Ina Müller „Leute, geht mehr auf Konzerte! Vielleicht gibt es zuhause sogar noch Sex“

Ina Müller kann lustige Anekdoten erzählen, wie etwa diese hier: „Neulich stand ich im Hotel an einer Rezeption, und dann sagte vor mir so´n Typ auf englisch, das sei ja echt toll, dass es einen großen Wasserkocher auf dem Zimmer gäbe, da könne er seine Unterwäsche noch auskochen.“ Foto: PR

Sängerin und Moderatorin Ina Müller über das Aufwachsen auf dem Bauernhof, ihre Ausbildung in der Apotheke, welche Medikamente sie stets daheim hat, was gegen Flugangst hilft und warum sie mit eigenem Wasserkocher reist.

Freizeit & Unterhaltung: Anja Wasserbäch (nja)

Ina Müller, 58 Jahre alt, ist Sängerin, Moderatorin und Entertainerin. Und bei ihr stimmt es: Sie ist so wie im Fernsehen, auch wenn sie im Gespräch mehr von sich als sonst erzählt.

 

Frau Müller, wie geht es Ihnen? Sie scheinen immer so gut gelaunt.

Gibt es im Fernsehen überhaupt jemanden, der schlechte Laune hat? Natürlich hab ich auch mal schlechte Laune, aber doch nicht, wenn die Sendung losgeht. Das wäre ja fürchterlich. Auf meine Sendung freue ich mich doch, auf die Gäste, die Musik. Ich sehe die Sendung fast mehr als Hobby denn als Job. Und sollte es soweit kommen, dass ich da lustlos und unmotiviert am Tresen sitze, dann höre ich auf. Versprochen.

Das sieht auch immer sehr unterhaltsam aus.

Natürlich habe ich auch mal schlechte Laune, wie jeder normale Mensch. Ich bin ja kein Zombie. Und je älter ich werde, desto kritischer werde ich mit der Welt, und umso öfter habe ich schlechte Laune, weil sich doch sehr vieles sehr schnell ändert und ich ehrlich gesagt auch nicht bei allem mehr so richtig schnell mitkomme.

Bei was zum Beispiel?

Bei neuester Technologie. Wie finde ich Tiktok eigentlich? Will man sich X, also Twitter, noch antun? Was ist mit KI? Was muss man über ChatGPT wissen? Ich will das alles noch wissen, aber es geht mir alles auch ein bisschen auf den Keks.

Sie beschäftigen sich viel mit Sprache. Wie stehen Sie zum Gendern?

Ich finde Gendern generell ok. Was ich nicht so gut finde, ist die ewige Diskussion darüber. Alle, die gendern wollen, sollen es machen. Wer nicht gendern möchte, soll es doch einfach sein lassen, aber bitte nicht die ganze Zeit lauthals drüber rummotzen. Macht es, oder lasst es, aber nervt mich nicht. Es ist doch ähnlich wie mit der Homöopathie. Es gibt Menschen, denen hilft Homöopathie. Lasst sie doch in dem Glauben. Ein bisschen mehr Freiheit, ein bisschen mehr jeder wie er mag. Ich würde gerne mehr gendern, aber ich vergesse es einfach immer. Es ist wie bei einem Tennisspieler, der seit zwanzig Jahren mit seiner Vorhand so spielt. Und dann kommt jemand und sagt: „Ne, nicht so, ab heute musst Du das andersrum machen“. Da weiß man doch auch, dass das wahrscheinlich nix mehr wird! So geht es mir mit dem Gendern.

Man gewöhnt sich dann aber doch dran.

Ja, weil sich Sprache doch immer schon verändert hat. In 50 Jahren lachen die Leute sich kaputt über den Genderstreit. Und ich bin zum Beispiel plattdeutsch aufgewachsen. Da spricht jedes Dorf seinen eigenen Slang. Diese Sprache wird es irgendwann gar nicht mehr geben, weil sie einfach nicht mehr gebraucht wird.

„Wir hatten so viele Kühe, dass wir vom Fleischverkauf der Bullen und dem täglichen Milchliefern lebten“

Sie sind auf dem Bauernhof aufgewachsen. Was war das für ein Hof? Einer mit Vieh und Land?

Ein sogenannter Mischhof. Es gab Hühner, Katzen, Hunde, Kühe, Schweine, Kälber, Ochsen, Bullen. Es war überwiegend Milchwirtschaft. Das heißt, wir hatten so viele Kühe, dass wir vom Fleischverkauf der Bullen und dem täglichen Milchliefern lebten. Das waren so 35 bis 40 Kühe. Das reichte damals einer neun-köpfigen Familie zum Überleben. Wahnsinn, das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Landwirtschaft ist so anders und schwierig geworden. Der Umbau zur Biolandwirtschaft ist unglaublich mühsam, mit harten Auflagen. Es ist wirklich schwer, das zu wuppen. Deshalb ist es für viele Landwirte wahrscheinlich leichter, einfach alles hochzufahren, wo früher 40 Kühe reichten, sind es heute 400, damit überhaupt was hängen bleibt. Und solange ein Liter Milch nicht mehr kostet als ein Liter Cola, wird sich da wohl auch nichts ändern.

Auf dem Hof lebten damals auch Oma und Opa.

Und hätte es meine Oma nicht gegeben, wäre in meinem Leben wohl vieles sehr viel schlechter gelaufen. Sie hat dafür gesorgt, dass wir aufstehen, dass wir zur Schule gehen, dass wir ein Schulbrot kriegen, dass wir Hausaufgaben machen. Meine Mutter hat ja auf dem Hof gearbeitet.

Und die Kinder mussten vermutlich auch ran.

Meine Aufgabe war das Melken. Eine andere Schwester hat Kälber gefüttert, die andere musste ausmisten. Und so weiter. Jede hatte ihre Aufgaben. Nach dem Abendbrot hab ich spät noch Hausaufgaben gemacht. Ich verstehe überhaupt nicht, wie ich durch die Schule gekommen bin. Also das ist vielleicht das Einzige, was ich meinen Eltern vorwerfe, dass es niemanden interessiert hat: Wann machen die eigentlich Hausaufgaben? In welcher Klasse sind die eigentlich gerade? Und warum soll man da zum Elternsprechtag?

Nach der Schule haben Sie eine Ausbildung zur pharmazeutisch-technischen Assistentin gemacht.

Eigentlich wollte ich Goldschmiedin werden; sauberer Beruf, stinkt nicht nach Kuhscheiße. Da verdiente man damals im ersten Ausbildungsjahr aber nur 200 Mark. Das konnte ich mir schlichtweg nicht leisten. Ich brauchte ja ne Bude oder`n Auto. In der Apotheke habe ich dann direkt von Tag eins an 500 Mark verdient. Da ging dann das mit dem Auto.

Dann war das Auto Ihre erste Anschaffung?

Ja, ein Käfer, den ich mir von meinem Konfirmationsgeld gekauft habe. Der kostete 1000 Mark.

Für was geben Sie heute gerne Geld aus?

Fürs Reisen, und weil ich Flugangst habe, buche ich häufig die Businessclass um möglichst weit vorne zu sitzen. Da spiel ich dann immer Pilot, und tue so, als ob ICH das Ding fliege. Ich weiß nicht warum, aber es hilft gegen die Angst! Und für schöne Hotelzimmer gebe ich auch Geld aus. Dabei will ich gar nicht so viel. Ich will nur ein schönes Zimmer, das nicht stinkt. Und wenn ich in den Urlaub fliege, hätte ich gern Meerblick. Und ich lade meine Freunde gern zum Essen ein. Und überhaupt ist richtig gut essen gehen auch toll. Und für meine Wohnung gebe ich auch Geld aus, weil ich es gerne schön habe.

Wenn Sie reisen, brauchen Sie auch immer einen Wasserkocher auf dem Zimmer. Warum?

Ich mache mir nachts nach den Konzerten gerne noch einen Ingwertee, das ist gut für die Stimme. Oder einfach Wasserdampf inhalieren tut auch gut. Aber neulich stand ich im Hotel an einer Rezeption, und dann sagte vor mir so´n Typ auf englisch, das sei ja echt toll, dass es einen großen Wasserkocher auf dem Zimmer gäbe, da könne er seine Unterwäsche noch auskochen. Seitdem habe ich immer einen eigenen Reise-Wasserkocher dabei. Ich achte auch darauf, wenn ich etwas aus der Minibar nehme, ob der Verschluss noch knackt. Wenn das Siegel durchbrochen ist, sollte man den Apfelsaft nicht trinken.

Sie kennen sich ja mit Medikamenten aus. Gibt es da nicht Mittelchen gegen Flugangst?

Tavor sublingual hilft ganz gut, geht aber nicht, wenn ich nach der Landung noch arbeiten muss. Und deshalb spiele ich dann Pilot. Generell habe ich Angst, dass ich irgendwann gar nicht mehr in einen Flieger einsteige. Ich fliege eh schon wenig, aber gar nicht mehr, das wäre schon hart.

Ihr Apothekerschrank zuhause ist bestimmt auch gut ausgestattet.

Das ist eine sehr große Schublade. Andere bewahren da drin ihr Besteck auf. Da gibt es viel Magnesium, Folsäure und Q10, Vitamin D – was man so braucht. Ich lese sehr gerne medizinische Fachblätter, was da gerade der neueste Shit ist. Und ich lasse zweimal im Jahr ein großes Blutbild machen, nur damit ich mich da zwei Tage drüber hängen, und alle Werte genau durchgoogeln kann. Außerdem sind in meiner Schublade Antibiotika, die man schnell zur Hand haben muss, und diverse Schmerztabletten, weil ich immer Angst vor starken Schmerzen habe, die nachts kommen könnten. Ich habe alles. Sogar noch kleine Heparin-Spritzen, die sind, glaube ich, abgelaufen. Wäre mir im Notfall aber egal. Wenn ich denke, dass ich einen Herzinfarkt habe, würde ich erst die spritzen und dann den Notarzt rufen. Überhaupt: Ich könnte mir gut vorstellen, noch eine Ausbildung zur Sanitäterin zu machen. Da hätte ich Bock drauf. Kann ich das mit 58 noch machen?

Bestimmt.

Ja, aber sollte ich das auch? Zwischen 40 und 50 hätte ich mir das noch zugetraut. Genug Selbstbewusstsein, genug Stärke, genug Kohle, man weiß, was man will und was nicht. Ich glaube, Sanitäter sein in der Großstadt, das ist ein richtig harter Job, damit muss man früher anfangen. Oh Gott, ich bin ja anscheinend sogar für die Midlife Crisis schon zu alt.

Sie gehen im Januar und Februar auf Tour. Besuchen Sie selbst viele Konzerte?

Ich war zuletzt bei einem wunderschönen Element of Crime-Konzert in Hamburg. Und es war ganz zauberhaft. Also mit Weinen und Lachen. Leute, geht mehr auf Konzerte oder ins Theater. Ich weiß, nachmittags ist man noch faul und genervt, da sagt Frank noch: „Ute, müssen wir da jetzt wirklich hin?“, aber danach sind dann beide immer glücklicher, und haben gute Laune. Und wenn beide endlich mal wieder gute Laune haben, gibt es zu Hause vielleicht sogar noch Sex.

Zur Person

Die Frau
Ina Müller wird am 25. Juli 1965 in Köhlen geboren und ist eine deutsche Sängerin, Musikkabarettistin, Buchautorin und Fernsehmoderatorin. Bekannt ist vor allem ihre Late-Night-Show „Inas Nacht“.

Die Tour
Zwischen dem 12 .Januar und dem 17. Februar 2024 ist Ina mit ihrer Band und ihrem aktuellen Programm wieder in Deutschland unterwegs, wie etwa am 3.2. in Offenburg, am 10.2. in Karlsruhe und am 11.2. in Ulm. Weiter Infos unter www.inamueller.de

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