Initiative für mehr Bildungsgerechtigkeit Erstes Stuttgarter Lernmobil macht sich auf den Weg

Schulbürgermeisterin Isabel Fezer und das neue Lernmobil. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Schulbürgermeisterin Isabel Fezer und das neue Lernmobil. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

„Bildung nimmt Fahrt auf“ lautet das Motto des ersten Stuttgarter Lernmobils, das künftig in fünf Stuttgarter Geflüchteten- und Sozialunterkünften einen ruhigen Lernort mit pädagogischer Betreuung bietet.

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Stuttgart - Dass die Jungfernfahrt des Stuttgarter Lernmobils von Nieselregen begleitet wird, ist laut Wilfried Porth, Vorstand für Personal und Arbeitsdirektor der Daimler AG, ein gutes Zeichen: „Wenn bei der Hochzeit das Brautkleid nass wird, wird die Braut reich“ – dementsprechend kann hoffentlich auch das von der Daimler AG finanzierte Fahrzeug die Kinder und Jugendlichen mit reichlich Bildung beschenken.

Erfolg durch gute Zusammenarbeit

Als gemeinschaftliches Projekt der Abteilung Stuttgarter Bildungspartnerschaft und der Stadtbibliothek Stuttgart soll das Lernmobil für mehr Bildungsgerechtigkeit sorgen. Speziell bei Kindern und Jugendlichen, die in Unterkünften für Geflüchtete oder in beengten Wohnungen leben, die nicht gerade förderlich für das Lernen sind. „Die Pandemie hat wie ein Brennglas gewirkt, man hat viel genauer hingeschaut“, sagt Schulbürgermeisterin Isabel Fezer. Wo es möglich war, wurden bereits Lernräume eingerichtet, doch in vielen Unterkünften ist dafür einfach nicht genug Platz. Hier kommt die mobile Lösung zum Einsatz und bietet mit Notebooks, Internetzugang, Arbeitsmaterialien und Lernsoftware das volle Programm. „Das Angebot ist niederschwellig, bietet einen direkten Zugang und durch die Regelmäßigkeit einen festen Anker im Alltag der Schüler“, freut sich Fezer.

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Die Stadtbibliothek übernimmt die Trägerschaft des Lernmobils und baut damit auf einer alten Erfolgsgeschichte auf: Bereits in den 90er Jahren wurden hier die Bücherbusse „Max & Moriz“ erfunden, die die Bücherei mobilmachen. Inzwischen haben sich Bibliotheken in ganz Deutschland das Modell abgeschaut. „Das soll auch das Lernmobil erreichen“, wünscht sich Katinka Emminger, Direktorin der Stadtbibliothek. Außerdem schafft man so auch Vernetzungen mit dem Angebot der Stadtteilbibliotheken. Wenn das Lernmobil mal nicht da ist, sollen die Kinder und Jugendlichen dort einen ruhigen Ort und Unterstützung beim Lernen finden. „Es werden auch immer wieder Kollegen aus den Stadtteilbibliotheken vor Ort sein, um die Wege zu ebnen“, versichert Emminger.

Pädagogische Betreuung für mindestens zwei Jahre

Immer im Lernmobil dabei ist Alexandra Haas, sie übernimmt nicht nur die pädagogische Betreuung, sondern muss „das Biest auch fahren können“, wie Isabel Fezer mit Blick auf den silbernen Kastenwagen feststellt. Zumindest für erstere Aufgabe ist sie bestens gewappnet. Die studierte Waldorfpädagogin und Philosophin hat sich viel mit Bildungsgerechtigkeit beschäftigt und ist überzeugt: „Ich habe für den Job den richtigen pädagogischen und auch idealistischen Hintergrund.“ Nach einem festen Wochenplan fährt sie jeden Tag eine andere Unterkunft an. So haben die Schülerinnen und Schüler eine feste Anlaufstelle, drei bis vier Stunden steht das Lernmobil dann am Nachmittag bereit.

Als Pilotprojekt besucht der silberne Bus die Unterkünfte nun erst einmal für zwei Jahre, doch die Pläne sind weiter gefasst. „Das Konzept soll Schule machen im doppelten Sinne: Wörtlich für die Kinder vor Ort aber auch als Vorbild für weitere Lernmobile in der Stadt und darüber hinaus“, wünscht sich die Bürgerstiftung Stuttgart. Diese steuert ein Set an Outdoor-Möbeln bei, mit denen die Kapazität des Lernmobils bei gutem Wetter noch einmal erweitert werden kann.




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