Susanne Kunschert und Thomas Pilz wollen die Arbeitsplätze in Ostfildern erhalten. Foto: Markus Brändli
Die Firma Pilz in Ostfildern will ihre Stammbelegschaft halten. Das erfordere viel, räumen die Chefs ein. Bei dem Industriebetrieb liefen die Geschäfte zuletzt schlechter.
Die Strategie des Unternehmens sei weiterhin, weltweit zu wachsen. Und zu Beginn des Jahres 2025 ist eigenen Angaben zufolge ein leichter Anstieg des Pilz-Umsatzes erkennbar, allerdings von einem niedrigen Niveau. Die negativen Prognosen mit Blick auf Industrie und Gesamtwirtschaft, die zuletzt von Branchenverbänden oder den Wirtschaftsweisen geäußert wurden, spürt Pilz als Unternehmen nach Angaben von Kunschert gerade nicht. „Wir sind guter Dinge, dass das so bleibt.“ Allerdings seien Prognosen, wie sich die Nachfrage weiter entwickeln werde, schwierig. Derzeit sei die Auslastung der Pilz-Fabriken gut.
Pilz hält an Stammbelegschaft fest
Pilz adressiert mit seinen Komponenten zur sicheren Automatisierung unter anderem den klassischen Maschinenbau und vom Unternehmen als Zukunftsbranchen identifizierte Felder wie Bahntechnik und Wasserstoffindustrie. Auch im Abbau seltener Erden sieht Kunschert Möglichkeiten, das Geschäft auszubauen. Außerdem sollen Angebote im Bereich Dienstleistungen und Training erweitert werden, Pilz schult etwa Kunden bei der Umsetzung neuer gesetzlicher Vorgaben zu Themen wie Maschinen- und Cybersicherheit.
Derzeit halten die Ostfilderner an ihrer Stammbelegschaft fest. „Es ist ein großer Segen, dass wir aktuell nicht abbauen müssen“, betont die Pilz-Chefin. Das sei für keinen Arbeitgeber einfach, sagt sie mit Blick auf weitere Industrieunternehmen in der Region, die Stellen streichen. Und auch für Pilz erfordere es viel, Mitarbeitende zu halten. Der Betrieb habe derzeit unter anderem den Vorteil, dass es im Gegensatz zu anderen Industriebereichen noch keinen großen Wettbewerb durch chinesische Konkurrenten gebe.
Gewinne bleiben im Unternehmen
Und Pilz sei bankenunabhängig, die Eigenkapitalquote sei hoch, das gebe mehr Flexibilität. Die Gewinne der vergangenen Jahre seien im Unternehmen geblieben. „Wir stecken das Erwirtschaftete in unseren Standort, den wir mit Zähnen und Klauen verteidigen wollen“, sagt Thomas Pilz. Und macht deutlich, dass er sich von der Finanzbranche und vom Staat in Krisenzeiten mehr Unterstützung für Arbeitgeber wünschen würde, die in Deutschland Arbeitsplätze erhalten.
Doch auch das Ostfilderner Familienunternehmen ist derzeit vorsichtig, was die Personalplanung angeht. Laut Kunschert gilt ein Einstellungsstopp. Stellen, die beispielsweise durch Renteneintritte frei werden, werden nicht nachbesetzt. Und in manchen Bereichen werden den Pilz-Chefs zufolge Digitalisierung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz die Aufgaben ausscheidender Mitarbeiter zumindest teilweise übernehmen. Man wolle nutzen, dass kurz- und mittelfristig einige Babyboomer unter den Beschäftigten regulär in Rente gingen, sagt Thomas Pilz.
Kurzarbeit bei Pilz
Darüber hinaus sind die deutschen Mitarbeitenden seit März 2024 in Kurzarbeit, derzeit zwischen zwölf und 20 Prozent. Das bedeutet, dass weite Teile der Belegschaft weniger arbeiten und einen Teil des Entgeltausfalls vom Staat erstattet bekommen. Auch die Führungskräfte und die Firmenspitze verzichten auf Teile des Gehalts. „Es ziehen alle toll mit, wir stehen wirklich alle zusammen“, sagt Kunschert.
Prognosen dazu wie sich die Personalstärke künftig entwickelt, geben die Pilz-Chefs nicht. „Die Zahl der Mitarbeitenden wird sich entwickeln je nach Bedarf“, meint Susanne Kunschert, man reagiere auf das wirtschaftliche Umfeld. Pilz bildet auch weiter aus und bietet Praktika. In bestimmten Bereichen sucht der Betrieb auch noch Experten, etwa für IT und Sicherheit.
Der Pilz-Stammsitz in Ostfildern Foto: Pilz
Am Stammsitz Ostfildern und auch der dortigen Produktion will Pilz festhalten: Diese sei bereits stark automatisiert, insofern sei die Kostenstruktur vergleichbar mit den anderen Werken, meint Kunschert. „Wir investieren auch in die Verbesserung unserer Prozesse und Abläufe. Damit können wir die Produktivität in unseren Werken kontinuierlich steigern.“ Pilz hat weitere Fabriken in China, Frankreich und der Schweiz sowie eine Softwareentwicklung in Irland und zahlreiche Vertriebs- und Servicestandorte weltweit.
Das Familienunternehmen Pilz
Einordnung Pilz stellt vereinfacht ausgedrückt Komponenten her, die Menschen vor Verletzungen durch Maschinen schützen, aber auch Maschinen vor schädigenden Fremdeinwirkungen. Das Unternehmen ist einer der weltweit führenden Hersteller für Sicherheitsschaltgeräte, -steuerungen und -sensoren. Die Ostfilderner sind in den 1980ern bekannt geworden für die Entwicklung des sogenannten PNOZ, des ersten Sicherheitsschaltgeräts für den zuverlässigen Stopp von Maschinen. Ähnlich wie die Marke Tempo für Papiertaschentücher werde in Ingenieurskreisen das PNOZ von Pilz synonym für Sicherheitsschaltgeräte verwendet, erzählt Susanne Kunschert.
Zahlen Nach drei Jahren des Wachstums ist der Umsatz 2024 um 21 Prozent auf 341 Millionen Euro gesunken. Die Zahl der Mitarbeitenden ist leicht gestiegen auf weltweit 2504 Personen (plus 1,1 Prozent), davon 937 in Ostfildern (plus 0,9 Prozent).
Standort Am Stammsitz Ostfildern befinden sich indirekte Abteilungen wie IT, Entwicklung und Personalabteilung und ein Produktionswerk. In diesem sind etwa 130 Personen beschäftigt. Nach Unternehmensangaben werden hier Erstserien und Prototypen gefertigt, aber auch Steuerungen und Sicherheitsschaltgeräte.