In Hohenhaslach eröffnet einen besonderer Wanderweg Wo das Stäffele zur Himmelsleiter wird

Von Susanne Mathes 

Wandern zwischen Reben und Kunst in Hohenhaslach: Der Weitblickweg, ein Mix aus Besinnungs- und Skulpturenpfad in herrlicher Landschaft, ist fertig – und einen Ausflug wert.

Ein Stahltor oder der Zutritt zum Himmel? Das ist Ansichtssache Foto: factum/Weise 9 Bilder
Ein Stahltor oder der Zutritt zum Himmel? Das ist Ansichtssache Foto: factum/Weise

Sachsenheim-Hohenhaslach - Abmarschiert ist die Strecke in einer Stunde, einplanen sollte man allerdings zwei bis drei Stunden. Wimpernschläge sind das im Vergleich zu der Zeitspanne, die es von den ersten Gedankenspielen bis zur Fertigstellung des Hohenhaslacher Weitblickwegs dauerte. Mehr als sieben Jahre zogen ins Land – zig Planungsänderungen, Überzeugungsarbeit bei Skeptikern und Ringen um Kompromisse mit dem Naturschutz inklusive. Wenn er auf seinen Weitblickweg-Aktenberg schaut, huscht Dietmar Gretter, dem Geschäftsführer des Naturparks Stromberg-Heuchelberg, daher auch ein leicht gequälter Ausdruck übers Gesicht. „Einfacher“, meint er knapp, „ist die Bürokratie in dieser Zeit nicht gerade geworden.“

Spektakuläre Aussichten

Zurückschauen will bei dem knapp über 200 000 Euro teuren Großprojekt in den Weinbergen des Sachsenheimer Teilorts Hohenhaslach, einer Mischung aus Naturerlebnis-, Besinnungs- und Skulpturenpfad, aber niemand mehr. Lieber nach vorne. Oder mittendurch. Etwa durch die beiden rostroten Stahltore zur „Himmelsleiter“. Sie gehören zu den von dem Tübinger Künstler Martin Burchard konzipierten und der Gomaringer Schlosserei Wolfgang Veit gefertigten großdimensionierten Plastiken, die den 4,5 Kilometer langen, mit spektakulären Aussichten aufwartenden Rundwanderweg säumen. Die „Himmelsleiter“, auf die der Blick durch die Tore fällt, ist ein profanes, steiles Stäffele. Es sei denn, man will es anders sehen.

Die variable Lesart, die Kunstwerke zu interpretieren, ist Programm. Was der Skulpturenweg thematisch aufgreift, den Weinstock, den Kelch oder die Rebe etwa, bringt der Wanderer unwillkürlich mit dem Weinbau in Verbindung, der den Ort und das Landschaftsbild prägt. In einem anderen Kontext zählen sie zu den christlichen Symbolen schlechthin. Auf diesen Aspekt legte sowohl der Verein Weitblickweg wert, der das Projekt auf die Beine stellte, die Finanzierung organisierte, als Bauherr fungierte und für den Unterhalt zuständig ist, als auch Martin Burchard, der hauptsächlich sakrale und spirituelle Werke schafft. „Der Glaube ist ein wichtiges Element in meinem Leben“, sagt er.

Lehrreicher Spaziergang

Aufzwingen wolle man diesen Überbau aber keinem Spaziergänger, betonen die Macher. Deshalb gibt es die Texttafeln, die zur Einweihung am 14. April fertig sein sollen, jeweils doppelt gemoppelt. Einmal mit neutral formulierten Lebensweisheiten und Denkanstößen, einmal mit christlichen Texten. Sie stammen aus der Feder des Hohenhaslacher evangelischen Pfarrers Michael Wanner, der – angetan vom ähnlich angelegten Weiterweg in Gschwend – auch die Initialzündung für den Weg gab. „Wer die christlichen Texte nicht lesen will, liest einfach die anderen“, empfiehlt Künstler Burchard.

Als Wegbegleitung gibt es für die Wanderer zudem knappe Informationen über den Weinanbau und über lokale Besonderheiten. Etwa über das imposante geologische Fenster, eine Gesteinsformation, die Schichten von rotem Keuper und grauen und weißen Kalkbänken zeigt – ein Blick auf 200 Millionen Jahre Erdgeschichte. „Der Weitblickweg passt perfekt zur Idee des Naturparks Stromberg-Heuchelberg mit unserem Motto Wein, Wald, Wohlfühlen“, findet Dietmar Gretter. „Deshalb haben wir das Projekt von Anfang an unterstützt.“ Auch finanziell: 105 000 Euro, rund die Hälfte der Gesamtkosten, sprudelten aus den Finanzquellen des Naturparks.

Viele Geldgeber

Auch das Land, die EU, die Glücksspirale, Unternehmen, Stiftungen und Privatleute griffen für den besonderen Wanderweg in die Taschen. „Wir hoffen, dass weitere Spender ein paar Tausender locker machen“, sagt Reinhard Baumgärtner vom Verein Weitblickweg. Um die 30 000 Euro fehlen noch. Baumgärtner ist zuversichtlich, dass sie zusammenkommen. „Einfach, weil jetzt endlich etwas zu sehen ist.“