In welchen Branchen sieht es gut für Frauen aus? Unternehmen, Behörden und Bildungsträger aus der Region Stuttgart zeigen Möglichkeiten auf.

Ludwigsburg: Susanne Mathes (mat)

Daniela Joha, Operativ-Geschäftsführerin bei der Ludwigsburger Agentur für Arbeit, ist ins Grübeln gekommen, als sie den motivationsstrotzenden Impulsvortrag der Duale-Hochschule-Präsidentin Martina Klärle mit dem Titel „Frauen gesucht als: Professorin, Ingenieurin, Weltretterin“ gehört hat. „Ich bin sehr zufrieden mit meinem Weg“, sagt Joha, „aber ich frage mich: Warum bin ich eigentlich in kein Mint-Fach gegangen?“ Die Noten hätten gestimmt, erklärt sie. „Nur eine meiner Mitschülerinnen ist diesen Weg gegangen und hat Mikrosystemtechnik studiert. Wir haben es alle zur Kenntnis genommen. Und fanden es sehr komisch.“ Deshalb rät Joha beim Info- und Beratungstag, der im Rahmen der Frauen-Infotage unter Schirmherrschaft der Stadt Marbach stattfindet: „Hinterfragen Sie Ihre Berufsbilder. Sie müssen nicht oder nicht mehr stimmen. Und: Der Arbeitsmarkt sieht toll aus, und Ein- und Umstieg werden Frauen heute leichter gemacht als je zuvor.“

 

Berufe in Naturwissenschaft und Technik stehen im Vordergrund am Mittwoch auf der Schillerhöhe, an dem das grandiose frühsommerliche Wetter den Veranstalterinnen – Karin Lindenberger, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt bei der Agentur für Arbeit in Ludwigsburg, Cynthia Schönau, Gleichstellungsbeauftragte beim Landratsamt, und Daniela König, Leiterin des Regionalbüros für berufliche Fortbildung Ludwigsburg, Rems-Murr-Kreis und Stuttgart – aber ausnahmsweise kein Freudestrahlen ins Gesicht zaubert. Denn das Wetter konkurriert stark mit der Veranstaltung. Und möglicherweise hält auch die nicht so umstandslos wie das Ludwigsburger Kulturzentrum zu erreichende Örtlichkeit mögliche Interessentinnen ab. Viele Stände, die Unternehmen, Bildungsträger und Schulen aufgebaut haben, könnten deutlich mehr Besucherinnen vertragen. Dass sich die Stadt Marbach bei der Idee, den Präsenztag der Frauen-Infotage jährlich in einer anderen Kommune anzubieten, pionierhaft als Ausrichterin angeboten habe, sei jedenfalls klasse, freuen sich die Veranstalterinnen.

Frauen sollen alle Optionen prüfen

Bei Stefani Franz, Berufsberaterin im Erwerbsleben bei der Arbeitsagentur, haben sich schon eine Ernährungswissenschaftlerin und eine Architektin nach Wiedereinstiegsmöglichkeiten nach der Erziehungszeit erkundigt, überdies eine Informationstechnikerin. Sie könne nur jeder Frau raten, alle Optionen zu prüfen, sagt Franz: „Gerade Akademikerinnen haben so viel in ihre Berufslaufbahn investiert, es ist wichtig, dass sie sich sagen: Ich kann und will zurück.“

Über den Berufsstart informiert Sandra Zeiher, Ausbildungsleiterin beim Marbacher Spannmittel-Unternehmen Hainbuch, das derzeit 45 Auszubildende hat. Man müsse mittlerweile intensiv um Azubis werben, weiß sie – Hainbuch macht das über Social Media, Kooperationen, Info-Stände und veranstaltet sogar eigene Info-Abende für Eltern an Schulen. „Viele kommen auch über Praktika zu uns“, sagt sie. Gerade jüngst habe sich ein Schüler so patent angestellt, dass man mit ihm schon einen Ausbildungsvertrag für Sommer 2024 geschlossen habe. „Nicht dass er noch auf die Idee kommt, sich woanders zu bewerben“, so Zeiher mit einem Lachen. „Es ist abwechslungsreich: Man hat das Handwerk, aber auch das Programmieren. Es gibt immer was Neues“, bricht der angehende Hainbuch-Industriemechaniker Aron Hertfelder eine Lanze für sein Metier.

Vermittlungsquote bei über 90 Prozent

Auf eine niederschwellige Fortbildungsart weist Gerhard Veyhle von der Bildungsakademie Restart in Tamm hin. Spezialisiert ist Restart auf den Bereich Kfz, „die Ausbildungszeit dauert elfeinhalb Monate, die Vermittlungsquote liegt bei über 90 Prozent, weil Handel und Gewerbe einfach ausgeblutet sind“, sagt Veyhle. Zwar würden meist Männer auf das Angebot zurückgreifen, „aber die wenigen Frauen, die zu uns kommen, sind immer die Besten“. Und das Kfz-Gewerbe biete auch Tätigkeiten, die nicht so kräftezehrend, sondern eher ästhetisch ausgerichtet seien – das Thema Folierung etwa.

Karlin Stark, Chefin des Gesundheitsamtes und in Vertretung des Landrats da, sagt: „Es ist richtig und wichtig, Rollenklischees zu überwinden.“ Sie selbst habe das als Vollzeit arbeitende Mutter dreier Kinder auch getan. „Streben Sie technische Berufe an, streben Sie Führungspositionen an und übernehmen Sie sie!“