Der Esslinger Weingärtner Liederkranz, die Lebenshilfe Esslingen und der FC Esslingen bereiten sich mit ihrem inklusiven Projekt ChorPlus auf ihr Konzert im April vor. Foto: Gaby Weiß
Der ChorClub, ein inklusives Projekt von Lebenshilfe Esslingen und FC Esslingen, gibt ein gemeinsames Konzert mit dem ChorTeam des Weingärtner Liederkranzes im Neuen Blarer.
Gaby Weiß
18.02.2026 - 10:00 Uhr
„Singen macht glücklich. Und singen kann jeder.“ Wer je an der Richtigkeit dieser Sätze gezweifelt hat, ist herzlich eingeladen, einmal mittwochs bei der Probe des inklusiven Chor-Projekts von Lebenshilfe Esslingen und FC Esslingen vorbeizuschauen. Hier singen im ChorClub Menschen mit und ohne Handicap miteinander – mit ganz viel Lust und Laune und aus voller Brust. Derzeit wird mit dem ChorTeam des Weingärtner Liederkranzes an den Vorbereitungen für ein gemeinsames Konzert am Samstag, 25. April, im Neuen Blarer in Esslingen gearbeitet.
Martin Hägele, einst Fußball-Junioren-Nationalspieler und Profispieler, später erfolgreicher Fußballlehrer und -trainer, hat 2017 mit Bewohnerinnen und Bewohnern aus dem Wohnheim der Lebenshilfe Esslingen in der Stuttgarter Straße die Initiative „Sport vor Ort“ ins Leben gerufen. Nach dem Kicken und Toben auf dem Bolzplatz wurden anschließend beim Warten auf den Bus Fußballlieder gesungen. „Sie singen alle richtig gern. Warum also nicht einen kleinen Chor gründen?“, fragte Hägele, der selbst in zwei Esslinger Chören aktiv ist. Fortan wurde im 14-tägigen Wechsel mal Sport gemacht, mal gemeinsam gesungen.
Isolde Holzmann begeistert ChorClub mit Leidenschaft und Gefühl
Mit großer Begeisterung mit von der Partie ist Isolde Holzmann. Die Gesangspädagogin und Chorleiterin beim Weingärtner Liederkranz begleitet die bunte ChorClub-Truppe mit Gitarre, Gefühl und viel Leidenschaft. Ältere und Jüngere, erfahrene Chorsänger und blutige Anfänger, Menschen mit und ohne Behinderung, Familie und Freunde singen seither im ChorClub jeden zweiten Mittwoch nach der Arbeit miteinander.
Da werden nicht nur Fußballhymnen, sondern auch das Mut machende „Ich bin Okay, du bist Okay“, das afrikanische „Banuwa-Round“ oder das australische Willkommenslied „Abeeyo“ angestimmt. Da wird ganz nebenbei die Atmung vertieft, wenn mit lauter und leiser werdendem „A“ und „O“ imaginäre Luftballons von der Decke heruntergezogen werden. Da gibt es eine Rhythmusschulung nebenbei, wenn geschnippt, getrommelt und geklatscht wird. Da werden passende Handbewegungen gemacht, ein laut schnarchender Löwe imitiert und das Lied „Schnupfenzeit“ mit einem vielstimmigen „Hatschi!“ beendet.
„Man singt aus der Emotion heraus“
Mit Lob wird im ChorClub nicht gespart, mal gibt’s ein zustimmendes Daumen-Hoch, mal Beifall aus der Runde oder ein anerkennendes „Da höre ich sehr schöne Töne.“ Wobei Isolde Holzmann betont, dass es hier überhaupt nicht darum gehe, „richtig“ oder „schön“ zu singen: „Manchmal klingt’s wirklich schräg. Sei’s drum: Bei uns sind andere Dinge wichtig. Man singt mit dem Herzen, man singt aus der Emotion heraus, man singt mit Freude und Spaß. Oft muss man einfach loslassen, dann kommt man in ein gemeinsames Schwingen, einen richtigen Flow. Das gibt eine Herzensverbindung, die man nicht erklären kann, die muss man fühlen.“
Es ist der Chorleiterin ein besonderes Anliegen, ihre eigene Begeisterung für das gemeinsame Singen zu vermitteln. Darüber hinaus habe das Singen viele weitere positive Eigenschaften: „Die Atmung wird tiefer, Intonation und Aussprache verbessern sich, das Selbstbewusstsein wächst. Die Gemeinschaft tut gut. Singen aktiviert Körper, Geist und Seele“, betont die Gesangspädagogin. Martin Hägele ergänzt: „Nach Corona und auch in diesen schwierigen Zeiten jetzt darf man froh sein, dass man so etwas miteinander erleben darf. Das ist ein wunderbares Gegengewicht zu all den Schwierigkeiten dieser Tage. Unsere Zuhörer haben zum Teil Tränen in den Augen.“ Und die Sängerinnen und Sänger haben Spaß miteinander: Mit roten Backen und strahlenden Gesichtern wird gesungen, gehüpft und geschunkelt. Es muss übrigens keiner mitsingen: Manch einer sitzt auch einfach nur mittendrin, ein verschmitztes Lächeln auf den Lippen.
ChorPlus begeistert mit Live-Hörspiel und Dschungelfest
Für das Kulturprojekt „Stadt im Fluss“ 2024 hat sich der ChorClub erstmals mit dem ChorTeam, dem jungen Chor des Weingärtner Liederkranzes, zusammengetan und mit einem gemeinsamen Auftritt das Publikum begeistert. In diesem Jahr sind die Chöre zusammen bereits fürs Podium Festival gebucht und für die Benefizaktion „Wir bewegen was“ im November angefragt. Derzeit wird fleißig geübt und geprobt für ein gemeinsames Konzert von ChorClub und ChorTeam im Neuen Blarer, bei dem sie als ChorPlus „gemeinsam Großes gestalten“ wollen: Dabei werden sie zum Beispiel mit vielen Liedern in einem Live-Hörspiel die Geschichte von einem traurigen Löwen im Urwald erzählen, der von seiner Familie getrennt wurde. Klar, dass es am Ende gut ausgeht und alle Dschungeltiere gemeinsam ein großes Fest feiern.
ChorClub + ChorTeam = ChorPlus
Die Proben Ab dem 25. Februar probt der ChorClub jeden Mittwoch für das große ChorPlus-Konzert. Außer in den Schulferien trifft man sich um 17 Uhr im Haus der Lebenshilfe in der Stuttgarter Straße 45. Das ChorTeam des Weingärtner Liederkranzes probt immer mittwochs ab 19.30 Uhr in der Alten Aula. Auch neue Sängerinnen und Sänger sind willkommen. Nähere Informationen unter www.weingaertner-liederkanz-es.de oder www.lebenshilfe-esslingen.de oder www.fc-esslingen.de
Das Konzert Das große Konzert der ChorPlus-Gemeinschaft feiert am Samstag, 25. April, um 18 Uhr im Neuen Blarer in Esslingen Premiere. Das ChorTeam des Weingärtner Liederkranzes wird dabei Mehrstimmiges wie „Auf das, was da noch kommt“, „Guten Tag, liebes Glück“ und „You‘ll never walk alone“ zum Besten geben, der ChorClub wird einstimmig mit einer Bewegungs- und Rhythmus-Choreographie unter anderem „Banuwa-Round“, „Bruder Jakob“, „Der Löwe schläft heut Nacht“ und Fußballlieder singen. Auch das Publikum wird mit einbezogen werden. Der Eintritt ist frei, Spenden werden erbeten.