Indiens Frauen im Bleichwahn Weiße Haut aus der Tube

„Fair&Lovely“ ist der Marktführer unter den Bleichcremes. Foto: StZ
„Fair&Lovely“ ist der Marktführer unter den Bleichcremes. Foto: StZ

Ein heller Teint ist heiß begehrt, darum malträtieren indische Frauen ihren Körper mit Bleichcremes. Selbst der Schambereich muss dran glauben.

Korrespondenten: Christine Möllhoff (cm)

Neu-Delhi - Fair“, hellhäutig, müsse die künftige Braut sein, heißt es in fast jeder Heiratsanzeige, die am Wochenende Indiens Zeitungen pflastern. Auch fast 65 Jahre nach Abzug der britischen Kolonialherren scheint der Subkontinent besessen von weißer Haut. Diese erhöht nicht nur die Heirats-, sondern auch die Jobchancen.

Millionen Inderinnen malträtieren sich regelmäßig mit Bleichcremes, um einen hellen Teint zu bekommen, obgleich nicht einmal sicher ist, dass Pasten und Masken überhaupt wirken und obendrein viele gefährliche Chemikalien wie Quecksilber enthalten sollen. Doch das tut dem Schönheitswahn keinen Abbruch.

Aussehen wie Schneewittchen

Ähnlich wie bleiche Westler sich an den Touristenstränden dieser Welt braun grillen und Hautkrebs, Falten sowie Lederhaut riskieren, sich mit Selbstbräunern beschmieren oder unter Solarien brutzeln, können in Indien auch alle Warnungen von Hautärzten den Griff zur Bleichcreme nicht stoppen. Allein in Indien soll der Markt weit über 400 Millionen Dollar schwer sein – mit steigender Tendenz. Inzwischen ist es schon schwierig, noch Kosmetika ohne bleichende Chemikalien zu finden. Die Medien und die Werbeindustrie geben ihr Bestes, um die Obsession zu schüren. Dutzende Werbespots flimmern täglich über die Bildschirme, um den Inderinnen Frauen, die aussehen wie Schneewittchen, als Schönheitsideal einzubläuen.

Ob in Magazinen, Filmen oder Anzeigen, nur den alabasterweißen Frauen ist das Glück hold – sei es in Form eines Ehemannes, eines Jobs oder eines Tennispokals. Dagegen bleibt eine goldbraune Schönheit einsam, allein und erfolglos. Solche Frauen sehen, missachtet von der Männerwelt, einem traurigen Los als alte Jungfer entgegen.

Zugleich überschwemmen immer mehr Bleichprodukte das Land – für die Augenpartie, fürs Gesicht, für den Körper, ja sogar Deodorants für strahlend weiße Achseln gibt es. Auch Männer gehen nicht leer aus. Kosmetikfirmen bieten ihnen längst eigene Produktlinie an.

Auch der Schambereich bleibt nicht verschont

Doch nun hat die Bleichindustrie eine neue, bis dato unerschlossene Region entdeckt, von der sie sich ein neuen Boom erhofft: Die „Private Parts“, wie man im Englischen den Genitalbereich umschreibt. Ungeniert trichtern die Werbeprofis der Frauenwelt neuerdings ein, dass die „Dunkelung der Private Parts“ ein echtes Problem darstelle. Und präsentieren prompt Abhilfe: Eine Waschlotion namens „Clean and dry“. Doch das geht vielen Frauen zu weit. Sie halten das Produkt für einen unakzeptablen Schlag unter die Gürtellinie, ein entsprechender Werbespot entfachte eine Sturm der Entrüstung. Gezeigt wird eine junge Inderin, die traurig dreinblickt, weil ihre Schamzone so dunkel ist, wie der Kaffee, im dem sie rührt, und ihr Ehemann sich lieber mit der Zeitung vergnügt als mit ihr. Erst als sie zur bleichenden Intimlotion greift, kehrt das Glück zurück. Suggestiv lässt sie den Autoschlüssel in ihren Shorts verschwinden, da sie ja nun mit vorzeigbarer Weiße locken kann. Lachend schließt ihr Mann sie in seine Arme.




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