Initiative plant Bürgerentscheid in Schorndorf An die Urne für den Klimaschutz

Die Schorndorfer Wilhelm Pesch (links), Dörte Schnitzer und Dejan Stojicevic wollen aktiv etwas dafür tun, dass die Erderwärmung abgebremst wird. Foto: Gottfried Stoppel

Eine Schorndorfer Initiative will per Bürgerentscheid eine Klimaneutralität der Stadt bis 2030 erreichen. Das würde grob neun Millionen Euro im Jahr kosten.

Schorndorf - Etwas mehr als 2240 Unterschriften muss die kleine Initiative Schorndorfer Klimaentscheid sammeln, um ihrem großen Ziel einen Schritt näher zu kommen. Wenn es die zwölf Mitglieder schaffen, dass die Schorndorfer über den Klimaschutz in ihrer Gemeinde abstimmen dürfen, dann könnte der Geburtsort Gottlieb Daimlers ein landesweiter Vorreiter werden.

 

Ganz konkret – das ist die Idee eines Klimaentscheides – sollen die Schorndorfer darüber abstimmen, ob ihre Stadt bis zum Jahr 2030 klimaneutral werden soll. Und darüber, ob ein Bürgerrat eingerichtet werden soll. Dieser wiederum soll einen Aktionsplan erarbeiten, wie eben jene Klimaneutralität erreicht werden kann. „Im Rat sollen alle Bürgergruppen vertreten sein, damit die Maßnahmen besser ankommen“, sagt Dörte Schnitzer.

Engagement aus Sorge um die Zukunft der Kinder

Die Gründerin der Initiative Klimaentscheid Schorndorf rechnet fest mit Gegenwind – nicht erst in der Zukunft, sondern bereits, wenn die Initiative anfängt, Unterschriften für ihr Bürgerbegehren zu sammeln. Aber das schreckt die 51-Jährige nicht. „Das kann so nicht weitergehen“, sagt Schnitzer über den Klimawandel mit all seinen Folgen, „man muss nicht an den Amazonas schauen, er ist längst im Rems-Murr-Kreis angekommen.“

Sie ist mehr als besorgt, wenn sie an die Zukunft ihrer Kinder denkt. Deswegen engagiert sich die Schorndorferin seit dem vergangenen Jahr in der Rems-Murr-Gruppe von Parents for Future. Darüber hat sie wiederum vom Verein German Zero erfahren, der die Idee der kommunalen Klimaentscheide hatte: Dorf für Dorf, Stadt für Stadt, Kreis für Kreis soll Deutschland klimaneutral werden. Auf diese Art und Weise soll die Erderwärmung bei 1,5 Grad abgebremst werden.

Erfolg in Münster: Aktionsplan zur Klimaneutralität beschlossen

Einige Erfolge kann der German Zero bereits verbuchen: Die Initiative Klimaentscheid Münster hat es mit rund 25 Unterstützergruppen geschafft, dass der Stadtrat einen Aktionsplan „Klimaneutralität 2030“ beschlossen hat. Starthilfe für Klimaentscheide wurde nicht nur in Schorndorf, sondern auch in Konstanz, Bayreuth oder Berlin gegeben.

„Als ich von der Idee gehört habe, dachte ich sofort: Das ist genau unser Ding“, erzählt Dörte Schnitzer. Und warum ein Klimaentscheid in Schorndorf? „Weil wir hier leben, weil hier unser Netzwerk am größten ist.“ Am liebsten würde die Initiative den Bürgerentscheid mit der Landtagswahl im März koppeln, damit die Wähler nur einmal zur Urne gehen müssen. „Aber das wird zu knapp, denn wir wollen viele Infoveranstaltungen durchführen“, sagt Wilhelm Pesch, einer ihrer Mitstreiter.

Kosten werden auf rund neun Millionen pro Jahr geschätzt

Eine Grundlage für Diskussionen gibt es mit dem „Klimastadtplan Schorndorf“. Der 30-seitige Fahrplan zur Klimaneutralität wurde mit German Zero ausgearbeitet und macht klar: Jeder Bereich der Stadt muss seinen Anteil leisten – zum Ziel führen sollen unter anderem der Ausbau lokaler Energieerzeugung durch Sonne und Wind, die energetische Sanierung fast aller Gebäude, eine gut ausgebaute Radinfrastruktur, ein engmaschiges Nahverkehrsnetz und vieles mehr. Sogar eine grobe Kostenschätzung hat die Initiative aufgeführt: Rund 9,2 Millionen Euro pro Jahr soll der Weg zur Klimaneutralität kosten. „Es müsste einen Mitarbeiter bei der Stadt geben, der sich nur um die Fördermöglichkeiten kümmert“, sagt Pesch.

Schorndorfer Oberbürgermeister: Zeitplan ist nicht realistisch

Und was sagt der Schorndorfer Rathauschef dazu? „Der Vorschlag der Initiative enthält viele gute Ansätze. Schorndorf innerhalb von neun Jahren für circa 83 Millionen klimaneutral zu bekommen, erscheint wenig realistisch“, sagt Matthias Klopfer (SPD). Ludwigsburg habe sich eine Klimaneutralität bis 2050 vorgenommen, selbst das ambitionierte Konstanz gebe sich bis 2035 Zeit. Seiner Meinung nach solle ein Klimaschutzpaket realistischere Zeitpläne enthalten. Zudem könne Schorndorf selbst bei einem Bürgerentscheid nicht in alle Bereiche eingreifen: „Häufig liegt die Zuständigkeit beim Kreis, beim Land oder beim Bund.“ Weitere Infos zum Klimaentscheid Schorndorf finden sich im Internet.

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