Distiller’s First aus Gärtringen Der Schwabe trinkt jetzt auch Gin

Vater und Sohn Nonnenmacher in ihrer Brennerei in Gärtringen: Distiller’s First heißt ihr Gin, der rund 30 Euro die Flasche kostet. Foto: factum/Granville
Vater und Sohn Nonnenmacher in ihrer Brennerei in Gärtringen: Distiller’s First heißt ihr Gin, der rund 30 Euro die Flasche kostet. Foto: factum/Granville

Helmut und Timo Nonnenmachers Wacholderschnaps Distiller’s First ist gleich zum Jahresbesten gekürt worden. Ihr Erfolgsrezept verraten sie aber nur teilweise.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)
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Gärtringen - Bei den Nonnenmachers muss der Sohn den Vater bremsen. „Wenn Sachen so im Trend sind, will man sie ausprobieren“, sagt der Senior. „Der Initiator für Neuentwicklungen ist der Absatz“, erklärt der Sohn. Beim ersten Gin aus dem Gärtringer Familienbetrieb mit Brennerei und Getränkehandlung haben sich die Ambitionen der Nonnenmachers gut vereinbaren lassen: Ihr Wacholderschnaps ist vom Landesverband der Klein- und Obstbrenner in Nordwürttemberg auf Anhieb zum Jahresbesten gekürt worden – und ein Verkaufserfolg. „Wir sind überrascht“, sagt Helmut Nonnenmacher, „mehr Schwaben trinken Gin, als wir dachten.“ Distiller’s First heißt der Gin des 67-Jährigen, was sich bescheiden als Erstlingswerk des Brenners übersetzen lässt oder selbstbewusst als sein Bester.

Jede Gegend hat ihren eigenen Gin

Fast jede deutsche Großstadt und längst auch die Provinzen verfügen mittlerweile über lokale Marken von Wacholderschnaps. Applaus Gin und Ginstr heißen beispielsweise zwei Stuttgarter Versionen. Sogar die Universität Hohenheim doktert an dem klaren Schnaps herum. Einst diente der Wacholder vor allem dazu, billigen Fusel aus Getreide, Kartoffeln oder Zuckerrohr genießbar zu machen. Im 18. Jahrhundert war er in England das beliebteste Rauschmittel der Unterschicht. Aus der Gosse hat es der Brand vor rund zehn Jahren in die Szene-Bars geschafft. Das großmütterliche Aroma galt lange als angestaubt – bis retro cool wurde und der Gin immer niveauvoller und individueller.

Helmut Nonnenmacher hat beim Brennen lieber auf die klassische Variante als auf den Zeitgeist gesetzt: Sein Produkt konzentriert sich auf die Wacholderbeere. „Viele machen 1000 Botanicals rein, vom Löwenzahn bis zum letzten Grashalm“, sagt er. Von zu vielen Kräutern hält er eher wenig, seiner Meinung nach wird dadurch nur an der teuersten Zugabe gespart, dem Wacholder. Ein paar Blütenblätter finden sich in seiner Mischung, deren genaue Zutatenliste der Brennmeister jedoch geheim hält. Der wichtigste Bestandteil des Erfolgsrezeptes ist sowieso etwas völlig anderes: „Beim Brennen darf es einfach nicht pressieren“, erklärt der 67-Jährige; nur dann könne sich das Aroma entfalten. Der Distiller’s First hat so viel Kraft, dass auch noch in einer Mischung von eins zu fünf mit Tonic Water sein Duft dominiert.

Ein paar Probebrände bis zum Erfolgsrezept

Ein halbes Dutzend Probebrände waren nötig, um auf den Gewinner zu kommen. Die Schnäpse setzten die Nonnenmachers versierten Gin-Trinkern aus ihrem Kundenkreis vor. „Für uns im Gäu ist das Zwetschgenwasser typisch“, erklärt Timo Nonnenmacher den Ursprung des Betriebs, den sein Großvater zunächst als Mosterei 1949 gründete. Mit zunehmendem Gesundheitsbewusstsein sind die schwäbischen Schnäpsle, wie sein Vater sie liebevoll nennt, allerdings etwas aus der Mode gekommen. „Gerade als Brennerei kann man nicht mehr produzieren wie vor 60 Jahren“, findet der 33-Jährige, der Getränketechnologie studiert hat. Innovativ sind die Nonnenmachers deshalb seit ein paar Jahren. Ihr Zwetschgenwasser haben sie zum Beispiel mit Fruchtsaft abgemildert, nun wird es auch wieder von Jüngeren gekauft. Eigener Whisky steht in ihren Regalen. Alte Birnensorten von der Streuobstwiese brennen sie als Alternative zu Williams Christ.

Helmut Nonnenmacher bezeichnet sich selbst als Handwerker. Die vielen Wellen, die über ihn hereinschwappen, betrachtet er durchaus skeptisch. „In der nächsten Saison wird die nächste Sau durchs Dorf getrieben“, sagt er. Trotzdem hat er den nächsten Trend im Blick: „Rum wahrscheinlich“, sagt er, und seine Augen leuchten. Kollegen haben sich des karibischen Getränks angenommen. Doch der Sohn bremst sofort den Vater: „Ich habe bei uns noch wenig Zuckerrohr wachsen sehen“, sagt er, und dass die Familienbrennerei authentisch bleiben müsse. „Aber die Sache mit dem Wodka ist noch nicht ausdiskutiert“, kontert sein Vater. Dieses Jahr gibt es wegen des Frostes im Frühjahr wenig Obst, und über den Winter hat er Zeit. „Mir wird schon etwas einfallen“, sagt der 67-Jährige. Zunächst einmal muss Helmut Nonnenmacher aber erst die nächste Charge Gin brennen.




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