Infizierte von Stuttgart-21-Baustelle Probleme mit RKI-Vorgaben für den Corona-Test

Auf der Baustelle für Stuttgart 21 gibt es Coronafälle. Deren Zahl hat sich nach Tests, die die Landeshauptstadt veranlasst hat, deutlich erhöht. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Nach 14 Tagen ohne Symptome müssen Kontaktpersonen zu Covid-19-Erkrankten nicht getestet werden. Die Aktion der Stadt zeigt, dass diese Handlungsempfehlung fatale Auswirkungen haben kann.

Stuttgart - Die Landeshauptstadt hat am Donnerstagabend insgesamt 43 Arbeiter aus zwei Arbeiterwohnheimen, darunter dem in der Neckarstraße 220, in eine der drei städtischen Schutzunterkünfte für Corona-Infizierte gebracht.

 

Die Männer arbeiten als Eisenbieger auf einer der Stuttgart-21-Baustellen der Deutschen Bahn in der Innenstadt und waren bereits seit zwei Wochen mit Kollegen in Quarantäne, weil sie direkten Kontakt zu an Covid-19 Erkrankten hatten. Die beiden Gruppen zeigten aber laut Dr. Florian Hölzl, dem stellvertretenden Leiter des Gesundheitsamtes, keine Symptome. „Ihre Quarantäne sollte daher bis Donnerstag dauern, wir haben aber trotz fehlender Symptome auf Covid-19 getestet, dabei waren 19 Tests positiv“, so Hölzl. Für die symptomfreien und negativ getesteten Männer habe die Isolation geendet.

Vorgaben mit erheblichem Risiko

Der Fall offenbart ein erhebliches Risiko bei den bisherigen Vorgaben für Tests durch das Robert-Koch-Institut (RKI). „Nach den Regeln des Robert-Koch-Instituts hätte nach 14 Tagen ohne Krankheitssymptome kein Test stattfinden müssen“, sagt der städtische Pressesprecher Sven Matis. Die Aufwendungen würden von den Krankenkassen dann auch nicht erstattet. Aus Vorsorgegründen habe man dennoch die Tests veranlasst. 13 Männer seien sicher infiziert, sechs hätten die Infektion entweder schon durchgemacht oder das Ergebnis sei unsicher.

Die Schutzunterkünfte der Stadt sind für Infizierte und für Menschen mit Verdacht auf eine Ansteckung vorgesehen, die in Gemeinschaftsunterkünften wohnen. Den Transport in die Unterkunft hatten Gesundheitsamt, Branddirektion, Polizei, Malteser Hilfsdienst und SSB organisiert.

Bauarbeiter: Schlechte Hygienebedingungen

Bauarbeiter außerhalb der S-21-Baustelle weisen in einem anonymen Schreiben an unsere Zeitung auf schlechte sanitären Verhältnisse hin. In den teils schmutzigen Dixi-Klos und Toilettenhäuschen gebe es nur ein Handwaschbecken, aber keine Möglichkeit zum Händetrocknen oder zum Desinfizieren.

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