In Kornwestheim Eine idyllische Ruheoase zwischen Stadtgetöse und Bahnlärm

Die Hobbygärtner des Vereins unterstützen sich gegenseitig. Foto: Simon Granville

Ein Verein in Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg) betreibt mit viel Leidenschaft Urban Gardening, also städtisches Gärtnern. Im „Gleisbeet“ wird vor allem Gemüse angebaut.

Direkt hinter der Böschung am rechten Rand mit allerlei Büschen, Bäumen und Wildblumen sieht man, wie eine S-Bahn in Richtung Ludwigsburg ordentlich Fahrt aufnimmt. Von links, unterhalb der steilen Böschung, ist der Lärm vorbeifahrender Autos vor den Häusern am östlichen Rand der Kornwestheimer Weststadt wahrzunehmen. Am alten Bahnhofsgebäude verladen die Passagiere am Flixbus-Halt ihr Gepäck in den Bus mit Ziel „Strasbourg“. Dazwischen: ein großes längliches Stück Grün mit Parzellen, die mit ihren jungen Gemüsepflanzen aussehen wie ein lebhaftes Patchworkmuster in Grün und Braun. Das „Gleisbeet“, das seinen Namen einem Wortspiel mit „Gleisbett“ verdankt, wirkt trotz der trubeligen Umgebung wie eine Oase der Ruhe.

 

„2022 war hier nur eine große braune Fläche“, erinnert sich Chris Berger, der zusammen mit seiner Frau Christine im Urban Gardening Verein aktiv ist. Auf dem ehemaligen Bahn-Gelände sei damals Ackererde verfüllt worden. Einzige Vorgabe sei gewesen, einen Wegbreit Grassamen einzusäen, um einen stabilen Fußweg zu den Arbeitsschuppen im Norden für die Bahn-Mitarbeiter zu schaffen. Das „Gleisbeet“-Gelände gehört der Stadt Kornwestheim, von der es der gemeinnützige Verein gepachtet hat. „14 Mitglieder sind hier aktiv, zusammen mit etwa einem halben Dutzend Kinder“, berichtet Rita Schnabel, zweite Vorständin im Verein. Die allermeisten seien seit Beginn 2022 dabei.

Die Vielfalt am Gemüse ist groß. Foto: Simon Granville

An die Einförmigkeit von vor vier Jahren erinnert nichts mehr. Es gibt Gemeinschaftsflächen, auf denen Erdbeeren und Kartoffeln angebaut und von allen gemeinsam geerntet werden. Da und dort leuchten kleine rote Farbtupfer, die ersten Erdbeeren sind reif. Die oberirdischen Blätter der Setzkartoffeln haben sich vor Kurzem mit Macht ihren Weg nach oben gebahnt und sorgen für kräftiges Grün auf der Erde.

Es wird auch experimentiert

Die einzelnen Parzellen sehen völlig unterschiedlich aus , und die Freizeitgärtner bauen die verschiedensten Gemüsesorten an. „Wir probieren gern vieles aus“, sagen Christine und Chris lachend. Die beiden wohnen ganz in der Nähe im Salamander-Areal und schätzen ihr Gärtchen auch wegen der räumlichen Nähe. Beim Experimentieren haben sie beispielsweise herausgefunden, dass sich aus Schokominze ein Likör machen lässt, der wunderbar nach den „After Eight“-Schokoplättchen schmeckt.

Rita Schnabel wohnt wie alle anderen Aktiven in Kornwestheim, stammt ursprünglich von einem Bauernhof im Münsterland. „Sie ist die Organisierteste von uns“, loben Chris und Christine. Rita Schnabel schätzt am Gemüsegärtchen besonders den Ausgleich zu ihrer sonstigen Tätigkeit. Ute aus der Südstadt inspiziert gerade ihre Jungpflanzen in großen Töpfen, die aufs Umpflanzen warten. „Ein guter Bekannter von mir war Landwirt, von dem bekomme ich die besten Setzlinge“, freut sie sich.

Die Sorten sind liebevoll gekennzeichnet. Foto: Simon Granville

Die Kinder aus dem nahen Kinderhaus Bebelstraße haben ihre eigene Parzelle mit liebevoll bemalten Schildchen für die einzelnen Gemüsesorten. „Die wären am liebsten dauernd hier und würden den Pflanzen beim Wachsen zuschauen“, sagen die vier Freizeitgärtner.

Es werden Führungen angeboten

Gemeinschaft wird am Gleisbeet großgeschrieben. „Wir helfen uns immer gegenseitig, zum Beispiel wenn jemand in Urlaub ist und die Pflanzen nicht gießen kann“, berichtet Ute. Für die Gartengeräte gibt es eine Hütte, neben ihr eine Terrasse und den Wasseranschluss.

Das Gleisbeet ist offen für Besucher. Außer dem Geräteschuppen wird nichts abgeschlossen. Christine Berger und Rita Schnabel bieten Führungen für Interessierte an. Die nächste ist am 21. Mai von 18 bis 19.30 Uhr. Treffpunkt ist auf Höhe des Hauses Bahnhofstraße 78, oberhalb vom Parkplatz neben dem alten Bahnhofsgebäude.

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