Industrie 4.0 Die Zukunft der Produktion beginnt jetzt

Angela Merkel lässt sich einen Roboter von Festo vorführen Foto: Horst Rudel
Angela Merkel lässt sich einen Roboter von Festo vorführen Foto: Horst Rudel

Die Region rund um Stuttgart ist das größte Zentrum der Industrie 4.0 in Deutschland.

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Esslingen - Weil wir gut sind!“ Diese Antwort von Rudolf Mietzner auf die Frage, warum sich gerade im Großraum Stuttgart so viele Unternehmen an der Industrie 4.0 beteiligen, ist nicht nur scherzhaft gemeint. Der Sprecher des Netzwerks Allianz Industrie 4.0 Baden-Württemberg macht den breit gefächerten Mittelstand, der vor allem im Bereich Hightech unterwegs ist, dafür verantwortlich, dass immer mehr Industrie-4.0-Projekte rund um Stuttgart im Kommen sind.

Was die Firmen der Region alles in der Industrie 4.0 machen, zeigt beispielsweise Robert Bosch in Stuttgart-Feuerbach. Sie haben in die Werkzeugspindeln einer Fabrik im tschechischen Iglau Sensoren eingebaut, die der Abteilung online zeigen, wann die Spindel kaputtgehen wird. Das heißt, dass teure Standzeiten der Maschinen durch Defekte künftig entfallen.

Die Daimler AG in Stuttgart-Untertürkheim hat ein ähnliches Projekt gestartet. Durch geschicktes Auswerten von Messdaten können die Ingenieure in der Motorenfertigung Produktionsschwankungen vorhersehen. Damit lässt sich der Ausschuss erkennen, noch bevor er produziert wird. Das ist gerade bei Motoren sehr wichtig, weil dort teure Präzisionsmetallteile eingebaut werden.

Digital Worx in Stuttgart hat ein System entwickelt, mit dem sich Arbeitnehmer und Maschinen mithilfe kleiner Sender gegenseitig erkennen. So bekommt der Arbeiter die Produktionsdaten auf sein Tablet gesendet, wenn er sich der Maschine nur nähert. Das Bemühen aller Firmen ist klar. Es geht um eine Steigerung von Effizienz, „das Grundstreben allen Unternehmertums“, wie es Rudolf Mietzner beschreibt.

Festo in Esslingen ist ähnlich unterwegs, und zwar im Bereich der Didaktik. Die Daten eines Mitarbeiters und die Daten der Maschine werden in einem System mit dem Namen Appsist abgeglichen. Das Programm erkennt Wissenslücken des Mitarbeiters und gibt ihm die erforderlichen Informationen, die er zum Betrieb der Maschine braucht.

Das Schlagwort der Industrie 4.0 wurde von einer Kooperation der Bundesregierung mit Ingenieur- und Forschungsverbänden erfunden. Die Verbände haben auch eine bundesweite Plattform Industrie 4.0 ins Leben gerufen. Sie hat eine ähnliche Funktion wie die baden-württembergische Plattform: Sie soll Projekte und Ideen streuen, um die Firmen zu Investitionen in diesem Bereich zu ermutigen. Die beiden Plattformen arbeiten Hand in Hand und tauschen Daten aus.

Wenn es nach den Mitarbeitern der bundesweiten Plattform Industrie 4.0 geht, ist das erst der Anfang. Inzwischen haben sie zehn Szenarien entworfen, wie die Industrie 4.0 die Produktion verändern könnte. Ein besonders schlagendes Beispiel betrifft die Herstellung von Fahrradlenkern, erklärt Jonas Gobert, ein Sprecher der Plattform Industrie 4.0. Der Kunde gestaltet seinen Lenker individuell am Computer und bestellt ihn online. Die Bestellung wird direkt an eine Maschine gesendet, die den Lenker zusammenbiegt; anschließend wird das Fahrradteil automatisch versendet.

Im Grunde wäre dann in der gesamten Wertschöpfungskette kein Mensch mehr beteiligt. Das Aus für den Homo sapiens? „Nein“ sagt Jonas Gobert, „unserer Ansicht nach wird der Mensch immer als gestaltendes Wesen im Mittelpunkt stehen.“

Die Interaktive Landkarte zu Industrie 4.0 gibt es hier:




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