Zuerst verspätet sie sich. Dann die Vorwarnung: Die Zeit der Influencerin ist knapp bemessen. Während des Interviews erhält sie immer wieder Anrufe, unterbricht für einen weiteren Termin. Und doch gibt sich Cathy Hummels offen, spricht über ihre Depression und das Leben an der Seite eines Fußballspielers.
Als Ihr damaliger Freund 2008 zu Borussia Dortmund wechselte, zogen Sie ebenfalls mit ins Ruhrgebiet und studierten an der TU Dortmund Wirtschaftswissenschaften. War das eine schwierige Zeit, so weit von Ihrer Heimat München entfernt?
Es war keine leichte Erfahrung, aber eine prägende Zeit. Ich habe dadurch gelernt, was ich brauche, um glücklich zu sein und zu bleiben. Ich musste aber auch lernen, was ich brauche, um mich selbst stabil, angekommen und vor allem gesund zu fühlen.
So haben Sie sich damals in dem Umfeld also nicht gefühlt?
Nein. Ich brauche meine Familie um mich, um gesund zu sein. Die waren mir damals zu weit weg. Es ist zwar schön, ein anderes Leben zu führen und mit dem Mann mitzugehen, aber jetzt mit meinem Sohn merke ich auch, dass ich will, dass mein Sohn mit dem familiären Umfeld aufwächst.
Zu Ihrer Schwester besteht eine enge Beziehung. Im Juli waren sie gemeinsam im „Playboy“ zu sehen. Wie war es für Sie, solche intimen Bilder gemeinsam aufzunehmen?
Wunderschön. Meine Schwester ist alleinerziehend mit zwei Kindern, hat zusätzlich mit vielen privaten Dingen zu kämpfen. Und dennoch steht sie auch immer wieder auf. Aber aktuell hatte sie kein Selbstbewusstsein mehr, das hat mich einfach geärgert. Darum habe ich entschieden, mich gemeinsam mit meiner Schwester im „Playboy“ zu zeigen. Es tat ihr unfassbar gut, auf einem Foto zu sehen, wie schön sie ist. Letztlich haben wir die gemeinsame Zeit genossen und entstanden ist die bisher bestverkaufte Ausgabe des „Playboy“ in diesem Jahr.
Im „Playboy“ haben Sie die Zufriedenheit mit den Bildern betont. War das auch ein Befreiungsschlag?
Nein, kein Befreiungsschlag. Ich habe gefühlt, dass ich meinen Körper so annehme wie schon lange nicht mehr oder vielleicht sogar noch nie in meinem Leben. Ich wurde ganz oft bodygeshamt (abgewertet für den eigenen Körper, Anm. d. Red.). Das ist nicht in Ordnung. Wichtig ist, dass man sich wohlfühlt und gesund ist – eine Figur, egal wie sie ist, tut niemandem weh.
Rührte die Unsicherheit mit Ihrem Körper daher, dass es zu viele negative Rückmeldungen zu Ihrem Körper gab?
Nein, die bekomme ich trotzdem noch. Die Unsicherheit ruhte in mir drin; wenn man sich sicher ist, ist es egal, was andere sagen. Für mich stand fest, nicht schön zu sein und meinen Körper nicht schön zu finden. Ich bin jetzt 35 Jahre alt und es ist toll, dass ich endlich so ein Selbstvertrauen habe. Andere Frauen und Mädchen entwickeln das sehr früh, aber ich bin eine Selbstzweiflerin.
Wie konnten Sie das ändern?
Das war ein Prozess, in dem ich mir viele Gedanken gemacht habe, nachdem ich schon einige Krankheiten in meinem Leben hatte. Und ich bin dankbar dafür, dass mein Körper so gesund ist. Auch nach der Scheidung ging es mir seelisch und geistig eigentlich gut, ich habe das sehr gut weggesteckt. Aber so eine Erfahrung hinterlässt Spuren, mein Körper hat enorm gelitten. Ich habe gelernt, dass es wichtig ist, auf den Körper genauso wie auf die Seele aufzupassen.
Das stand auch in Zusammenhang mit Ihrer Depression. Wann haben Sie gemerkt, dass Sie depressiv sind?
Mit 15 habe ich zum ersten Mal etwas davon gemerkt. Aber bei mir ist es so, dass ich keinen Appetit verspüre, wenn ich sehr traurig und depressiv bin – dann nehme ich stark ab. Das Gewicht ist bei mir immer eine Folge der Ursache. Ich bin ein sehr sensibler, feinfühliger Mensch und nehme mir Dinge zu sehr zu Herzen.
Nachdem Sie im vergangenen Jahr einen Beitrag auf Instagram geteilt hatten, in dem Sie für einen Luxusurlaub gegen Depressionen geworben haben, hat die Deutsche Depressionsliga Ihnen vorgeworfen, dass Sie die Krankheit für Werbezwecke missbrauchen. Können Sie die Kritik nachvollziehen?
Ich würde sagen, ich habe verstanden, was man daran fehlinterpretieren kann. Aber die Art und Weise, wie mit mir umgegangen wurde, sehe ich kritisch. Meiner Meinung nach war das zum Teil Hetze und ist leider dem Internet geschuldet. Da werden Behauptungen in den Raum gestellt, die einfach nicht stimmen. Jeder, der mich kennt und verfolgt, weiß, dass ich sehr krank war und es ein Wunder ist, dass ich heute noch da bin. Nur weil man nicht depressiv aussieht oder gewisse Dinge anders handhabt, gibt es Menschen noch lange kein Recht, einen dermaßen durch den Dreck zu ziehen.
Gibt es inzwischen mehr Aufmerksamkeit für Krankheiten, die damals wenig Beachtung gefunden haben?
Ja, aber man muss auch tolerieren, dass jeder Mensch mit einer Krankheit anders umgeht. Wenn man gern Schmuck oder bunte Kleidung trägt und es dadurch für einen selbst besser wird, dann ist das absolut in Ordnung. Wichtig ist, dass man niemandem wehtut. Und wenn ich mit meiner Art und Weise, wie ich mit Depressionen umgehe, auch nur einem einzigen Menschen das Leben rette, dann ist das doch wunderschön.
Auch Social Media erzeugt Druck. Sie müssen sich dort ungefiltert mit Hatespeech auseinandersetzen . . .
Eigentlich mag ich Social Media wie zum Beispiel Instagram total gerne. Aber ich werde immer fassungsloser, was da passiert – wie viel Hetze, Häme und auch Verleumdungen stattfinden. Ich muss ganz ehrlich sagen, manchmal überlege ich mir tatsächlich, wie das in zehn Jahren bei mir aussieht. Aktuell macht es mir Spaß, ich habe wichtige Projekte, die ich teilen kann. Ich genieße diese sehr große Reichweite. Aber das kann man tatsächlich alles nur als seelisch gesunder und stabiler Mensch mitmachen. Was mir da teilweise geschrieben wird, muss man erst einmal aushalten können.
Auch als Spielerfrau waren Sie Zielscheibe von viel Hetze. Das Label ist inzwischen umstritten. Was hat es damals mit Ihnen gemacht?
Das war Teil meines Lebens und ich bin gemeinsam mit Mats gewachsen. Wir sind gemeinsam bekannt geworden, ich war die Frau an seiner Seite. Der Begriff der Spielerfrau hat gar nichts mit mir gemacht, zugesetzt hat mir die Degradierung der Gesellschaft. Dass ich keinen Namen hatte; ich war immer nur „die von . . .“, wurde dafür ausgenutzt, dass Menschen an Mats rankommen. Ich wurde nicht ernst genommen und nicht mit Respekt behandelt.
Fühlen Sie sich inzwischen als Unternehmerin ernst genommen?
Ich fühle mich respektiert und glaube, ich gehe einen sehr guten Weg. Ich weiß, was ich kann, und liebe es, kreativ zu sein. Ich merke aber auch, dass ich gar nicht unbedingt immer vor der Kamera stehen muss. Ich lerne mich gerade noch mal viel besser kennen, weil ich einen ganz anderen Ausgangspunkt habe.
Außerdem sind Sie auf Partnersuche. Wonach suchen Sie?
Ich suche nicht proaktiv, sondern hätte einfach wieder Lust, auf Dates zu gehen. Aber das fällt mir schwer, weil ich überhaupt keine Erfahrung habe. Ich bin eine richtige Null darin und merke es oft gar nicht, wenn ich angeflirtet werde. Dann sagen meine Freundinnen mir, dass jemand mich die ganze Zeit anschaut und mit mir reden möchte – und ich bin ganz irritiert und weiß nicht, wen sie überhaupt meinen. Das Offensichtliche nehme ich oft gar nicht wahr, weil ich es nicht gewohnt bin. Ich muss mich da wohl ein bisschen reinfuchsen.
Zur Person
Leben
Cathy Hummels wurde als Catherine Fischer in Dachau geboren. 2007 wird sie zur „Miss FC Bayern“ gekürt, lernt ihren späteren Ehemann Mats Hummels kennen und zieht 2008 mit ihm nach Dortmund. 2013 unternimmt sie die ersten Schritte in der Medienwelt, wird Kolumnistin und moderiert verschiedene Sendungen. 2015 heiraten Mats und Cathy Hummels, zwei Jahre später wird Sohn Ludwig geboren. Das Paar lässt sich 2022 scheiden. Hummels ist Unternehmerin, Moderatorin und Influencerin mit über 700 000 Followern auf Instagram.