Industrie-Dienstleister Frühere Voith-Tochter will expandieren

Von Imelda Flaig 

Aus eins macht zwei: Die Leadec-Gruppe, früher Voith Industrial Services, die vergangenes Jahr vom Maschinenbauer Voith an den Finanzinvestor Triton verkauft wurde, will unter dem neuen Eigentümer kräftig durchstarten und hat sich in zwei eigenständige Service-Unternehmen aufgeteilt.

Will mit einem starken Finanzpartner im Rücken expandieren: Markus Glaser-Gallion, Chef der Leadec-Gruppe (früher Voith Industrial Services), unter deren Dach nun die beiden eigenständigen Service-Unternehmen Leadec als Experte für die Auto- und Zulieferiundustrie, sowie Velctec als Spezialist für die Prozess- und Kraftwerksindustrie vereint sind. Foto: Leadec
Will mit einem starken Finanzpartner im Rücken expandieren: Markus Glaser-Gallion, Chef der Leadec-Gruppe (früher Voith Industrial Services), unter deren Dach nun die beiden eigenständigen Service-Unternehmen Leadec als Experte für die Auto- und Zulieferiundustrie, sowie Velctec als Spezialist für die Prozess- und Kraftwerksindustrie vereint sind. Foto: Leadec

Stuttgart - Aus eins mach zwei: Mit Leadec und Veltec sind aus der einstigen Industriedienstleistungstocher des Voith-Konzerns unter dem neuen Eigentümer Triton zwei eigenständige Service-Unternehmen entstanden. Man wolle sich damit verstärkt an den spezifischen Kundenanforderungen ausrichten, sagt Markus Glaser-Gallion, Chef der Leadec-Gruppe, unter deren Dach die beiden Service-Unternehmen firmieren. Zusammen erwirtschaften sie mit weltweit gut 17 500 Mitarbeitern rund eine Milliarde Euro Umsatz.

Der Großteil des Umsatzes entfällt mit rund 850 Millionen Euro auf Leadec, ebenso der Großteil der Beschäftigten mit rund 16 600. Das Unternehmen zählt zu den führenden Anbietern technischer Dienstleistungen vor allem für die Automobil- und Zulieferindustrie – das reicht von Entwicklungsleistungen über die Produktionsinstandhaltung bis zu Montagelösungen. Zu den Kunden zählen etwa der VW-Konzern, aber auch Daimler, BMW, Ford und GM sowie Zulieferer wie Bosch und ZF, wobei man weltweit vor Ort bei den Kunden an mehr als 200 Standorten aktiv ist. Die globale Aufstellung sei einzigartig und soll weiter ausgebaut werden – vor allem in Amerika und Asien, wo man bislang nur in China und Indien präsent ist.

Massive Ergebnisprobleme im Prozess- und Kratwerksgeschäft

Veltec dagegen bringt es auf knapp 150 Millionen Euro Umsatz und hat vor allem Kunden aus der Öl-, Gas- und Chemieindustrie. Während das Automobilgeschäft florierte und profitabel war, hatte man im Prozess- und Kraftwerksgeschäft massive Ergebnisprobleme. Es habe unter der Energiewende gelitten, und die Raffinerien unter dem Ölpreis. Mit der Zwei-Marken-Strategie wolle man den jeweiligen Geschäftsmodellen besser gerecht werden, sagt Glaser-Gallion.

Viel verspricht er sich vom kapitalstarken Eigentümer Triton. Der Finanzinvestor, der derzeit 29 Unternehmen im Portfolio hat, hatte die einstige Votih-Tochter im Herbst 2016 übernommen. Triton hält mehr als 75 Prozent an der Leadec-Gruppe, die Führungskräfte besitzen knapp fünf Prozent, 20 Prozent der Anteile hält Voith. Glaser-Gallion bewertete den Einstieg von Triton und die damit verbundene Selbstständigkeit als positiv. Man könne effizienter arbeiten als dies als Anhängsel im Voith-Konzern mit mehreren Sparten der Fall war. Bei dem Anlagenbauer habe man als Servicegesellschaft eher ein stiefmütterliches Dasein gehabt. Voith hatte den Dienstleister im Jahr 2000 – damals noch DIW (Deutsche Industriewartung) – übernommen. Triton verfüge über genug Finanzmittel, um auch Zukäufe zu finanzieren, so Glaser-Gallion. Leadec werde aus einem Fonds heraus finanziert, der über vier Milliarden Euro Eigenkapital verfüge. Zudem sei Tritons Engagement nicht kurzfristig, sondern auf fünf bis bis sieben Jahre angelegt. Das sei auch wichtig für die Kunden, erklärt Glaser-Gallion.

Zukäufe in Regionen und Segmenten geplant

Bei den Zukäufen denkt er an Regionen wie Nord- und Südamerika, aber auch an neue Segmente und Know-how; das könnte beispielsweise auch die Übernahme eines Automatisierungsspezialisten sein. „Wir werden uns in den nächsten ein bis zwei Jahren signifikant verstärken, sagte der Manager, wobei man jährlich – wie bisher schon – mindestens rund fünf Prozent organisch wachsen wolle. Viel verspricht sich Glaser-Gallion auch von der Digitalisierung. Beispiel: Leadec ist in weltweit 90 Lackieranlagen für die technische Reinigung zuständig. Das bedeutet gleichzeitig, dass man über einen riesigen Datenschatz verfüge. Intelligentes Datenmanagement ist ein Zukunftsfeld, das Glaser-Gallion ausbauen will. Beispielhaft nannte er eine App für Lackieranlagen, mit deren Hilfe sich Lackierfehler lokalisieren und Prozesse bei Kunden verbessern lassen.

Bei Veltec sieht er auch im Rückbau von Atomkraftwerken künftig große Chancen. Auch wenn ein Kraftwerk abgeschaltet wird, müsse es instand gehalten werden. Er gab sich optimistisch, auch im Geschäft mit der Prozess- und Kraftwerksindustrie 2017 wieder profitabel zu arbeiten.