Initiative des Präventionsbeauftragten in Böblingen Jugendliche drehen einen „Anti-Corona-Film“

Das funktioniert trotz Corona – mit der Freundin quatschen, wie die 15-Jährige Helen Raschke (rechts) aus dem Film, den der Landkreis   produziert hat. Foto: Film/Landratsamt
Das funktioniert trotz Corona – mit der Freundin quatschen, wie die 15-Jährige Helen Raschke (rechts) aus dem Film, den der Landkreis produziert hat. Foto: Film/Landratsamt

Was geht für Jugendliche trotz der Pandemie? Wie zeigt man Respekt? Zu diesen Fragen hat der Präventionsbeauftragte des Kreises Böblingen mit Schülern der Realschule Gärtringen einen Mut machenden Film zum Thema Corona gedreht.

Böblingen: Carola Stadtmüller (cas)

Gärtringen - In einem Video der Bundesregierung, wird ein alter Herrn gezeigt, der sich als Corona-Held feiert, weil er im Jahr 2020 ein Couch-Potato war. Im „Wellenbrecher“-Film des Landes fällt das Schlaglicht auf Jugendliche, die Maske tragen – und darunter sehr erst gucken, was zwar der Ästhetik nicht schadet, aber auch nicht wirklich ansprechend ist.

Daran wollte Jörg Litzenburger anknüpfen. Der Präventionsbeauftragte des Landkreises Böblingen hat mit Jugendlichen der Schülermitverantwortung der Realschule Gärtringen einen ganz anderen „Anti-Corona-Film“ gedreht, nämlich einen positiven, einen, der sagt, was alles trotz Corona möglich ist: Mopedfahren, Musik hören, mit Freundinnen quatschen, auf der Skateranlage herumfahren.

Der Film gehört zur Offensive Sicherer Landkreis

Natürlich tragen auch diese Jugendlichen Maske, und das sagen sie auch laut in die Kamera. Wie die 15-Jährige Helen Raschke: „Ich sehe mich schon als Botschafterin, ich trage die Maske und zeige das auch.“ Trotz oder auch mit Corona könne sie zum Beispiel ihrem Hobby nachgehen – dem Reiten. Und sie telefoniere viel mit ihren Freundinnen, das sei zwar nicht ganz so schön wie „live“ zu quatschen, aber besser als nichts. Das Projekt gehört zu einer Offensive des Vereins Sicherer Landkreis, zu dem fast alle Kommunen im Kreis Böblingen gehören. Im Herbst hatten die Verantwortlichen sich überlegt, wie sie von der „Struktur zur Kultur“ kommen könnten, so erklärt es Jörg Litzenburger, der als einer der beiden Geschäftsführer fungiert. Der andere ist Ralf Single von der Polizei. „Wir sind immer wieder bei einem Begriff gelandet“, sagt Litzenburger. Der lautet „Respect!“, bewusst englisch geschrieben.

Dann kam Corona – und vor vielen guten Ideen konnte zunächst nur eine umgesetzt werden: eine Plakataktion nämlich. „Verhalte Doch so, wie Du es selbst von anderen erwartest“ war darauf zu lesen und etwas später dann „Vielen Dank, dass Sie sich weiterhin an die Regeln halten.“

Eine Umfrage unter Jugendlichen erntete 1300 Rückmeldungen

Dann kam die Stuttgarter Krawallnacht vom 21. auf den 22. Juni. Davon war auch Jörg Litzenburger beeindruckt, „obwohl ich so was geahnt habe nach diesem Frühjahr“, sagt er. Der Druck sei immens gewesen für die jungen Leute, das habe sich leider auf diese Weise entladen. Eine zweite Idee wurde umgesetzt: Statt über die Jugendlichen zu reden, wurden sie direkt gefragt. Über den Verein und wieder unter der Überschrift „Respect!“ wurden Fragebögen an alle Schüler der Berufsschulen im Kreis geschickt: Was bedeutet Respekt für Dich? Der Rücklauf war gigantisch: insgesamt 1300 Fragebögen werden gerade ausgewertet.

Eine weitere Idee wartet auf ihre Umsetzung. „Wir wollen junge Menschen mit dem Potenzial zum Anführer coachen“, erläutert Litzenburger. Damit sind durchaus die Lautsprecher einer Gruppe gemeint, positiv wie negativ. Die sollten in Rollenspielen, Coachings und Trainings zu Sprachrohren und Vorbildern werden. Zunächst aber sollen weiter die die Wellenbrecher wirken: auf Instagram, Facebook und Youtube soll das Video geteilt werden, bis die Smartphones glühen. Klar sei: Corona nerve und müsse weg. „Je mehr Menschen sich so gut es geht an die Regeln halten, desto eher haben wir unseren Alltag zurück. Und das ist für mich die größte Motivation“, sagt Helen Raschke.




Unsere Empfehlung für Sie