auf dem Hof wurde damals ein Eselfohlen geboren – und stellte den Mühlenalltag auf den Kopf. Denn: Caillou, wie die Tochter der Betreiberin Natalie Barthels das Eselfohlen taufte, kam blind zur Welt. Im September wird die Eseldame fünf Jahre alt. Wie hat sie sich mittlerweile auf dem Hof eingelebt?

Während Caillou als Eselbaby auf die Hilfe der Menschen angewiesen war und das Eselsmühle-Team um sie bangte, ist sie mittlerweile zu einer fröhlichen und selbstbewussten Eseldame herangewachsen, die sich in der Gesellschaft der anderen Esel auf dem Hof wohlfühlt und von Besucherinnen und Besuchern geliebt wird. Im Jahr 2022 schaffte es die Eselin mit ihren Abenteuern sogar als Hauptfigur in ein Kinderbuch.

„Die Eselmutter hat Caillou anfangs nicht richtig trinken lassen und sie nicht ganz akzeptiert“, erinnert sich Natalie Barthels. „Wir mussten die Mutter also abmelken.“ Caillou ist für Barthels und ihre Familie anfangs wie ein Baby, das gestillt und rund um die Uhr versorgt werden muss.

Natalie Barthels Tochter füttert Caillou als Eselbaby mit der Flasche. Foto: Natalie Barthels

„Sie hat sich kaum bewegt, tippelte nur so hin und her, lief regelmäßig gegen Zäune oder stieß irgendwo an“, erzählt Barthels.

Drei Monate lang Fläschchen geben

Drei Monate lang verbringt die Tochter der Mühlen-Betreiberin zahlreiche Nächte in einer Hütte neben der Koppel, gibt Caillou das Fläschchen. „Wir waren rund um die Uhr beschäftigt.“ Familienmitglieder und Freunde – alle werden eingebunden, um das kleine Eselchen aufzupeppen.

Bald gewinnt Caillou an Selbstvertrauen und nährt sich auch den anderen Eseln wieder an. „Sie ist dann endlich aufgestanden, ihre Mutter hat sie wieder an sich herangelassen und sie als ihr Fohlen akzeptiert“, erzählt Barthels.

„Caillou muss gucken, dass sie mitkommt“

Ein erster Schritt ins Leben. Trotz der Beeinträchtigung gibt das Eselchen nicht auf. „Heute kommt sie im Alltag gut klar“, sagt Natalie Barthels. „Sie ist fast immer auf derselben Wiese in einer Herde mit den anderen Esels unterwegs und hält sich an diese, das funktioniert gut.“ Auch, wenn die anderen Esel – darunter auch Caillous Geschwister Lola und Mika – nicht immer Rücksicht auf sie nehmen. „Caillou muss gucken, dass sie mitkommt.“

Und das klappt – manchmal wird die junge Eseldame schon auch mal vorlaut. „Sie ist eine sehr liebe, kann aber auch echt frech und dickköpfig sein – sie ist ein eigenwilliger Esel“, sagt Barthels lachend. „Gerade abends tollt die Herde auf der Weide herum und die Esel necken sich – da rennt Caillou auch mit – inklusive Bocksprünge und Galopp.“

Für das Eselmädchen sind ihre Ohren die Augen, alles läuft über das Gehör. Gerade, wenn es für Caillou mit Gästen auf Eselwanderung geht, muss Rücksicht genommen werden. „Ich bitte die Leute dann immer, besser vor ihr zu laufen, denn Geräusche hinter ihr verunsichern sie“, erklärt Barthels.

Kleiner Dickkopf mit Angst vor dem Hufschmied

Auch in anderen Situationen im Alltag hat Caillou noch Probleme. „Besuche beim Hufschmied sind ganz unbeliebt“, erzählt Barthels. „Denn dann steht sie auf drei Beinen und sieht zusätzlich nichts – wir haben das geübt, es ist aber trotzdem schwierig.“

Doch nicht nur für Caillou sind manche Situationen noch gewöhnungsbedürftig, auch Natalie Barthels und ihre Familie mussten sich mit dem neuen Mitglied in der Eselfamilie umstellen. „Sie war der erste Esel, den wir mit der Flasche aufgezogen haben.“

Im Vergleich zu den anderen Eseln Lola, Nino, Mika und Co. muss das Eselsmühlen-Team Caillou mehr im Blick haben. „Neulich ist sie hier in einen Bach gestürzt und kam ganz Schlamm-verschmiert wieder raus. Da muss man schon auf sie aufpassen. Deshalb haben wir ein ganz besonderes Verhältnis zu ihr. Sie ist der Lieblingsesel meiner Tochter“, sagt Barthels und lacht. „Ansonsten kommt Caillou super klar – sie ist ein ganz normaler Esel.“

Caillou setzt sich bei der Fütterung gegen die anderen Esel durch. Foto: Nina Scheffel

Zum Abschluss gibt es für die Eselfamilie noch ein paar Snacks. Die Meute stürmt los – und mitten drin Caillou, die sich selbstbewusst ihre Karotte sichert. Der fünfte Geburtstag kann kommen.

Wie es Caillou heute geht und wie wir sie bei unserem Besuch bei der Eselsmühle erlebt haben, sehen Sie im Video.

Eselsmühle
Die Eselsmühle in Leinfelden-Echterdingen (Musberg) ist ein beliebtes Ausflugsziel im Siebenmühlental im Kreis Esslingen. Der Familienbetrieb, betrieben von Inhaber Meinrad Bauer, seiner Frau Natalie Barthels und Vincent Bauer, umfasst das Bio-Restaurant „Mühlenstube“ mit Gartenwirtschaft sowie eine Holzofenbäckerei und einen Kaufladen, in dem hausgemachte Produkte und Demeter-Backwaren angeboten werden. Der angeschlossene Stall und die Scheune können für Feiern und Tagungen gebucht werden. Auf dem weitläufigen Gelände der Mühle am Fuße des Musberger „Piz Mus“ leben zudem zahlreiche Hoftiere – darunter die namensgebenden Esel, Pferde, Hühner und Co.