Informationen zum Nahverkehr der Zukunft Neue Linien und mehr Züge für die Fildern

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Stadt, SSB und VVS informieren die Bezirksbeiräte aus Birkach, Degerloch, Möhringen, Plieningen, Sillenbuch und Vaihingen über den aktuellen Stand des Nahverkehrsentwicklungsplans.

Im Nahverkehrsentwicklungsplan sollen Verbesserungen für Bus und Bahn aufgenommen werden. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Im Nahverkehrsentwicklungsplan sollen Verbesserungen für Bus und Bahn aufgenommen werden. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Filder - Wie sich Bus und Bahn in Stuttgart in den nächsten Jahren entwickeln sollen, steht bereits im Nahverkehrsplan (NVP) geschrieben. Um über den Tellerrand des darin festgelegten Fünfjahreszeitraums hinauszublicken, arbeiten die Stadtverwaltung, der Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) und die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) an einem Nahverkehrsentwicklungsplan (NVEP). „Wir stellen uns die Frage, wo es langfristig hingeht mit dem Nahverkehr in Stuttgart, wo es klemmt und wo man etwas verbessern kann“, erläuterte Ulrich Steimer, der Leiter der Abteilung Verkehrsausbau und Investitionen, am Donnerstagabend. Zusammen mit Thomas Knöller von der SSB und Roland Krause vom VVS war Steimer ins Möhringer Bürgerhaus gekommen, um in einer gemeinsamen Sitzung den Bezirksbeiräten aus Birkach, Degerloch, Möhringen, Plieningen, Sillenbuch und Vaihingen den aktuellen Stand des NVEP vorzustellen.

Im Nahverkehrsentwicklungsplan werden alle Impulse für den Nahverkehr gebündelt. „Der NVEP ist nicht verbindlich. Er erlaubt, visionär aktiv zu sein“, erläuterte Knöller. Der Entwicklungsplan baut auf das 2014 gefasste städtische Verkehrsentwicklungskonzept 2030 auf, das Handlungsempfehlungen für alle Verkehrsbereiche umfasst, sowie auf den Aktionsplan „Nachhaltig mobil in Stuttgart“. Der NVEP bezieht alle Verkehrsarten mit ein, legt den Fokus aber auf den ÖPNV.

Die Linien U 8 und U 1 sollen mehr Fahrgäste fassen

Dabei werden unter anderem strukturelle Veränderungen wie die Siedlungsentwicklung, Stuttgart 21 und Klimaschutzziele einbezogen. Auch das Carsharing, also das gemeinschaftliche Nutzen von Fahrzeugen, spielt für den ÖPNV der Zukunft eine Rolle. Der erwarteten höheren Nachfrage insbesondere im Bereich Regionalzug- und Stadtbahnverkehr möchte der VVS mit der Verlängerung von Zügen, zusätzlichen Fahrten und neuen Linien begegnen. „In der Hauptverkehrszeit könnte die Linie U 8 mit zusätzlichen Zügen verstärkt werden“, sagte Knöller. Die U 1 soll mit 80-Meter-Zügen mehr Fahrgäste aufnehmen. Eine neue Stadtbahnlinie U 5b etwa könnte Plieningen mit der Innenstadt verbinden. Die Busverbindungen könnten je nach Auswirkung der Stadtbahnmaßnahmen ausgebaut werden. Zudem wird geprüft, welche Rolle die Gäubahn zur Entlastung des Talkessels leisten kann. Die erst kürzlich von den Grünen ins Spiel gebrachte Seilbahn durch Vaihingen soll ebenfalls in die Überlegungen miteinbezogen werden.

Für die Filderbezirke spielen insbesondere folgende Themen eine Rolle: die Gäubahn und der Regionalbahnhalt Vaihingen, eine Modernisierung der Zahnradbahn, eine Verdichtung der Linie U 8, die neue Linie U 5b, eine Stadtbahnverlängerung von Plieningen über Birkach zum Asemwald sowie nach Lauchhau und Büsnau, eine Beschleunigung der Buslinie 65, eine Ausweitung des Nachtverkehrs sowie Standorte für Carsharing und Leihfahrräder.

Nächsten März soll der NVEP beschlossen werden

Die versammelten Bezirksbeiräte kritisierten die teils schlechten Verbindungen der Stuttgarter Randbezirke ins Umland und zum Flughafen, die Einteilung der Tarifzonen ebenso wie die Preise für den ÖPNV sowie die Umsteige-Zeiten und -Wege von Bus auf Bahn. Durch die neue Downhill-Strecke sei die Zahnradbahn mit Fahrrädern überlastet. „Wir würden uns freuen, wenn es keine Sperrzeiten für die Mitnahme von Fahrrädern in der Stadtbahn gäbe und eine Mitnahme in Bussen möglich wäre“, sagte Gerhard Hütter von SÖS-Linke-Plus in Plieningen. Aufgrund der aktuellen Kapazitätsengpässe könne man eine generelle Fahrradmitnahme nicht realisieren, eine testweise Einführung lehnte Knöller ebenfalls ab. Die Anbindung etwa von der Uni Hohenheim ins Umland habe man dagegen „auf dem Schirm“, versicherte Knöller.

„Wie ist der Synergiepark mit den geplanten 8000 zusätzlichen Arbeitsplätzen in den Nahverkehrsentwicklungsplan eingebunden?“, wollte Fred Wagner von der Möhringer CDU wissen. „Diese Entwicklung müssen wir berücksichtigen, gar keine Frage“, sagte Knöller. In den aktuellen Berechnungen allerdings seien die 8000 zusätzlichen Mitarbeiter nicht inbegriffen. Die Bezirksbeiräte forderten zudem mehr Initiative in Sachen Firmentickets. Damit sollen mehr Menschen von der Straße auf die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen. Gerade im von Stau geplagten Synergiepark seien Firmentickets „notwendig, um die Attraktivität des ÖPNV zu steigern“, sagte Rüdiger Reinboth von den Grünen in Möhringen. „Es laufen bereits Gespräche mit den Firmen“, versicherte Knöller.

Für die Bezirksbeiräte war die Veranstaltung lediglich eine Information, Beschlüsse werden in den nächsten Sitzungen der einzelnen Gremien gefasst. „Im nächsten März wollen wir den Nahverkehrsentwicklungsplan im Gemeinderat beschließen“, sagte Ulrich Steimer von der Stadt.

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