Bei allem, was die 34-jährige Sandra Kühn so macht, fragt man sich, ob ihr Tag mehr als 24 Stunden hat. Foto: Privat
Ehrliche Themen seien Sandra Kühn wichtiger, als möglichst viele Zuhörer zu erreichen. Die zweifache Mutter aus Altdorf spricht seit vier Jahren in ihrem Podcast „Babylishes“ darüber, was es heißt, Eltern zu sein.
Jenny Schwartz
10.01.2025 - 07:28 Uhr
Frisch gebackene Eltern wissen: Ein Kind stellt das Leben, wie man es bisher kannte, komplett auf den Kopf. Nicht nur, weil Schlaf plötzlich ein höheres Luxusgut als Dubai-Schokolade ist und die Lärmresistenz auf eine harte Probe gestellt wird. Sondern auch, weil plötzlich Fragen auftreten, von denen man nicht einmal erahnen, dass man sie sich mal stellen würde.
Sandra Kühn aus Altdorf kennt das nur zu gut. Die 34-Jährige ist Mutter zweier Söhne im Alter von viereinhalb und zweieinhalb Jahren. Ihr erster Sohn wurde genau in die Coronazeit hineingeboren, was es Sandra Kühn schwer machte, Anschluss zu anderen Müttern zu finden und sich auszutauschen. Also machte sie sich eben selbst an die Recherche. „In der Zeit habe ich viele Podcasts zum Thema Elternschaft gehört“, erzählt sie. Irgendwann habe sie sich gedacht: „Es wäre doch cool, selbst einen Podcast zu machen und über das zu sprechen, was ich recherchiert habe.“ Denn sicher gebe es noch mehr Eltern, die die gleichen Fragen haben. „Und ich finde Podcasts als Wissensvermittlung toll, weil man die auch einfach nebenher hören kann – was als Eltern ja gar nicht schlecht ist“, schmunzelt Sandra Kühn.
Durch Unterstützung fallen manchmal die Ausreden weg
Mit ihrem Mann fand Sandra Kühn auch gleich den ersten Unterstützer. Statt lange zu fackeln, kaufte er ihr einfach ein Podcast-Aufnahmeset. „Also hatte ich keine Ausrede mehr, es nicht zu tun“, lacht Sandra Kühn.
Babylishes heißt der Podcast, der mittlerweile monatlich 2000 bis 3000 mal gestreamt wird. Thematisch behandelt Sandra Kühn im Grunde alles, was sie selbst als Mama so beschäftigt. Vom Thema Elterngeld über die Umstellung von einem auf zwei Kinder bis hin zu Kindergeburtstagen oder Selbstfürsorge. „Mein Podcast deckt inzwischen so viele Themen ab, dass eigentlich für alle Eltern was dabei ist“, meint Sandra Kühn.
Dass ihr Podcast einmal so eine beachtliche Reichweite erzielen würde, hätte sie selbst anfangs nicht gedacht. Erfahrung mit Podcasts hatte die ehemalige Bodybuilderin vorher nämlich nicht. Hauptberuflich arbeitet sie eigentlich in der Marketingabteilung bei Breuninger. „Aber ich habe mich nach und nach hineingefuchst“, sagt sie. „Man hört inzwischen auch deutliche Qualitätsunterschiede zwischen den ersten Aufnahmen und den jetzigen.“
Während Sandra Kühn am Anfang überwiegend allein über ihre Erfahrungen und Recherche-Ergebnisse plauderte, holt sie sich inzwischen sogar immer wieder Gäste für einzelne Podcast-Folgen dazu. Kinderärzte, Psychologen, Notärzte, Mitarbeiter der Elterngeldbehörde. „Durch den Podcast habe ich unheimlich viele interessante Menschen kennengelernt, und manche Kontakte helfen mir auch privat immer noch weiter“, sagt Sandra Kühn.
Auch die Resonanz ihrer Hörer fällt positiv aus. Sandra Kühn hatte mir ihrer Vermutung nämlich Recht: Es gibt viele Eltern, die genau die gleichen Ängste, Fragen, Nöte und Probleme haben. „Ich glaube, es tut einfach gut zu hören, dass es bei anderen auch nicht immer rund läuft“, überlegt Sandra Kühn. „Deshalb suche ich auch nur ehrliche Themen raus, die vielleicht nicht immer die breite Masse interessieren, aber für mich persönlich wichtig sind.“
Als weiteres Standbein bestickt Sandra Kühn auch Taschen,Lätzchen und Co., die sie verkauft.
Wer Babylishes googelt, wird übrigens feststellen, dass Sandra Kühn noch ein zweites Standbein unter dieser Marke aufgebaut hat. Einen kleinen Etsy-Shop, in dem sie handgemachte Kleinigkeiten für Mamas und Kinder verkauft. Hier findet man zum Beispiel bestickte Taschen oder bedruckte Tassen.
Mama, Podcast, Etsy-Shop, Teilzeitjob – ob Sandra Kühns Tag wohl mehr als 24 Stunden hat? „Das ist schon alles viel, aber ich brauche das auch“, gibt sie zu. „Ich bin ein Mensch, der nur sehr schlecht nichts tun kann.“
Nebenher noch pumpen
Und wenn dann doch mal zwischen all diesen Aufgaben eine Pause ist, findet man Sandra Kühn beim Krafttraining. Ein kleines Überbleibsel aus ihrer Zeit als Bodybuilderin. 2018 gewann sie nämlich den zweiten Platz der „German natural Bodybuilding & Fitness Federation“ (GNBF) und qualifizierte sich damit für die „international World natural Bodybuilding Federation“ (WNBF) in Las Vegas. Wo sie ebenfalls Zweite wurde. „Das war ein kleiner Traum von mir und dem Kraftsport bin ich seitdem auch treu geblieben“, so Sandra Kühn. Und genau das ist auch ihr Tipp für alle Eltern da draußen: „Vergesst bei allem Elternsein nicht euch selbst – ihr seid nämlich nicht nur Mama oder Papa.“