In Ludwigsburg Verlassene Bushaltestelle seit sechs Jahren stillgelegt und nicht abgebaut

Hier geht nichts mehr: Die Wüstenrot-Haltestelle ist stillgelegt. Foto: Emanuel Hege

In Ludwigsburg steht eine moderne Bushaltestelle ungenutzt herum. Ein Rückbau scheitert am Geld – und selbst eine nachhaltige Lösungen wird zum bürokratischen Problem.

Ludwigsburg : Emanuel Hege (ehe)

Noch hängt ein aktuelles Werbeplakat an der Seitenwand der Bushaltestelle – als ob hier täglich Dutzende Menschen ein- und aussteigen würden. Doch es hängt kein Fahrplan im Bushäuschen, die Menschen laufen und die Busse fahren an der Haltestelle „Wüstenrot“ in Ludwigsburg Süd einfach vorbei.

 

Erst wurde die Haltestelle aufwendig barrierefrei ausgebaut, kurz darauf überflüssig: Nun steht sie schon seit sechs Jahren ungenutzt am Straßenrand. Der Halt wurde um 50 Meter verlegt – das moderne Häuschen samt Bank blieb zurück. Warum wird die Anlage nicht zurückgebaut oder an anderer Stelle genutzt? Selbst ein pragmatischer Vorschlag der Freien Wähler, die Ausstattung einfach zu versetzen, stößt an Grenzen. Der Fall zeigt, wie kompliziert selbst kleine Lösungen werden können – und welche Folgen die angespannte Finanzlage der Kommunen hat.

20.000 Euro für den Abbau

Seit 2013 arbeitet die Stadt Ludwigsburg daran, mehr als 230 Bushaltestellen barrierefrei auszubauen – ein planerisch wie finanziell aufwendiges Großprojekt, das bereits mehrfach durch knappe Haushaltsmittel gebremst wurde. Die Haltestelle Wüstenrot ist ein Beispiel dafür, wie nicht nur der Ausbau, sondern auch der Rückbau am Geld scheitern kann.

Seit 2020 ist die Haltestelle außer Betrieb. „Ein Rückbau hat bisher nicht stattgefunden, da dies mit erheblichen Kosten verbunden ist und die Stadt den Rückbau nicht priorisiert“, erklärt Stadtsprecherin Alina Bühler. Für den Abbau oder eine Versetzung von Häuschen und Bank rechnet die Stadt mit rund 20.000 Euro.

Angesichts zahlreicher Sparmaßnahmen ist dieser Betrag offenbar zu hoch – die Haltestelle bleibt stehen. „Ein Rückbau ist erst vorgesehen, wenn ein passender Standort gefunden ist, die Abstimmungen abgeschlossen sind und die Haushaltslage eine Umsetzung zulässt“, schreibt Alina Bühler.

Genau hier setzt ein Vorschlag der Freien Wähler an. Fraktionsvorsitzender Jochen Zeltwanger verweist auf Unmut im Ludwigsburger Stadtteil Hoheneck über die Haltestelle Ebelstraße. Diese wurde vor einiger Zeit um rund 40 Meter verlegt, weil nur an diesem Standort ein Ausbau für einen barrierefreien Einstieg möglich war – allerdings sind das Wartehäuschen und die Sitzbank die 40 Meter nicht mit umgezogen. Vor allem für ältere Fahrgäste ist das ein Problem, so Zeltwanger.

„Das ist ein fatales Zeichen.“

Jochen Zeltwanger, Stadtrat der Freien Wähler

Die Stadt habe eine neue Haltestelle in Hoheneck ohne Häuschen und Bank – und eine stillgelegte Haltestelle im Stadtteil Süd mit Häuschen und Bank, fasst der Stadtrat die Kuriosität zusammen. Für ihn ist die Lösung klar: Das ungenutzte Häuschen von der Wüstenrot-Haltestelle muss nach Hoheneck versetzt werden. „Wir sind hier für das Gesamtergebnis für die Stadt und die Bürger zuständig“, beschreibt Zeltwanger die Brisanz. „Das eine Häuschen verrotten zu lassen, während am anderen Ende der Stadt eines fehlt, ist ein fatales Zeichen. Als ob die Stadt das nicht im Griff hat.“

Doch so einfach ist es nicht. Bei dem Wartehäuschen handelt es sich laut Stadt um das Modell „Ludwigsburg“ mit festen Seitenwänden und vertraglich gebundenen Werbeflächen – vergleichsweise groß und für den Standort in der Ebelstraße ungeeignet. Der Gehweg ist an dieser Stelle zu schmal, so Bühler.

Die Stadt prüft derzeit eine kleinere Lösung für den Standort Ebelstraße. Doch auch hier gilt: „Aufgrund der aktuellen Haushaltslage kann dies nicht sofort umgesetzt werden.“ Jochen Zeltwanger ist diese Argumentation „zu billig“. „Die Sache jetzt auf die Haushaltslage zu schieben, greift zu kurz. Die Wiederverwendung des Häuschens hätte gleich 2020 geschehen können – bevor die Haushaltskrise immer schlimmer wurde.“

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