Die drei Linien, die die Strecke befahren, werden gebrochen oder aber, wie die S 15 von Herrenberg nach Bietigheim-Bissingen, eingestellt. Auch die Sonderlinie S 30 von Stuttgart-Vaihingen zu Flughafen und Messe fährt nicht mehr. Als Ersatz für die S-Bahnen soll es zwischen Hauptbahnhof und Vaihingen von diesem Samstag an einen stündlichen Pendelverkehr per Doppelstockzug geben. Wegen des Streiks der Lokführer werden alle S-Bahnlinien zudem am Montag und Dienstag nur im Stundentakt bedient werden können.
90 Fahrzeuge überprüft
Die Gäubahnstrecke, auf der sonst Fern-und Nahverkehrszüge und nur im Ausnahmefall S-Bahnen fahren, wird für die erhebliche Abnutzung der Räder an den S-Bahnzügen verantwortlich gemacht. Die Strecke wird seit dem 31. Juli als Ausweichroute Richtung Süden genutzt, weil die innerstädtische Tunnel-Stammstrecke der S-Bahn umfassend saniert wird und dazu noch bis zum 13. September um 4 Uhr komplett gesperrt ist. Die Stammstrecken-Sanierung wird 2022 und 2023 jeweils in den Sommerferien fortgesetzt.
Der stark erhöhten Radverschleiß war bei turnusmäßigen Überprüfungen in der S-Bahn-Werkstatt in Plochingen festgestellt worden. Dort werden die Laufwerke kontrolliert und auch Radsätze getauscht. Ein großer Teil der S-Bahnflotte musste untersucht werden, konkret ging es um alle 90 Fahrzeuge der neuesten Baureihe 430. Das Thema ist sicherheitsrelevant, über die genaue Ursache konnte die DB am Freitag keine abschließende Auskunft geben.
Ursachenforschung dauert an
Vermutet wird, dass die Fahrzeuge auf der kurvigen Gäubahnstrecke höheren Belastungen als im sonstigen Betrieb ausgesetzt sind und diese zum stark erhöhten Verschleiß führte. Dieser hat offenbar innerhalb von nur rund 14 Tagen ein Ausmaß erreicht, das nicht mehr toleriert werden kann. Es fällt eine größere Instandhaltung an. Die Räder der neuesten S-Bahn-Generation haben einen Raddurchmesser von 85 Zentimetern. Sie werden auch in der Gleisschleife unter dem Stuttgarter Westen beansprucht, allerdings werde diese Wendeschleife mit geringer Geschwindigkeit befahren, so ein Bahnsprecher. An Fern- und Nahverkehrszügen, die die Gäubahnstrecke ansonsten nutzen, sei kein erhöhter Verschleiß beobachtet worden. Man suche weiter „mit Hochdruck nach den Ursachen“.
Von den untersuchten Fahrzeugen sind acht durch die erhöhte Abnutzung derzeit nicht einsetzbar. Sie würden repariert und sollen „in absehbarer Zeit“ wieder genutzt werden können. Für den aktuellen Betrieb „stehen weniger Fahrzeuge zur Verfügung, die Bahn passt den Fahrplan zusätzlich an“, teilte der Konzern am Freitagnachmittag in einer kurzen Pressemitteilung mit.
Mehr Umstiege nötig
Durch den zwangsweisen Verzicht auf die Gäubahn-Umfahrung der Landeshauptstadt sind durchfahrende Fahrgäste je nach Start- und Zielpunkt zu einem doppelten Umstieg in Vaihingen und im Hauptbahnhof gezwungen, was zu erheblich längeren Fahrzeiten führt. Die Abfahrtszeiten des von Samstag an stündlich zwischen dem Hauptbahnhof und Stuttgart-Vaihingen fahrenden Doppelstockzuges teilte die Bahn nicht mit, auf der VVS-App war die neue Situation am Freitag noch nicht gänzlich eingepflegt. Eine Verkürzung des Stundentaktes zwischen Hauptbahnhof und Vaihingen durch den Einsatz weiterer Züge stehe „derzeit nicht in Aussicht“, so ein Bahnsprecher. Unverändert bleibt der Busersatzverkehr, der vom Hauptbahnhof aus die sonstigen Innenstadthalte der S-Bahn sowie den Westbahnhof bedient und an der Universität in Vaihingen am Halt Schleife endet. Dort kann auf einen weiteren Bus zum Bahnhof Vaihingen umgestiegen werden. Auch die Stadtbahn gilt als innerstädtische Rückfallebene.
Verband äußert sich nicht
Das Verkehrsministerium Baden-Württemberg, das auf Arbeitsebene am Freitagvormittag von der Misere informiert wurde, habe die Bahn und den Verband Region Stuttgart (VRS) als Aufgabenträger „ermuntert“, für die Umfahrung Stuttgarts Ersatz zu schaffen und dafür Doppelstockzüge einzusetzen, sagte ein Sprecher. Solche Züge hat die Bahn AG im Bestand. Beim VRS war am Freitag niemand zu einer Stellungnahme zu erreichen. Der zuständige Verkehrsdirektor Jürgen Wurmthaler und Regionaldirektorin Nicola Schelling seien in Urlaub, hieß es.
Man arbeite „mit Hochdruck daran, die für einen vollständigen Betrieb notwendigen Zugkapazitäten einsetzen zu können“, heißt es bei der Bahn. Das könnte womöglich erst wieder am Montag, 13. September, der Fall sein. Dann enden die Schulferien.