Inklusion in Bad Cannstatt Gemeinsam lernen

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Am Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium soll eine Außenklasse der Helene-Schoettle-Schule eingerichtet werden, einer Schule für Kinder mit geistiger Behinderung. Sechs Sonderschüler werden künftig gemeinsam mit den Gymnasiasten unterrichtet.

Kinder mit und ohne Behinderung sollen am Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium künftig gemeinsam unterrichtet werden. Foto: dpa
Kinder mit und ohne Behinderung sollen am Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium künftig gemeinsam unterrichtet werden. Foto: dpa

Bad Cannstatt - Das Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium ist Modellstandort für Inklusion. Auch wenn der geplante Schulneubau noch auf sich warten lässt, steht für das Gymnasium zum Schuljahr 2015/16 die erste Veränderung an. Am Elly soll eine Außenklasse der Helene-Schoettle-Schule eingerichtet werden, einer Schule für Kinder mit geistiger Behinderung. Sechs Sonderschüler werden künftig gemeinsam mit den Gymnasiasten unterrichtet.

Soweit die Theorie. Was das für Schüler und Lehrer in der Praxis bedeutet, hat Thomas Mästle, der Konrektor der Helene-Schoettle-Schule, kürzlich im Foyer des Gymnasiums erläutert. Unterstützt wurde er dabei von Margarete Herbst von der Raichberg Realschule in Stuttgart-Ost, wo man bereits Erfahrung mit inklusiven Klassen hat. Es war der Auftakt für eine neue Vortragsreihe, in der sich das Elly mit dem Thema Inklusion auseinandersetzt.

Es gibt bereits fünf Außenklassen

Zu Beginn der Veranstaltung betonte Norbert Edel, der Leiter des Gymnasiums: „Wir werden keine Schwerpunktschule für Inklusion.“ Das Elly werde in den kommenden Jahren Modelle entwickeln, wie Inklusion funktionieren kann. Dadurch würden aber andere Gymnasien nicht aus ihrer Verantwortung entlassen, so Edel.

Während das Elly mit der Einrichtung der Außenklasse Neuland betritt, hat die Helene-Schoettle-Schule bereits Erfahrung auf diesem Gebiet. Laut Mästle gibt es derzeit sieben inklusive Standorte, an denen Kinder der Helene-Schoettle-Schule unterrichtet werden, sowie fünf Außenklassen. Ein „bewährter Kooperationspartner“ sei die Grundschule Hofen, an der es inzwischen vier Außenklassen gebe. Eine weitere sei an der Jörg-Ratgeb-Schule in Neugereut eingerichtet worden.

Während die Sonderschüler an den inklusiven Standorten wie der Raichberg Realschule Teil der Schulgemeinschaft sind, gehören sie beim Modell Außenklasse weiterhin zur Helene-Schoettle-Schule. Sie haben die gleichen Unterrichtszeiten wie ihre Mitschüler an der Sonderschule. Sie fangen morgens nicht mit den Gymnasiasten um 7.45 Uhr an, sondern erst um 8.30 Uhr. „Es sind keine Gymnasiasten, für sie gilt der Bildungsplan der Helene-Schoettle-Schule“, sagte Mästle. Deshalb sei die Sonderschule auch für die Lehrerversorgung zuständig. Ziel sei es aber, dass Sonderschüler und Gymnasiasten zu einer Einheit zusammenwachsen. „Wir versuchen alles gemeinsam zu machen“, sagte Mästle. Das gelte sowohl für den Fachunterricht, als auch für das Mittagessen oder die Nachmittagsangebote des Elly.

Eine ungewohnte Situation für die Fachlehrer

Wie solch ein gemeinsames Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung funktionieren kann, erläuterte Margarete Herbst. Seit 2011 kümmert sie sich um vier Schüler mit Behinderung, die an der Raichberg Realschule unterrichtet werden. Im sechsten Schuljahr sind sie an die Realschule gewechselt, inzwischen besuchen sie die Klasse neun. „Ziel ist so viel gemeinsamer Unterricht wie möglich“, sagte Herbst. Die Schüler mit Behinderung seien nicht nur im Sport- oder Kunstunterricht dabei. Sie nehmen auch am regulären Mathe-, Deutsch- oder Geschichtsunterricht teil. Doch es müssen auch individuelle Lösungen gefunden werden. So konnten zwei Schüler dem Englischlehrplan irgendwann nicht mehr folgen, sie werden von Herbst jetzt separat unterrichtet.

Generell muss die Pädagogin den Lehrplan auf die Fähigkeiten der Schüler abstimmen. Sie ist während des Unterrichts dabei, unterstützt und erklärt. Eine ungewohnte Situation für die Fachlehrer, die zuvor meist mit den Schülern allein waren. Auch die anderen Kinder hätten sich erst daran gewöhnen müssen. Inzwischen störe es aber keinen mehr, wenn sie einem ihrer Schützlinge etwas erklärt, sagte Herbst.

Mästle ist davon überzeugt, dass beide Seiten, Kinder mit und ohne Behinderung, von der Situation profitieren. Es gehe nicht nur um Fähigkeiten wie Rücksichtnahme und Toleranz oder die Erkenntnis. „dass alle Kinder Stärken haben“, auch die Tatsache, dass mehr Lehrkräfte anwesend seien, komme allen Schülern zugute.

Vortragsreihe:
Der nächste Termin ist Dienstag, 17. März, 19 Uhr: Verena Könekamp vom Verein Lebenshilfe Esslingen beleuchtet das Thema aus einem persönlichen Blickwinkel.

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