In Weil der Stadt wird fleißig gebaut Bevor die Fasnet ins Rollen kommt

In drei Wochen müssen alle Wagen fertig sein. Foto: Simon Granville

Die Termine für die Fasnetsumzüge stehen lang fest. Noch wird in einer Werkstatt in Weil der Stadt aber kräftig geschraubt, gesägt und geschmückt. Mit vielen neuen Wagen will die Narrenzunft AHA bereits in drei Wochen losrollen.

Noch wird gehämmert, gebohrt und gesägt in der Halle und der Werkstatt im Spittl in Weil der Stadt. Doch die Zeit drängt, denn schon in drei Wochen steht der große Fasnetsumzug an, zu dem auch in diesem Jahr wieder viele tausende Besucher erwartet werden. Acht der insgesamt 20 Wagen, die dann in den Gassen der Weiler Altstadt unterwegs sind, müssen noch gebaut werden. „Diese Saison ist ziemlich kurz“, sagt Frank Gann, der 1. Vorsitzende der Narrenzunft AHA. Doch er ist – ebenso wie der Wagenbauchef Martin Gairhos – optimistisch. „Das kriegen wir hin.“

 

Jedes Jahr werden zwölf bis 15 neue Wagen gezeigt. Die bunten, fantasievollen Gebilde, die meistens von Traktoren gezogen werden, gehören zu den Höhepunkten beim Umzug am Fasnetssonntag, dieses Jahr am 11. Februar. Die Motive, die die Gruppen des Vereins aufgreifen, sind äußerst vielfältig. „Von Seiten der Narrenzunft gibt es keine Vorgaben, wir lassen den Gruppen freie Hand“, sagt Narrenchef Gann. Es würden eher keine politischen Themen gewählt, wenn auch im vergangenen Jahr die klamme Weiler Stadtkasse aufs Korn genommen wurde. „Die Wagenbauer suchen sich ein Motto, das auch gut darstellbar ist.“ Im Herbst gibt es eine Sitzung der Wagenbauabteilung der Narrenzunft. Und danach kann es in den Räumen des Spitals auch schon losgehen. Viele Handwerker werden aber erst nach Weihnachten aktiv. „Dann kann es in einer kurzen Saison knapp werden“, so Frank Gann.

Come on, Barbie, let’s go party! Foto: Simon Granville

Während einige der Zunftwagen wie etwa der flotte Hexendreher oder der der Zunftmeister als feste Größen beim Umzug immer wieder verwendet werden, arbeiten 50 bis 80 Vereinsmitglieder jedes Jahr, neue aktuelle oder witzige Themen anschaulich und möglichst stabil auf die Räder zu bringen – wobei es auch Modelle gibt, die per pedes von den Narren bewegt werden. Martin Gairhos, seit 1980 im Wagenbau aktiv dabei, ist Schreiner und Modellbauer. Hat er in seinem Beruf mehr mit Kunststoff zu tun, so werden die Umzugswagen überwiegend aus Holz und Metall, aber auch aus Pappe und manchmal aus Gips gestaltet. „Die Leute machen Skizzen von ihren Ideen, wir schauen nach den Proportionen und wie man das Motto umsetzen kann“, erklärt Gairhos, der in der Fasnet selbst als Hexe dabei ist. „Unter den Wagenbauern sind viele Fachhandwerker, wir arbeiten gut und oft schon lange zusammen.“

Es muss viel bedacht werden

Etwa drei Wochen dauert es, bis ein Wagen fertig ist. Die Kosten dafür betragen je nach Aufwand zwischen 1000 und 1500 Euro. Insgesamt, so hat Frank Gann errechnet, muss der Verein für den Wagenbau rund 20 000 Euro pro Jahr aufbringen, einschließlich der Kosten für die Räume im Spittl. Die Materialpreise seien seit der Coronazeit gestiegen, sagt Martin Gairhos. Vor allem Farbe sei sehr teuer geworden. Fertiggestellte rollende Fasnetskunstwerke werden in einer extra Halle untergebracht, denn sie alle hätten in den Räumen im Spital keinen Platz. Schließlich muss dort gearbeitet werden.

Bei manchen Wagen kann man sich noch nicht richtig vorstellen, wie sie einmal aussehen werden. Foto: Simon Granville

Etwa an dem Jahrmarktswagen oder den für die Simsons und auch dem ganz in Pink gehaltenen überdimensionierten Barbie-Fahrzeug, in dem die Kultpuppe, die durch den aktuellen Kinohit zum Leben erweckt wurde, unterwegs ist und der sicher so manchem Umzugsgast ein Schmunzeln ins Gesicht zaubern wird. Im hinteren Bereich der Werkstatt hängen weiß lackierte Riesenmuscheln und warten auf ihre weitere Verarbeitung. Dort steht auch ein übergroßer Bierkasten mit ganz fein und aufwendig gearbeiteten Holzfässern. Apropos Dimensionen: Nichts darf größer sein als die Tore der Wagenbauhalle, also maximal 4,5 Meter. Und alle Wagen müssen sozusagen ungestreift unter den bunten Fasnetsfähnchen, die die Altstadtgassen schmücken, hindurchfahren können, erklärt Frank Gann. Bei Nässe hängen die auch noch durch, auch das muss bedacht werden.

Und noch etwas ist ein wichtiges Thema bei den Wagenbauern: die Sicherheit. Oft sind acht bis 20 Personen auf einem Fahrzeug, da braucht es Geländer als Absturzsicherung, erklärt Martin Gairhos. „Bevor ein Wagen rausgeht, kontrollieren wir den gründlich, etwa auf Stabilität.“ Während des Umzugs selbst, an dem das närrische Volk oft dicht gedrängt an den Straßen steht, sorgen Ordner des Vereins an den Fahrzeugen dafür, dass Abstand gehalten wird und niemand unbefugt auf die Wagen klettert. Bisher sei noch nie etwas kaputtgegangen, selbst bei Wind, Schnee und Regen. Wobei – „Wir setzen am Umzugstag schon auf schönes Wetter“, sagt Wagenbauchef Gairhos ganz optimistisch. Man versuche, die Wagen möglichst wetterfest zu gestalten.

Außerdem müssen die Wagen normalerweise drei Umzüge aushalten, denn neben dem klassischen großen Umzug am Fasnetssonntag sind sie ebenfalls am Faschingsdienstag beim Kinderumzug zu sehen. Und einige sind auch beim Pferdemarktumzug in Leonberg dabei. Das wird 2024 nicht klappen, denn dieser ist ebenfalls am Dienstag, und da werden die Wagen in Weil der Stadt gebraucht.

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