In der Zacke mit Erwin Staudt Staudt, der Entertainer

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Peter Stolterfoht (sto)
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Es macht Spaß, Erwin Staudt zuzuhören. Er ist ein Entertainer, der nicht nur in einer voll besetzten Mitgliederversammlung zu Hochform aufläuft, sondern auch in einer ziemlich leeren Zahnradbahn. „Moment mal, hier hat doch Vincent Klink sein Restaurant?“, sagt Staudt an der Zacke-Mittelstation Wielandshöhe völlig zurecht und kommt so kurz auf die Gastronomie zu sprechen, auch eine Leidenschaft von ihm. Die ging irgendwann so weit, dass er sich als stiller Teilhaber ins ambitionierte Restaurant „Hegel eins“ im Stuttgarter Lindenmuseum eingekauft hat. „Dort fühle ich mich wohl“, sagt Staudt und schwärmt von anderen Hobbys, für die er nach seiner achtjährigen Amtszeit als VfB-Präsident nun Zeit hat: für das Golfspiel oder die Reisen in die Toskana zum Beispiel. „Ich genieße jetzt ein Leben, das selbstbestimmt ist und nicht vom Terminkalender vorgegeben“, sagt Staudt, der drei erwachsene Kinder hat und mittlerweile auch dreifacher Großvater geworden ist.

Der Zacke-Wendepunkt in Degerloch ist nicht mehr weit. Deshalb will Erwin Staudt schnell noch auf seine Zeit bei der IBM zu sprechen kommen: „Ein Höhepunkt, ein absoluter Glücksfall in meinem Leben.“ Beim Weltkonzern stieg er nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften ein und bis zum Deutschland-Chef auf. „Die ganze Unternehmenskultur, die Internationalität, das Teamwork, diese Firma hat mich geprägt.“

„Ich hätte so gerne Klavier gespielt“

Auf eine große Karriere in der Wirtschaft und im Sport deutete im Leben von Erwin Staudt zunächst nicht besonders viel hin. Geboren als Sohn eines Schneidermeisters im Leonberger Stadtteil Eltingen war nur eine berufliche Entscheidung früh gefallen: „Selbstständig wollte ich auf gar keinen Fall werden, nachdem ich von klein auf erlebt habe, wie sich mein Vater quälen musste, um gegen die große Konkurrenz bestehen zu können.“

Erwin Staudt musste sich trotzdem quälen. Als Fünfjähriger war er nach einer damals üblichen Massenimpfung gegen Scharlach und Diphtherie plötzlich halbseitig gelähmt. „Es hieß, dass das statistisch eben in einem von 10 000 Fällen passiere“, so Erwin Staudt, der nun auf die Tiefpunkte in seinem Leben zu sprechen kommt. „Als Kind und Jugendlicher habe ich mich oft gefragt, warum das ausgerechnet mir passieren muss.“ Erwin Staudts rechter Arm blieb für immer gelähmt. „Ich hätte so gerne Klavier gespielt“, sagt er.




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