Infoabend zur Windkraft in Herrenberg Wo, wie viele, wie hoch – und wer baut?

Die Stadt Herrenberg informiert über einen möglichen Windpark auf ihrer Gemarkung. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Die Stadt Herrenberg lädt am Donnerstag in die Stadthalle zu einem Infoabend ein. Dort geben Vertreter verschiedener Gruppen Antwort.

Böblingen: Anke Kumbier (ank)

Die Stadt Herrenberg holt beim Thema Windkraft die Bürgerinnen und Bürger ins Boot. Mit der Energiegenossenschaft Prokon hat sie einen potenziellen Windparkprojektierer gefunden, nun gibt es am Donnerstag, 25. Juli, um 18 Uhr, in der Stadthalle einen Infoabend. Susanne Schreiber, Herrenbergs Baubürgermeisterin, erklärt, warum die Bürgerschaft nicht schon früher intensiver beteiligt wurde. „Wir haben andere Prozesse genau beäugt und festgestellt, dass die Bürgerinnen und Bürger sehr detaillierte Fragen stellen, die eigentlich nur ein Projektierer beantworten kann.“

 

Deshalb sind Mitarbeiter von Prokon am Donnerstagabend dabei, aber auch Vertreter des Verbands Region Stuttgart, vom Nabu, vom Landratsamt als Genehmigungsbehörde, von der Stadt und der Bürgerinitiative Freie Horizonte, die gegen Windkraft ist. Das Forum Energiedialog moderiert.

Wie der grobe Zeitplan aussieht

Aktuell plant Prokon sieben Windräder im Spitalwald auf einer Fläche, die der Stadt gehört. Die Entscheidung, ob die Stadt tatsächlich an Prokon verpachtet, muss der Gemeinderat noch treffen.

Bekommt Prokon die Fläche, dann müssen zunächst Gutachten – beispielsweise hydrologische Gutachten, Natur- und Artenschutzgutachten, Schall- und Immissionsgutachten – erstellt werden, skizziert Anne Zahn, persönliche Referentin der Baubürgermeisterin, den weiteren Zeitplan. Danach folgt der Genehmigungsantrag bei der Zulassungsbehörde.

Zahn geht davon aus, dass Prokon frühestens 2028 mit dem Bau von Windrädern beginnen könnte. Zur konkreten Höhe möglicher Pachteinnahmen äußert sich die Stadt nicht. Nur so viel: Es handelt sich vermutlich um einen niedrigen sechsstelligen Betrag im Jahr, sagt Oberbürgermeister Nico Reith. Außerdem sieht das Erneuerbare-Energien-Gesetz vor, dass Windparkbetreiber Kommunen im Umkreis von zweieinhalb Kilometern um den Windpark mit bis zu 0,2 Cent pro eingespeister Kilowattstunde beteiligen.

Interesse an Windkraft scheint groß zu sein

Grundsätzlich scheint das Interesse am westlichen Rand der Herrenberger Gemarkung Windräder zu errichten, nicht nur bei Prokon vorhanden zu sein. Ein weiterer Investor sei direkt auf die Eigentümer der Felder vor dem Spitalwald zugegangen, berichtet Schreiber. Er habe seine Bestrebungen aber wieder zurückgefahren. Denn bis spätestens September 2025 muss der Verband Region Stuttgart (VRS) die Vorranggebiete für Windkraft ausweisen. Danach sei es de facto kaum mehr möglich, für Flächen, die nicht zu den Vorranggebieten zählen– und das wäre bei besagten Feldern größtenteils der Fall – eine Genehmigung zu bekommen, sagt Zahn. Vorausgesetzt, das sogenannte Flächenziel des Landes wird erreicht.

Denn: Das Land Baden-Württemberg gibt vor, dass der VRS 1,8 Prozent seiner Fläche als Vorranggebiete für Windkraft ausweist. Wird dieses Ziel nicht erreicht, greift die Superprivilegierung, das heißt: Windräder dürfen überall hingestellt werden, wo sie nicht ausdrücklich verboten sind.

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