Initiative Sicherer Landkreis Seit 25 Jahren für Zivilcourage und Prävention

Julia Wössner hat einer verletzten, betrunkenen Frau geholfen – 2019 war sie dafür von der ISL ausgezeichnet worden. Foto: © Gottfried Stoppel
Julia Wössner hat einer verletzten, betrunkenen Frau geholfen – 2019 war sie dafür von der ISL ausgezeichnet worden. Foto: © Gottfried Stoppel

Die Initiative Sicherer Landkreis ist 25 Jahre alt geworden. Ihr Ziel ist es, Straftaten vorzubeugen und Zivilcourage zu fördern.

Rems-Murr: Phillip Weingand (wei)
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Rems-Murr-Kreis - Als sich anno 1996 insgesamt 26 Menschen mit 150 Mark Startkapital zusammentaten, um im Rems-Murr-Kreis etwas für Sicherheit und Zivilcourage zu tun, hätten sie sich wohl kaum träumen lassen, ein Vierteljahrhundert später immer noch dazustehen – mit einem Budget von bis zu 60 000 Euro, um eigene Projekte zu realisieren oder Ideen von Schulen und Vereinen zu unterstützen. Die Initiative Sicherer Landkreis (ISL) hat nun ihr 25-jähriges Bestehen gefeiert. Einer der Grundgedanken damals war es, im ganzen Landkreis aktiv zu sein. „Viele Probleme lassen sich eben nicht abgrenzen auf diesen oder jenen Ort“, sagt Präsidiumsmitglied Leo Keidel.

Jährlich zeichnet die Initiative mehrere Menschen aus dem Rems-Murr-Kreis aus, die in besonderer Weise Zivilcourage gezeigt haben. Mal waren es zwei junge Frauen, die einem Rechtsradikalen entgegengetreten waren. Eine Frau, die ihren Wagen stoppte, um einer betrunkenen Verletzten am Straßenrand zu helfen. Ein Mann, der einen Selbstmordgefährdeten auf dem Gleis von seinem Vorhaben abhielt, ein 17-Jähriger, der ein reglos im Schwimmbecken treibendes Kind vor dem Ertrinken rettete und ein Eishockeyprofi, der die Polizei bei der Festnahme zweier mutmaßlicher Einbrecher unterstützte.

Prävention ist ein wichtiger Bestandteil

Ein wichtiger Teil der Arbeit der ISL ist die Prävention. So gibt es regelmäßig Vorträge von Sicherheitsberatern, die ihren Zuhörern die Tricks von falschen Polizeibeamten, Enkeltrick-Betrügern und anderen Ganoven erklären. Und nach dem tödlichen Unfall des ehemaligen Fellbacher Sozialbürgermeisters Raimund Ulrich unterstützt die Initiative auch die Aktion von dessen Hinterbliebenen, reflektierende Bänder für Schulranzen, Kleidung oder Regenschirme zu verteilen, um solche Unfälle in Zukunft zumindest seltener zu machen.

Nicht nur Senioren, sondern auch junge Menschen sind das Ziel von ISL-Kampagnen. So unterstützte die Initiative das Filmprojekt „Elenore“, mit dem auf die sogenannte Loverboy-Masche aufmerksam gemacht werden soll. Das Projekt „Hart am Limit“ sollte dem Komatrinken von Jugendlichen entgegenwirken. Auf die ISL geht es auch zurück, dass Städte und Gemeinden bei der Planung neuer Wohngebiete die Polizei für Sicherheitsfragen mit ins Boot holen müssen. Und damit ist die Liste der ISL-Projekte noch nicht am Ende.

Immer ist auch ein Polizeivertreter dabei

Bei der Jubiläumsfeier standen unter anderem der Staatssekretär Siegfried Lorek (selbst gelernter Polizist), mehrere Landtagsabgeordnete, der Polizeipräsident Reiner Möller und diverse Bürger- und Oberbürgermeister auf der Gästeliste. Das ist kein Wunder: Schon bei der Gründung vor einem Vierteljahrhundert waren der damalige Landrat, Rathauschefs, Bankdirektoren und ein Amtsgerichtsdirektor mit von der Partie.

Im dreiköpfigen Präsidium sitzt auch jetzt immer ein Vertreter der Polizei. Derzeit ist dies Leo Keidel – der Kriminalhauptkommissar ist in Fellbach für Kriminalprävention zuständig. „Es ist gut, wenn man Fachwissen einbringen kann, wenn es um neue Projekte oder Phänomene geht“, sagt Keidel. Die Vernetzung ist für die ISL zentral – auch, weil sie sich nicht nur über Mitgliedsbeiträge, sondern auch über Spenden, Sponsoring, Geldbußen und Benefiz-Events finanziert.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Zivilcourage statt Zurückhaltung zeigen

Im kommenden Jahr will die Initiative eines ihrer Projekte ausweiten. Es geht um Aufklärung über sexuelle Belästigung: Bislang hatte sich dieses an Schulen ausschließlich an Mädchen gerichtet – „wir wollen es jetzt an ganze Klassen richten, damit wir das Thema aus beiden Blickwinkeln bearbeiten können“, erklärt Keidel. Das Problem gehe schließlich alle an – zum Beispiel beim Umgang mit über das Netz verschickten Nacktbildern.




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