Mehr als 70 Jahre war die Metzgerei Schweiker in Gemmrigheim eine Institution. Ende diesen Monats ist es damit allerdings vorbei. Mit der dritten Generation endet eine Ära in der Hauptstraße.
Am Donnerstag, 30. April, hat die Metzgerei zum letzten Mal geöffnet. Der Abverkauf startet am Montag, 20. April. Danach werden nur noch bestätigte Aufträge für Mai und Juni erledigt und der Betrieb abgewickelt, erklärt Michael Schweiker (44). Danach werde sich zeigen, wie es für ihn weitergeht. Michael Schweiker hat die Metzgerei im Januar 2015 mit seinem Bruder Thomas übernommen und nach dessen Ausstieg im Jahr 2021 alleine weitergeführt.
Eltern sehnen sich nach dem Ruhestand
Aus familiären Gründen wird der Betrieb nun eingestellt. Senior Robert Schweiker möchte endlich seinen Ruhestand genießen. Er hat auch jetzt mit 70 Jahren noch jeden Tag in der Metzgerei angepackt. Die Arbeit habe Spaß gemacht, sei aber auch anstrengend gewesen. Ein früher Feierabend sei oft nicht möglich gewesen. „Es geht mir gut damit, dass jetzt Schluss ist“, sagt er. Er freut sich darauf, künftig mehr Zeit fürs Reisen, für die Jagd und Fischerei zu haben. Auch seine Frau Helga (69), die täglich im Laden war, sehnt sich nach der Rente.
„Früher gab es einmal vier Metzgereien in Gemmrigheim“, sagt Robert Schweiker. Sein Vater Richard Schweiker hatte 1954 die Gaststätte „Anker“ übernommen und unter dem Namen „Rössle“ betrieben. Neben der Gastronomie wurden Fleisch und Wurst hergestellt und verkauft. Sohn Robert hatte den Betrieb nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1969 weitergeführt. Damals war es ein reiner Familienbetrieb, in dem auch seine Mutter, sein Bruder, seine Schwägerin und andere Familienmitglieder eingebunden waren.
Vor 40 Jahren, als das Wort Catering noch nicht geläufig war, begannen die Schweikers damit, zu Kunden nach Hause zu liefern. Zwar wurde die Gastronomie in den 1990er-Jahren eingestellt, aber der Party- und Lieferservice war zunehmend gefragt. Sie versorgten große Feste und Feiern in der Region mit Wurst und Fleisch. In Spitzenzeiten arbeiteten 15 Menschen in der Metzgerei mit.
Suche nach Nachfolger erfolglos
Auch sonst gingen die Schweikers mit der Zeit. Sie stellten am Gebäude in der Hauptstraße den „Wurstomat“ auf, ein rund um die Uhr erreichbarer Verkaufsautomat. Seit dem Jahr 2023 gab es in der Metzgerei vegane Fleischersatzprodukte zu kaufen.
Schon seit mehreren Jahren war die Familie allerdings erfolglos auf der Suche nach einem Nachfolger, sagt Michael Schweiker. Ein paar Anfragen habe er erhalten. „Aber die Übergabe ist schwierig“, erklärt er. Ein vielversprechender Interessent habe im März einen Rückzieher gemacht. Momentan sieht es nicht danach aus, dass ein neuer Betreiber die Metzgerei doch noch fortführen wird.