Industriebrache am Ludwigsburger Bahnhof Ein Kunst-Festival in der alten Caro-Kaffee-Fabrik

Im Jahr 2018 hat Nestlé beschlossen, die Caro-Kaffee-Fabrik in Ludwigsburg aufzugeben. Foto: factum/Jürgen Bach

Die Wüstenrotstiftung und die Stadt Ludwigsburg lüften im kommenden Sommer die Geheimnisse der alten Caro-Kaffee-Fabrik am Bahnhof.

Digital Desk: Michael Bosch (mbo)

Ludwigsburg - Jeder, der schon einmal in Ludwigsburg aus einem Zug gestiegen ist, kennt es: das Franck-Areal. Etliche Jahrzehnte strömte von dem Gelände auf der Westseite des Bahnhofs würziger Zichorienduft, der – je nach Windrichtung – mal den einen Teil der Stadt, mal den anderen einhüllte. Mehr als die Außenmauern und eben den Geruch, dürften aber nur die wenigsten kennen. Das soll sich im kommenden Sommer – voraussichtlich Ende Juni – ändern.

 

Die Wüstenrot-Stiftung und die Stadt öffnen dann über ein verlängertes Wochenende die Tore zur ehemaligen Caro-Kaffee-Farbik für die Öffentlichkeit. Auf dem Gelände ist das Festival „Neuland“ geplant.

Die Wüstenrot-Stiftung feiert im kommenden Jahr ihren 100. Geburtstag und hatte sich zu diesem Zweck auf die Suche nach passenden Projekten gemacht, die sie fördern und selbst mitgestalten kann. 200 000 Euro steuert die Stiftung für das Projekt in ihrer Heimatstadt bei. Während das Finanzielle geklärt ist, ist inhaltlich noch vieles im Werden.

Buntes Programm statt stupider Rundgänge

„Wir wissen zum Beispiel noch nicht genau, welche Bereiche wir überhaupt nutzen können“, sagt Nadine Schäfer von der Wüstenrot-Stiftung. Sie kennt das Areal bereits. Bis sie es kennengelernt hatte, dauerte es aber. „Wir waren drei Stunden auf Rundgang“, sagt Schäfer, „und längst nicht alles ist begehbar.“ Es sei aber ein Anliegen, dass die Bürgerschaft möglichst große Teile der leer stehenden Gebäude kennenlerne. Seit einigen Wochen prüfen Bauingenieure und Sachverständige, welche Hallen und Räume sicher für das Publikum sind. „Die Bevölkerung soll sich richtig mit dem Areal auseinandersetzen.“ Deshalb gibt es nicht nur stupide Rundgänge.

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So ist beispielsweise angedacht, dass Künstler und Kreative im Sommer die Möglichkeit bekommen, sich in den Hallen auszutoben, genauso wie Schüler der Kunstschule Labyrinth. Auch die Akademie für Darstellende Kunst beteiligt sich, die Filmakademie wollen die Organisatoren ebenfalls mit ins Boot holen. Zeitlich beschränkt sich das Festival nicht nur auf ein Wochenende, es geht schon viel früher los. Wenn die Corona-Zahlen und -Regeln es zulassen, können die Ludwigsburger mit Experten und Zeitzeugen vom Frühjahr an im Rahmen einer Workshop- und Diskussionsreihe in die reiche Geschichte des Geländes eintauchen. Die Vorarbeit hat das Ludwigsburg Museum MIK geleistet. „Wir wollen in jedem Fall nicht erst am Montag vor dem Festival-Wochenende mit dem Programm anfangen“, sagt die Leiterin des Fachbereichs Kunst und Kultur, Wiebke Richert.

Das Franck-Areal sei auch deshalb so reizvoll, sagt Richert, weil dort künstlerische Projekte realisiert werden könnten, die auch ein Stück weit die Frage beantworten, was aus dem Areal überhaupt werden könnte. „Wir wollen aber keine stadtplanerische Vorhut sein“, so Richert.

Bürger sollen nach Festival weiter beteiligt werden

Kleine Impulse erhofft sich jedoch die Verwaltung von „Neuland“. Seitdem das ehemals dem Unternehmen Nestlé gehörende Betriebsgelände auf der Westseite des Bahnhofs im Sommer in den Besitz der Stadt Ludwigsburg und der Firma Caro Carré übergegangen ist, ist es nämlich ruhig geworden. Die Stadt hatte anschließend lediglich verlauten lassen, dass sie auf der 0,9 Hektar großen Fläche im nördlichen Teil „ein modernes, urbanes Stadtquartier“ plane. Im südlichen Teil will Carro Carré, zu dem auch der IT-Dienstleister Sovdwaer gehört, Büros bauen.

„Wenn Leute ein bisschen Zeit haben zu hirnen, Ideen zu entwickeln, ist das immer gut“, sagt Oberbürgermeister Matthias Knecht über das Kulturprojekt. Wie Existenzgründer, Kreativwirtschaft und Hochschulen dort einmal nebeneinander existieren sollen, ist noch völlig unklar. Zumindest eins will die Stadt nach dem Festival fortführen: Bei der Entscheidung, wie es weiter geht mit dem Franck-Areal, sollen die Bürger mitsprechen dürfen.

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