Ines Dietze ist das erste weibliche Vorstandsmitglied in der mehr als 130-jährigen Geschichte der Kreissparkasse. Waiblingen. Im Interview spricht die 49-Jährige über den eigenen Abwägungsprozess, fördernde Chefs, Mitarbeiterpotenziale und Hoffnungsschimmer für klassische Sparer.

Rems-Murr : Frank Rodenhausen (fro)
Am 8. Februar ist Ines Dietze exakt 100 Tage im bisher ausschließlich männerdominierten Vorstand der Kreissparkasse Waiblingen tätig. Als eine Exotin fühlt sie sich nicht. Nach einer anfänglich vielleicht etwas besonderen Beobachtung gehe es auch dort in erster Linie um Sachinhalte, glaubt sie.
Frau Dietze, Frauen werden Richter, Unternehmenschefs, sogar Bundeskanzler, sitzen aber nur äußerst selten in den obersten Etagen von Banken – warum ist das so?
Das hängt meines Erachtens zum einen damit zusammen, dass sich Frauen trauen müssen, solch einen Schritt zu gehen. Auf der anderen Seite ist aber immer noch der Stolperstein im Weg, dass noch nicht alle Ressourcen erschöpft sind, um Familie und Beruf gut in Einklang zu bringen.
Warum hat es bei Ihnen geklappt, Sie sind die erste Vorstandsfrau in der gut 130-jährigen Geschichte der Kreissparkasse Waiblingen?
Es hat sicherlich damit zu tun, dass mir in meiner bisherigen Laufbahn – den Großteil habe ich in anderen Sparkassen verbracht – die Möglichkeit eingeräumt wurde, Karriere und Familie gut unter einen Hut zu bringen. Ich hatte immer Chefs, die Familienzeiten mit mir mitgegangen sind und mir teilweise auch in Teilzeit Führungsverantwortung übertragen haben.
Dennoch sind Sie als Frau im Vorstand auch bei den Sparkassen eine Exotin.
Vor fünf Jahren hätte es die Überlegung noch gar nicht gegeben, dass eine Frau sich für eine Vorstandsposition bewirbt. Jetzt ist da auch gesellschaftlich ein anderes Bewusstsein entstanden. Es sind immer mehr weibliche Absolventinnen, die vom Studium kommen. Aber diese Entwicklung zieht sich durch technische Berufe genauso wie betriebswirtschaftliche Berufe.
Nervt es eigentlich, wenn bei Ihnen statt auf die Qualifikation erst einmal auf Ihre Geschlechterrolle geschaut wird?
Das ist vielleicht zu Beginn eine besondere Beobachtung, wenn man so einen Schritt wagt und so eine Aufgabe annimmt, aber ich glaube, dass sich das komplett verliert. Irgendwann ist man Mitglied des Teams und der Umgang ist genauso, als wenn man ein männlicher Kollege wäre. Da geht es dann um Ziele, um Inhalte und Aufgaben.
Dennoch: Gestalten Frauen die Führungspositionen anders als ihre männlichen Kollegen?
Ich könnte nicht pauschal sagen, was eine Frau anders macht als ein Mann. Aber ich glaube, dass eine weibliche Komponente in einem Team insgesamt bereichernd wirkt. Frauen gehen an bestimmte Themen vielleicht ein klein wenig anders ran, sind weniger hierarchisch denkend und eher teamorientiert, mehr an der Sache interessiert als an Strukturen.
Warum haben denn Sie sich für die Kreissparkasse Waiblingen entschieden?
Ich habe am Beginn meiner beruflichen Karriere fast fünf Jahre im Süden gearbeitet, bin dann durch die berufliche Situation meines Mannes wieder in den Norden gegangen und wollte immer gerne mal wieder zurück in den Süden. Und als ich mich mit der Region und der Kreissparkasse Waiblingen beschäftigt habe, war ich ganz begeistert, welche Potenziale es hier gibt und habe mich sehr bewusst für dieses Haus entschieden.