Influencer Traumberuf oder beruflicher Albtraum?

Immer mehr junge Menschen träumen davon, als Influencer zu arbeiten. Doch die wenigsten dürften eine genaue Vorstellung von dem Job haben. Foto: imago /YAY Images

Viele junge Menschen wollen Influencer werden – unterschätzen aber die Belastungen des Jobs und bewerten die Chancen, mit dem Traumberuf groß rauszukommen, über, sagt Lotta Wellnitz.

Digital Desk: Lotta Wellnitz (loz)

Instagram & Co. hat die Berufswünsche junger Menschen verändert. Viele träumen davon, als Influencer zu arbeiten. Doch die wenigsten dürften eine genaue Vorstellung von dem Job haben. Viele unterschätzen Aufgaben und Anforderungen – und überbewerten die Chancen, mit dem Traumberuf groß rauszukommen.

 

Ein Influencer verdient in den sozialen Medien mit Werbung Geld und wird zur wandelnden, digitale Werbesäule. Doch in der schönen, heilen Online-Welt ist nicht alles Gold, was glänzt – egal, wie es in den Medien oder von Influencern selbst dargestellt wird. Oft wird suggeriert, ein Arbeitstag sähe wie folgt aus: Schlafen bis zwölf, kurz ins Handy sprechen, ein paar Produkte in die Kamera halten, abends schick essen gehen. Das aber ist nur ein kleiner Teil des Jobs – und nur ein Ausschnitt dessen, was die Follower sehen sollen. Nicht gezeigt wird, wie aufwendig Planung und Produktion von Fotos, Videos und Texten sind, wie verwirrend der bürokratische Aufwand ist und wie zermürbend Verhandlungen mit Werbepartnern sein können.

Nicht zu vergessen ist die psychische Belastung: Täglich gut gelaunt in die Kamera strahlen, 24/7 erreichbar sein, sich bewusst oder unbewusst mit anderen, deren Leben und Erscheinungsbild zu vergleichen, all das kann mental schlauchen. Ganz zu schweigen von Hasskommentaren, denen Influencer im Netz ausgesetzt sind. Einige Beispiele von Influencern, die den sozialen Medien wegen psychischer Erkrankungen den Rücken gekehrt haben, zeigen: Der Job kann junge Menschen kaputt machen.

Auch der Glaube, als Influencer werde man zwangsläufig reich und berühmt, ist ein Trugschluss. Zwar gibt es Leute, die das geschafft haben. Gedauert hat das aber meist viele Jahre. Und verglichen mit Millionen anderen, die das Gleiche tun und weitaus weniger erfolgreich sind, machen die Social-Media-Promis nur einen Bruchteil aus.

Wenn aber die Motivation stimmt, man sich konkrete Berufsvorstellungen macht, die Schattenseiten kennt und zudem einen Plan B hat, kann es einen Versuch wert sein, sich als Influencer auszuprobieren. Vorausgesetzt, man beendet die Schule. Sie abzubrechen – frei nach dem Motto „no risk no fun“ – ist indes einfach nur grob fahrlässig. Denn wird es mit der großen Karriere nichts, ist es mit dem Spaß ganz schnell vorbei.

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