Informatik Mit neuem Fach fit für die Digitalisierung

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Mit einem neuen Schwerpunktfach will das Kultusministerium Schülern Lust auf Naturwissenschaft und Technik machen. Doch Eltern versprechen sich nicht viel vom Profilfach Informatik, Mathematik, Physik.

Die Schüler sollen auch tiefere Einblicke in die Physik bekommen – etwa in die Quantenoptik. Foto: lightpoet/Adobe Stock
Die Schüler sollen auch tiefere Einblicke in die Physik bekommen – etwa in die Quantenoptik. Foto: lightpoet/Adobe Stock

Stuttgart - Informatik, Mathematik, Physik (IMP) heißt das neue Profilfach, das nach den Sommerferien an 56 allgemeinbildenden Gymnasien eingeführt wird. Mathematik und Physik gibt es nach wie vor, in dem neuen Fach sollen sich Schüler von Klasse acht bis zehn vertieft mit den Inhalten von Informatik, Mathematik und Physik auseinandersetzen, heißt es aus dem Kultusministerium.

In dem Profilfach geht es um die Verzahnung der drei Fächer. Zum Beispiel bei einer Simulation einer Mondlandung, wie das Ministerium erklärt: Die Physik liefert die zugrunde liegenden Naturgesetze, die Mathematik das iterative Verfahren, und in der Informatik wird die Simulation auf dieser Basis realisiert. Jeweils vier Wochenstunden sind in den drei Klassenstufen für IMP reserviert. Das Profilfach beginnt in Klasse acht.

Jedes fünfte Gymnasium dabei

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) erklärt: „Jedes fünfte Gymnasium in Baden-Württemberg startet im kommenden Schuljahr mit dem neuen Profilfach. Damit stärken wir die allgemeinbildenden Gymnasien in den Naturwissenschaften und bereiten die Schülerinnen und Schüler noch deutlicher auf die Herausforderungen einer digitalen Gesellschaft vor.“

Die Landesregierung setze einen bildungspolitischen Schwerpunkt auf die Förderung der Mint-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik), um den Bedarf an Fachkräften sicherzustellen. Eisenmann betonte: „Das neue Fach soll eine auf die Mint-Fächer ausgerichtete Berufs- oder Studienwahl der Abiturientinnen und Abiturienten klar unterstützen“. Mit IMP „tragen wir maßgeblich zur Zukunftsfähigkeit des Industriestandorts Baden-Württemberg bei.“

Eltern sprechen von Nebelkerzen

Eltern reagieren reserviert bis erbost auf das Angebot. „Das bringt nichts, das ist nur eine unbedeutende Veränderung“, sagt Stefan Ertle, Vater von drei Gymnasiasten. Grundsätzlich müsse mehr Geld ins Bildungssystem gesteckt werden. Von „Nebelkerzen“ spricht Michael Mattig-Gerlach, dessen Sohn jetzt in die zehnte Klasse kommt. Er würde sich wünschen, „dass die Kultusministerin nicht jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf treibt, sondern sich um das größte Problem kümmert, und das ist die Unterrichtsversorgung“. Das neue Fach, meint der Stuttgarter, der auch in der Arbeitsgemeinschaft der Gymnasialeltern sitzt, sei nur etwas für große Schulen. „Wie viele Informatiklehrer hat sie denn?“, fragt er an die Adresse von Eisenmann.

Kooperationen möglich

Tatsächlich müssen Schulen, die das Profilfach einführen wollen, laut Kultusministerium zwei Voraussetzungen erfüllen: Sie müssen für das Fach dauerhaft zwölf Schüler erreichen, und es muss an der Schule genügend Pädagogen mit den Fachanteilen Informatik, Mathematik und Physik geben. Vor allem an den Lehrern hapert es an zehn weiteren Gymnasien, die sich für das Profilfach interessierten. Sie docken sich in einem Kooperationsmodell an die neuen Profilschulen an. In Stuttgart starten zum Beispiel das Königin-Katharina-Stift und das Eschbach-Gymnasium in Freiberg als Profilschulen. Kooperationsschulen sind das Gottlieb-Daimler-, das Wirtemberg- und das Neue Gymnasium.

Zusatzqualifikation für künftige Informatiklehrer

Besonders knapp sind Informatiklehrer. Sie werden nicht nur für das Profilfach IMP gebraucht, sondern auch für das Wahlfach Informatik, das im Schuljahr 2019/20 an den achten Klassen der Haupt-/Werkreal- und Realschulen eingeführt werden soll. Um mehr Lehrer fachlich zu qualifizieren, bietet die Universität Konstanz vom kommenden Schuljahr an Lehrern aller Schularten ein einjähriges berufsbegleitendes Kontaktstudium an. Es gibt 190 Plätze. Das Studium besteht laut Kultusministerium aus einer Kombination von Präsenzveranstaltungen und E-Learning. außerdem soll es regionale Fortbildungen geben.

Die Landesregierung hat im November 2017 den Ausbau des Informatikunterrichts an weiterführenden Schulen beschlossen. Der Aufbaukurs Informatik begann im abgelaufenen Schuljahr in den siebten Klassen der Gymnasien, er soll im Herbst an allen Schularten angeboten werden. Um das Profilfach IMP können sich vom Schuljahr 2019/20 an auch Gemeinschaftsschulen bewerben. In der Kursstufe der Gymnasien gibt es den Schulversuch „Informatik vierstündig“.