Initiative in Fellbach Alt und Jung arbeiten bei Verschönerung zusammen

Von Claudia Bell 

Anwohner des Theodor-Heuss-Platzes Fellbach haben das Areal von Müll und Gestrüpp befreit. Auf dieser Anlage spielen zwar viele Kinder und finden die Menschen in ihrer Mittagspause ein ruhiges Plätzchen. Es gibt aber eben auch die andere, hässliche Seite: Regelmäßig liegen hier Scherben und Unrat rund um die Sitzbänke verteilt, vorzugsweise oben auf der sogenannten Galerie unter der Pergola.

Die tatkräftige Truppe nach dem Einsatz auf dem Theodor-Heuss-Platz. Foto: Claudia Bell
Die tatkräftige Truppe nach dem Einsatz auf dem Theodor-Heuss-Platz. Foto: Claudia Bell

Fellbach - Kurz nach 9 Uhr am Samstagmorgen ist es vorbei mit der Ruhe: „Guten Morgen, melden uns zur Stelle!“, schallt es lachend über den Theodor-Heuss-Platz. Etwa 30 Kinder und Erwachsene im Alter zwischen zwei und 86 Jahren waren mit Schaufeln, Rebscheren, Spaten, Spitzhacken und Arbeitshandschuhen bewaffnet der Idee einer Anwohnerin gefolgt, gemeinschaftlich den Platz zu verschönern.

Hier tummeln sich in den frühen Abendstunden und häufig nachts laut feiernde Jugendliche

Auf dieser Anlage spielen zwar viele Kinder und finden die Menschen in ihrer Mittagspause ein ruhiges Plätzchen. Es gibt aber eben auch die andere, hässliche Seite: Regelmäßig liegen hier Scherben und Unrat rund um die Sitzbänke verteilt, vorzugsweise oben auf der sogenannten Galerie unter der Pergola. Hier tummeln sich in den frühen Abendstunden und häufig nachts laut feiernde Jugendliche, die vom Aufräumen ihrer Partyreste nicht allzu viel halten. „Die Jugendlichen sollen ja hier sitzen dürfen, auch sie brauchen ihren Platz“, lautet zwar die einhellige Meinung der hier lebenden Menschen. Überaus kritisch sehen die Anwohner und jungen Familien es aber, wenn die Störungen bis in die Nacht hinein dauern und die spielenden Kinder am nächsten Tag in Glasscherben treten und sogar leere Drogenspritzen oder Kokain-Tütchen im Gebüsch finden. Zunehmend wächst vor allem unter den älteren Menschen die Angst vor tätlichen Übergriffen.

Um die Hundebesitzer von der Grünfläche fernzuhalten, schlägt Conrad einzelne Fitnessgeräte sowie einen abgezäunten Bereich für die Vierbeiner vor

Auch Matthias Conrad, dessen Arztpraxis direkt am Platz liegt, ist die Vermüllung des Areals ein Dorn im Auge. „Es gibt eine lineare Beziehung zwischen der Höhe des umgebenden Gebüsches und der Anziehungskraft für bestimmte Personenkreise“, kritisiert er. Das generelle Problem des Platzes sei, dass seine Funktion nicht genau definiert sei. „Es ist kein Spielplatz und auch kein Sportplatz. Die vorhandenen Spielgeräte werden zwar gut von den Kindern genutzt, aber die Wiese ist leider ein einziges, großes Hundeklo.“ Um die Hundebesitzer von der Grünfläche fernzuhalten, schlägt Conrad einzelne Fitnessgeräte sowie einen abgezäunten Bereich für die Vierbeiner vor. Seit Samstag ist nun das meiste Gebüsch und Gestrüpp verschwunden, der Sichtschutz für die nächtlichen Randalierer ist bis auf Bodenhöhe entfernt. Bereits in der vergangenen Woche hatten Bauhof-Mitarbeiter die Büsche und Bäume extrem ausgelichtet. Um die Kosten gering zu halten und das von der Verwaltung zugesagte Budget für den Platz in Höhe von 50 000 Euro sinnvoll auf mehrere Maßnahmen verteilen zu können, stellten die Anwohner nun ihre Arbeitskraft zur Verfügung und räumten das Grüngut weg.

Die vielen freiwilligen Helfer haben in ihrer Freizeit den Platz aufgeräumt und Müll eingesammelt

Neben zahlreichen Passanten loben auch Gemeinderäte den Einsatz: „Es ist eine tolle Idee und ein nachahmenswertes Beispiel – nicht nur reden und meckern, sondern selbst die Initiative ergreifen und Hand anlegen“, sagt der FW/FD-Chef Ulrich Lenk. Auch CDU-Fraktionschef Jörg Schiller ist begeistert und stellte spontan einen Häcksler und seinen Sohn Lukas als Mitarbeiter zur Verfügung. „Solche Aktionen unterstütze ich sehr gerne und helfe selbstverständlich mit“, so Schiller. Auch OB Gabriele Zull lobt „den tatkräftigen Einsatz“. Für sie war die Aktion „ein wirklich wunderbares Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen Nachbarn, ehrenamtlichen Helfern, spontane Bereitschaft zur Hilfe und eine guten Planung.

Nach Gesprächen der Anwohner mit dem Tiefbauamt wird sich in den kommenden Wochen noch einiges tun

Das generationenübergreifende Anpacken am Samstagmorgen hat unseren Kollegen aus der Grünflächenabteilung die Arbeit sehr erleichtert. Die vielen freiwilligen Helfer haben in ihrer Freizeit den Platz aufgeräumt und Müll eingesammelt. Ihr und unser Ziel ist es, unsere Umgebung schön zu gestalten, Plätze zum Spielen und attraktive Aufenthaltsräume zu schaffen, die von Vandalismus und Verschmutzung verschont bleiben. Ich bin überzeugt, wenn wir alle mit anpacken, dann schaffen wir das auch.“ Die Aktion am Theodor-Heuss-Platz habe das wieder gezeigt.

Nach Gesprächen der Anwohner mit dem Tiefbauamt wird sich in den kommenden Wochen noch einiges tun auf dem Platz. Ganz oben auf der Wunschliste stehen neben Sicherheit, nächtlicher Ruhe und mehr Kontrollen durch die Polizei, die sinnvolle Nutzung der Wiese sowie Spielgerät für die älteren Kinder. Hans-Peter Bender, der seit Jahrzehnten am Platz lebt und am Samstag tatkräftig mithalf meint: „Das war eine tolle Aktion, die uns alle zusammengeschweißt hat.“ Er selbst freue sich, wenn die Wiese mehr belebt werden könnte, Kinderlärm tagsüber störe ihn nicht: „Das gehört doch zum Leben in der Stadt dazu“, findet er.