Inkontinenz ist weit verbreitet, trotzdem gibt es kaum gute Behandlungsmöglichkeiten. Das Klinikum Ludwigsburg arbeitet an einer neuen Methode, die jetzt erfolgreich zum Einsatz kam.

Weltweit sind mehr als 40 Prozent aller Frauen im Lauf ihres Lebens von Inkontinenz betroffen. Trotzdem gibt es bislang kaum gute Behandlungsmöglichkeiten. Meist wird Kunststoff in den Körper eingesetzt, was mit großen Risiken verbunden ist. Im Klinikum Ludwigsburg ist einer Betroffenen nun erstmals körpereigenes Gewebe anstelle eines Kunststoffnetzes eingesetzt worden. Sprecher Alexander Tsongas spricht von einem innovativen Verfahren, das weltweit bisher einmalig ist und vielen Frauen Hoffnung schenken könne.

 

Kritik an Kunststoffnetzen

Der Einsatz von Kunststoffnetzen und -bändern ist Tsongas zufolge zunehmend in die Kritik geraten. „In vielen Ländern sind diese Netze verboten worden oder aber deren Einsatz stark reglementiert.“ Denn ein Kunststoffnetz könne vom Körper abgestoßen werden oder zu Unverträglichkeiten führen. „Und da ein Kunststoffnetz schon bald mit dem Körper verwächst, kann es bereits nach kurzer Zeit nur noch sehr aufwendig oder gar nicht mehr vollständig entfernt werden.“ Ein natürlicher Ansatz, der ohne Fremdmaterial auskommt, sei deshalb gerade für junge Patientinnen von Vorteil.

„Ich hatte Angst zu lachen, zu niesen oder zu husten, weil dann immer etwas Urin abging“, wird die 44-jährige Betroffene im Bericht des Klinikums zitiert, die nach der Geburt ihrer Kinder eine Inkontinenz entwickelte. „Auch Sport, Trampolinspringen mit den Kindern oder selbst Tanzen waren für mich irgendwann unerreichbare Momente.“ Die Einschränkungen im Alltag wurden irgendwann so groß, dass sie sich ihrer Frauenärztin anvertraute, die sie ans Zentrum für Frauengesundheit verwies.

Nur in Ludwigsburg und Frankfurt

Im Oktober wird die 44-Jährige mit Erfolg operiert. Es ist die weltweit erste Operation mit dieser Methode. Eingesetzt wurde eine Oberschenkelsehne, die dank einer speziell entwickelten Technik erhalten bleibe und damit weiter voll funktionstüchtig sei. Das RKH-Klinikum Ludwigsburg und das Bürgerhospital Frankfurt sind aktuell bundesweit die einzigen Zentren, die diese neue Operationsmethode – unter Studienbedingungen – evaluieren.