Inklusion in Fellbach Die Kernfächer werden doppelt besetzt

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Seitdem das neue Inklusionsgesetz gilt, gehen 20 Jungen und Mädchen mit Förderbedarf auf allgemeine Schulen in Fellbach.

In der Maicklerschule arbeitet die Klassenlehrerin Daniela Wieland mit Sonderpädagogin Maike Spaney (links) zusammen. Foto: Eva Herschmann
In der Maicklerschule arbeitet die Klassenlehrerin Daniela Wieland mit Sonderpädagogin Maike Spaney (links) zusammen. Foto: Eva Herschmann

Fellbach - Daniela Wieland steht vorne neben dem Pult und erklärt den Stoff der Stunde. Derweil hat sich die Sonderschullehrerin Maike Spaney zu einem ihrer Schützlinge im Klassenzimmer gesellt, um ihn beim Verstehen und Lernen zu unterstützen. Sechs der 20 Mädchen und Jungen, die in diesem Schuljahr in Fellbach inklusiv unterrichtet werden, besuchen die Klasse 2a der Maicklerschule. Maike Spaney steht Klassenlehrerin Daniela Wieland zehn Schulstunden in der Woche zur Seite. Bevorzugt fahren die zwei Frauen die Doppelschichten in den Kernfächern Deutsch und Mathematik. In anderen Bereichen wiege der Unterschied zwischen den Inklusionskindern und den anderen Schülern nicht so schwer, sagt Daniela Wieland.

Es hat ein Paradigmenwechsel stattgefunden

Es hat ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Seit einem Jahr wird das Inklusionsgesetz in Fellbacher Schulen angewandt. Es gibt keinen Pflichtbesuch in Sonderschulen mehr. Der Elternwunsch und der Rechtsanspruch des Kindes auf sonderpädagogische Förderung sind maßgeblich. Eltern haben jetzt die Wahl: Sie können ihr Kind in einem Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum einschulen, zu denen Förderschulen wie die Fellbacher Wichernschule oder die Fröbelschule in Schmiden zählen. Sie können aber auch eine allgemeine Schule für ihr Kind aussuchen. Die freie Schulwahl wird allerdings durch Rahmenbedinungen eingeschränkt. Nicht jede Bildungsanstalt in der Stadt bietet inklusiven Unterricht an. In Fellbach sind die Schillerschule, die Zeppelinschule und die Maicklerschule auf Kinder mit sonderpädagogischem Bedarf eingestellt.

Grundlage für den Anspruch auf Förderung ist ein fachliches Gutachten, das einen sonderpädagogischen Bildungsanspruch belegt. Dann müssen die Eltern einen Antrag beim Staatlichen Schulamt in Backnang stellen. 110 Mädchen und Jungen aus Fellbach fallen in diese Kategorie. Die überwiegende Mehrheit, nämlich 90 Kinder, besucht nach wie vor Förderschulen, die anderen 20 gehen in allgemeine Schulen. Mit 18 Prozent Inklusionskindern liegt Fellbach damit deutlich über dem Schnitt im Rems-Murr-Kreis, in dem knapp 14 Prozent an allgemeinen Schulen unterrichtet werden. Doch der Anspruch auf Inklusion und die Realität prallen oft aufeinander. Nicht nur, wenn es um die Wunschschule geht, sondern auch, wenn ein Kind eine ständige Begleitung im Schulalltag braucht, die oftmals mangels Fachkräften und fehlender Finanzierung nicht gewährt werden kann.

„Ziel von Inklusion ist es, eine Gesellschaft zu schaffen, in der wir es aushalten, anders zu sein“, sagt David Coronel, der Rektor der Wichernschule, einer Förderschule mit Schwerpunkt Lernen. Er sei weder für noch gegen Inklusion. Die Entscheidung, welche Schule die richtige ist, müsse bei jedem Kind individuell betrachtet werden. „Es gibt Kinder, die schicke ich mit einem guten Gefühl in die Inklusion, andere nicht.“

Generell sieht der Schulleiter der Wichernschule Vor- und Nachteile bei beiden Methoden

Generell sieht der Schulleiter der Wichernschule Vor- und Nachteile bei beiden Methoden. In den Förderschulen werde in kleinen Lerngruppen gearbeitet statt in großen Klassen, allerdings seien Kinder von dort auch schnell mit einem Etikett belegt. In allgemeinen Schulen mit Inklusion werde dagegen die Teilhabe gelebt, es finde keine „Gettoisierung“ statt, sagt David Coronel. „Dafür haben wir bei uns optimale Ressourcen, um unsere Schüler zu fördern, während für Inklusion viel zu wenig Geld und Fachkräfte zur Verfügung stehen.“ Die Förderung sei in den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren deshalb auch deutlich intensiver als in Schulen mit Inklusion. „Zumal Inklusion für Lehrer auch ganz schön belastend sein kann, und je höher die Klassenstufe ist, umso schwieriger wird sie auch“, sagt David Coronel.

Der Bildungsplan für den Mathematik-Unterricht in den zweiten Grundschulklassen sieht vor, dass die Schüler mit Zahlen bis 100 umgehen können. Die sechs Inklusionskinder aus der 2a in der Maicklerschule bewegen sich in den Bereichen von eins bis zehn oder eins bis 20. „Eines der Kinder rechnet aber auch schon bis 100“, sagt Klassenlehrerin Daniela Wieland. Die unterschiedlichen Leistungen seien möglich, seitdem die „zieldifferente Inklusion“ es ausdrücklich gestatte, dass in einer Klasse jeder sein Tempo geht, erklärt ihre Sonderschulkollegin Maike Spaney.




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