In der Zacke mit Erwin Staudt Immer neue Ziele setzen

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Peter Stolterfoht (sto)
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Sich immer neue Ziele setzen, dieser Wesenszug von Erwin Staudt hat sicher etwas mit seiner Behinderung zu tun. Er begann ein Jurastudium, um sich mit Erfolg eine Entschädigung für den sogenannten Impfschaden zu erstreiten. Er trat in die SPD ein und wollte Berufspolitiker werden. „Aber das wollte die Partei nicht“, sagt er lächelnd über die SPD, der er aber trotzdem die Treue hält. Erwin Staudt hat gelernt, Trompete zu spielen, und er hat gelernt einen eigenen Weg zu gehen – einen Erfolgsweg – nicht verbissen, menschlich, kollegial, humorvoll. Daraus ist ein Führungsstil geworden, mit dem er beim VfB Stuttgart Maßstäbe gesetzt hat. An denen ist sein Nachfolger Gerd Mäuser ebenso gescheitert wie der kurz danach zurückgetretene Aufsichtsratschef Dieter Hundt.

Und etwas aus VfB-Sicht Historisches hat Erwin Staudt auch geschafft: den Bau einer reinen Fußball-Arena. Daran mühten sich seine Vorgänger vergeblich. Nein, ein Denkmal solle ihm der Verein dafür auf keinen Fall bauen. Aber er hat auch nichts dagegen, wenn er durch dieses Bauwerk in Erinnerung bleibt.

Nicht nur gute Zeiten

Unter dem Präsidenten Erwin Staudt, der mittlerweile Ehrenpräsident ist, hat es aber auch unerfreuliche VfB-Zeiten gegeben. Insgesamt acht Trainer arbeiteten unter ihm. Dieser Verschleiß wurde oft gegen Staudt ins Feld geführt. Er entgegnet: „Felix Magath wollte weg, und Bruno Labbadia war noch im Amt als ich ging. Es waren sechs Entlassungen, die leider notwendig waren, menschlich sehr wehgetan haben, aber respektvoll vollzogen wurden. Und trotzdem waren es sechs Tiefpunkte“, sagt Erwin Staudt.

Vorangegangen waren sportliche Abstürze meist zu Saisonbeginn. Und dann kamen auch regelmäßig die E-Mails der Fanatiker an die Adresse von Erwin Staudt. „Versager, verpiss’ dich, Suizid ist etwas Ehrenhaftes“, stand in einem dieser Schreiben. Das veranlasste Staudt, die Kriminalpolizei einzuschalten.

Aber nicht nur diese Auswüchse haben Erwin Staudt nachdenklich gemacht. „Für manche Menschen ist der Verein zum Lebensinhalt geworden. Dieser extreme Stellenwert ist für mich nicht nachvollziehbar, das ist mir fast schon unheimlich“, sagt Erwin Staudt, dem alles Verbissene fremd ist.

Erwin Staudt wollte beim VfB auch immer Spaß an der Arbeit vermitteln und freut sich jetzt über den Werdegang ehemaliger Mitarbeiter. So arbeitet sein Assistent Alexander Wehrle mittlerweile erfolgreich als Geschäftsführer des 1. FC Köln. „Das gefällt mir“, sagt der Berufsoptimist im Ruhestand, der das Thema Tiefpunkte schon vor der Ankunft an der Talstation Marienplatz abgehakt hat: „Und beim Schwarzfahren wurde ich auch nicht erwischt.“




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